„Konzeät ejjene Keller“ des Vereins Öcher Platt

Von: Peter Schopp
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Trafen mit ihrer Musik auf Einladung des Vereins Öcher Platt genau den Geschmack der Zuhörer im Stauferkeller: Udo Schroll und Willi Lennartz sorgten für Begeisterung. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Nach der letzten, lautstark bejubelten Zugabe folgte unter anhaltendem Applaus die ultimative Lobhudelei aus berufenem Munde. „Dat wor ja net esue schleäht“, fasste Dr. Manfred Birmans, Vorsitzender des gastgebenden Vereins Öcher Platt den Abend schelmisch zwinkernd zusammen. Um das gerade Erlebte dann doch in die richtige Kategorie einzuordnen.

„Ich glaube, viele solcher Abende hat der Stauferkeller noch nicht gesehen“! Er war damit Sprachrohr für ein begeistertes Auditorium, welches in den vorangegangenen eineinhalb Stunden Zeuge eines sehens- und hörenswerten Auftritts zweier Musiker wurde, die erst seit relativ kurzer Zeit im Bereich der Mundartmusik unterwegs sind.

Seit Herbst vergangenen Jahres finden im Haus Löwenstein unter dem Begriff „Konzeät ejjene Keller“ musikalische Darbietungen mit Öcher Bezug und Mundart statt, ausgerichtet vom Verein Öcher Platt. Udo Schroll und Willi Lennartz stellten in dieser Reihe Auszüge ihres Repertoires vor und trafen die Besucher mitten ins Herz. „Wir sind keine Karnevalsmusiker“, legte Schroll Wert auf die richtige Deutung ihres Schaffens. „Öcher Platt muss vor allem in den vier echten Jahreszeiten funktionieren, nicht nur in der fünften“.

2013 hatte man ihn gebeten, eine Lesung mit einigen Mundartliedern zu begleiten. Der Veranstalter dachte wohl mehr an die kölsche Variante, hatte in Schroll aber eine Tür aufgestoßen. Für besagten Abend hat er dann schnell „drei, vier Liedchen“ komponiert und getextet, natürlich in seiner Muttersprache, dem Öcher Platt.

Das hat ihm so viel Spaß gemacht, dass er sein langjähriges Engagement in einer Coverband beendete und seitdem mit seinem Bassisten alleine unterwegs ist. Schroll sucht die Themen für seine Lieder im Alltag, mit Vorliebe im Öcher Alltag. Er schreibt und textet seine Stücke selbst, und bei seinen Auftritten erkennt man die jahrzehntelange Bühnenerfahrung.

Dabei hat er vor keinem Thema Angst. Politisch bezieht er ebenso Stellung (Du bes freij; Vür stöhnt op) wie sportlich, was durch den schwarz-gelben Mikrofonschmuck aus seinem Alemannia-Fundus belegt wird. Er selbst bezeichnet seine Musik als Öcher Country Folk, aber am besten findet er, wenn die Menschen nach Hause gehen und sagen: „Ich weäß net, wat et wor, ävvel et wor schönn“.

Der proppevolle Stauferkeller jedenfalls schuf für die beiden, die unter dem Namen „udo-s-punkt“ auftreten ein perfektes Ambiente. Was kann es für einen Aachener schöneres geben, als bei einem kühlen Getränk an historischer Stätte solchen mundartlich und musikalisch hochwertigen Darbietungen beizuwohnen. Dabei ist Schroll kein Fantast. „Wir können den Niedergang des Öcher Platt nicht stoppen, aber wir können auf die Bremse treten“, sieht er in seinem Engagement durchaus eine Sisyphusaufgabe. Was ihn aber nicht daran hindert, unaufhörlich weiter zu schreiben.

Er schöpft mittlerweile aus einem Repertoire von mehr als 40 Liedern, von besinnlich bis lustig, von Rock bis Cha-Cha-Cha. Für den Herbst hat er die nächsten Pläne. Zum 90. Geburtstag des Aachener Mundartdichters Hein Engelhard möchte er einige der Gedichte vertonen, und dann steht im Herbst die Veröffentlichung der ersten CD an. Bis dahin muss man sich mit den Hörproben auf seiner Internetseite zufrieden geben. Und weitere Auftritte in der näheren Umgebung dürften nach diesem Abend ebenfalls folgen.

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