Kopfkino auf der Theaterbühne

Von: ju
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Intrigen und Bosheit: Das Jurakowa-Projekt zeigt „Madame de Sade”. In dem Stück erzählen sechs Frauen die Geschichte des französischen Adeligen Marquis de Sade. Die Premiere war ein Erfolg. Foto: Karin Jager

Aachen. Marquis de Sade - ein legendärer französischer Adeliger, der im 18. Jahrhundert durch sexuelle Ausschweifungen von sich reden machte. Ein Denkmal ganz eigener Art setzte ihm der japanische Autor Yukio Mishima. Dessen Theaterstück „Madame de Sade” erzählt die Geschichte des Adeligen aus der Perspektive seiner Frau.

Regisseurin Tatjana Jurakowa inszenierte das Stück, das nun im Theater 99 Premiere feierte.

Allerdings taucht Donatien Alphonse Francois de Sade, wie er mit vollem Namen heißt, nicht ein einziges Mal selbst in dem Stück auf. Stattdessen spielt ein sechsköpfiges Frauenensemble. Geschichtlich reale Figuren sind die Schwiegermutter, ihre älteste Tochter, die mit de Sade zwangsverheiratet ist, sowie ihre jüngere Schwester.

Diese waren Mitglieder der Familie de Montreuil, in die de Sade des Geldes wegen eingeheiratet hatte. Fiktiv sind zwei Freundinnen des Hauses und das Dienstmädchen, die in dem Stück aber wichtige Rollen spielen. Fortan entspinnt sich eine Geschichte mit Intrigen, Missbrauch und Bosheit in der Familie um de Sade.

Gesamtpaket stimmte

Die Premiere war das Ergebnis eines sechsmonatigen Theater-Workshops, in dem die Darstellerinnen nicht nur den Text erarbeiteten, sondern auch Grundlagen der Schauspielerei erlernten. Und wenn an mancher Stelle die mangelnde Bühnenerfahrung offensichtlich wurde, so war das Gesamtpaket doch stimmig. „Madame de Sade” ist nicht nur ein nachdenklich machendes Lehrstück über Zwangsheirat und Standesdünkel, sondern besitzt auch einige gut platzierte Lacher.

Seine stärksten Momente hat „Madame de Sade”, wenn beim Zuschauer das Kopfkino angeworfen wird - wenn etwa eine Freundin des Hauses, Gräfin de Saint-Fond, erotische Geschichten von ihm zum Besten gibt.

Nur mit wenigen Möbelstücken aus der Rokoko-Zeit sowie aufwändigen Kostümen wird das passende Ambiente für das Kammerspiel geschaffen. Den sechs Darstellerinnen war allerdings die Nervosität bei der Premiere anzumerken. Der Ausdruck und das intensive Spiel machten aber einiges wett. Durch freundlichen Schlussapplaus war die Premiere im ausverkauften Theater 99 ein Erfolg.

Weitere Vorstellungen von „Madame de Sade” sind vom 6. bis 8., 13. bis 15. und 20. bis 22. März, jeweils um 20 Uhr im Theater 99, Gasborn 9-11. Tickets kosten zwischen 10 und 12 Euro. Reservierungen unter 27458.

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