Konzept nach WM-Trubel: Mehr Streifen von Polizei und Ordnungsamt

Von: Robert Esser
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Massen im Pontviertel: Am Mittwoch fiel die Siegesfeier aus - und nach der WM soll nachts weniger Alkohol auf offener Straße fließen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Politik und Verwaltung haben dem größten Aachener Partyviertel am Mittwoch unmissverständlich die Gelbe Karte gezeigt. Einstimmig votierte der Hauptausschuss für ein „Ordnungspolitisches Handlungskonzept Pontstraße”.

So soll eine neue Vereinbarung zwischen Ordnungsamt und Polizei an Abenden „mit Hochbetrieb” nicht nur die personelle Präsenz entlang der „Pontschiene” erhöhen, sondern auch „eine konzertierte Aktion im Bereich Prävention” anstoßen sowie die Einhaltung „gängiger Spielregeln” überwachen. Ein von Oberbürgermeister Marcel Philipp angedrohtes generelles Alkoholverbot zu nächtlichen Stunden wird dabei - noch - nicht verordnet.

In Verruf geraten

Das früher studentisch geprägte Pontviertel war in den Wochen vor und während der Fußball-WM zunehmend in Verruf geraten. Alkoholmissbrauch, Gewaltexzesse, öffentliche Unzucht, Partylärm bis zum frühen Morgen und die wieder zunehmende Vermüllung hatten nicht nur Anwohner, Polizei und Ordnungskräfte, sondern auch Politik und Verwaltung auf den Plan gerufen.

Mittwochabend verhalf schon die Halbfinalniederlage der deutschen Elf zum Stimmungswechsel: Mit einem massiven Aufgebot hielten Polizei- und Ordnungskräfte die Lage in der von Fans belagerten City im Griff. Weit über 5000 Menschen hatten bis zum Schlusspfiff beim „Public Viewing” mitgefiebert und auf dem Markt letztlich den 1:0-Sieg der Spanier miterleben müssen. Danach fielen Party und Autokorso aus. Fast fluchtartig verließen die enttäuschten Fans Altstadt und „Pontschiene”.

OB Philipp hatte am Nachmittag im Rathaus angekündigt, dass im Pontviertel nach der WM und den beabsichtigten acht Neueinstellungen mehr Außendienstler des Ordnungsamtes eingesetzt würden. Entscheidend sei aber eine „Selbstverpflichtung”, die man am „Runden Tisch” des Viertels - bislang besetzt mit Anwohnern, Politikern, Ordnungsamt und Polizei - verabreden müsse. Dort sollen jetzt Kioskbesitzer und Supermarktbetreiber mitmachen. Sie müssten künftig auf nächtliche Alkoholverkäufe verzichten, damit nicht mehr lautstark auf offener Straße, sondern in den Gastronomiebetrieben gefeiert wird. Auch die billigen „Cocktail to go”-Angebote einiger Wirte stehen laut Ordnungsdezernentin Annekathrin Grehling auf der Streichliste. „Wenn die Selbstverpflichtung nicht zieht, werden wir satzungsmäßig reagieren”, betonte Philipp. Möglich seien eine modifizierte Sperrstundenregelung und sogar Änderungen bei der Bewilligung der Außengastronomieflächen, hieß es.

SPD-Ratsherr Boris Linden warf der Verwaltungsspitze vor, sie sei viel zu spät aktiv geworden. „Unser SPD-Antrag liegt seit August 2009 vor.” Seitdem warte die Polizei auf ein eindeutiges politisches Signal, um im Pontviertel für Ordnung zu sorgen. CDU-Fraktionschef Harald Baal konterte die Kritik Lindens mit dem Hinweis darauf, dass die SPD und deren früherer OB lange vor der jüngsten Kommunalwahl entsprechende Schritte hätten einleiten können. „Im Übrigen ist die Polizei nicht nur bei Straftaten, sondern ebenfalls bei Ordnungswidrigkeiten durchaus zuständig”, sagte er. Hilde Scheidt (Grüne) erklärte, die Einrichtung einer „Ordnungspartnerschaft” binde die Polizei verpflichtender an das Handlungskonzept Ponstraße als ein „Runder Tisch”. Wie Andreas Müller (Linke) ermahnte sie die Landesregierung, die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten - und damit den Nachtverkauf billiger Alkoholika - bis 1 Uhr nachts zu begrenzen. „Die Leute können sich ja nur einmal besaufen - und das muss ja nicht bis morgens um 4 Uhr sein”, sagte sie. Sie brachte die Idee gemeinsamer Streifen von Ordnungsamt und Polizei auf den Tisch. „Das spart Personal.” Und dieses soll nun durchgreifen.

Fazit: Falls sich das Pontviertel nicht an die Spielregeln hält, könnte sich der florierende Straßenumsatz für Kioske, Supermärkte, Imbissbuden und Wirte ganz schnell zum Eigentor entwickeln.
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