Aachen - Koran-Verteiler lösen Polizeieinsatz aus

Koran-Verteiler lösen Polizeieinsatz aus

Von: Oliver Schmetz
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Koran
Mehrere Passanten regten sich über den missionarischen Eifer der Koran-Verteiler auf, diese wiederum beschwerten sich über diverse abfällige Äußerungen vorbeigehender Fußgänger.

Aachen. Die einen wollten den Koran unters Volk bringen, die anderen fühlten sich dadurch belästigt – und beide Seiten alarmierten kurz darauf die Polizei. Als diese dann am vergangenen Sonntag gegen Mittag am Ort des Geschehens in der Adalbertstraße eintraf, stellte sie nach eigenem Bekunden eine „angespannte Stimmung“ fest.

Mehrere Passanten regten sich über den missionarischen Eifer der Koran-Verteiler auf, diese wiederum beschwerten sich über diverse abfällige Äußerungen vorbeigehender Fußgänger. Die Streifenbeamten konnten schließlich schlichten, strafbare Handlungen seien nicht festgestellt worden, hieß es am Dienstag seitens der Polizei.

Doch nicht zuletzt vor dem Hintergrund der jüngsten schweren Krawalle bei der Kölner „Hooligans gegen Salafisten“-Demo betrachtet man solche Konflikte bei der Aachener Polizei mit Sorge. „Das Thema birgt eine gewisse Brisanz“, sagt Polizeisprecher Paul Kemen, „wir werden die Situation genau im Auge behalten.“

Nun waren am vergangenen Sonntag unter den Passanten, die die Polizei riefen, keine Hooligans. „Die Anrufer waren ganz normale Bürger“, sagt Kemen. Und unter den Koran-Verteilern waren nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei keine radikalen Salafisten – jedenfalls haben sie sich nicht als Radikale zu erkennen gegeben. Das heißt: Sie haben keine verbotenen Kennzeichen gezeigt oder volksverhetzende Schriften verteilt und auch nicht beispielsweise für die Terror-Miliz Islamischer Staat (IS) geworben oder für diese Spenden gesammelt. „Diese Leute berufen sich bei ihren Aktionen auf die Glaubensfreiheit und darauf, nicht politisch zu agieren“, sagt Polizeisprecher Kemen.

Brisant ist das Ganze gleichwohl. Schließlich gilt Aachen in Nordrhein-Westfalen nicht nur als eines von mehreren Zentren rechtsradikaler Gewalt, sondern mittlerweile auch als eine Hochburg radikaler Salafisten. Da passt es eher schlecht ins bisher friedliche Bild, dass die Koran-Verteiler laut Polizei mittlerweile eine „Nische“ gefunden haben, in der sie die eigentlich vorgeschriebene Anmeldung ihrer Aktionen bei der Stadt umgehen können.

Seit 2012, als bundesweit Muslime damit begannen, in Fußgängerzonen kostenlos Korane zu verteilen, war es in Aachen so: Die Koran-Verteiler meldeten Infostände an und waren damit regelmäßig am Holzgraben oder am Willy-Brandt-Platz präsent. Die Stadt wiederum informierte im Vorfeld die Polizei, die das Ganze im Blick behielt. Mittlerweile aber laufen die Koran-Verteiler laut Polizei entweder mit Plakaten durch die Straßen und warten „passiv“ darauf, angesprochen zu werden, oder sie bauen mobile Stände in Haus- oder Geschäftseingängen auf. Das war auch am vergangenen Sonntag so, als die Korane im Eingangsbereich des leerstehenden Wehmeyer-Gebäudes angeboten wurden. „Rechtlich befinden sie sich dort auf Privatgelände und benötigen keine ordnungsbehördliche Genehmigung“, sagt Kemen. Nur der Hauseigentümer könne dort von seinem Hausrecht Gebrauch machen.

Die Polizei wiederum bekräftigt, sofort „entschlossen einzuschreiten und Strafverfahren einzuleiten“, sollten sich die Koran-Verteiler doch als Radikale entpuppen. Allerdings hat sie es nun schwerer, das Ganze im Auge zu behalten.

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