Aachen - Kontrollen im Aachener Dom: Nicht alle reagieren gelassen

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Kontrollen im Aachener Dom: Nicht alle reagieren gelassen

Von: Margot Gasper
Letzte Aktualisierung:
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Dürfte ich mal in Ihre Tasche schauen? Im Auftrag des Domkapitels nimmt Domschweizer Barthel Schmal stichprobenartige Kontrollen im Münster vor. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Einmal haben sie am Mittwoch schon die Polizei rufen müssen. An dem Tag wurden im Dom erstmals systematisch große Taschen und Rucksäcke der Besucher kontrolliert. Ein Gast weigerte sich kategorisch, seinen Rucksack zu öffnen. Gehen wollte er aber auch nicht. Die Domschweizer haben dann die Polizei gerufen. Die Beamten führten den Mann nach draußen und nahmen die Personalien auf.

„Im Großen und Ganzen aber reagieren die Besucher sehr verständnisvoll“, sagt Domschweizer Barthel Schmal. Am Donnerstagmittag steht er im Eingangsbereich des Münsters und hat ein wachsames Auge auf das Kommen und Gehen.

Als Reaktion auf den Terroranschlag in einer nordfranzösischen Kirche hatte das Aachener Domkapitel am Mittwoch angekündigt, ab sofort „verdächtige Gegenstände und Rucksäcke“ kontrollieren zu wollen. Zwei Angreifer waren in der Normandie in eine katholische Kirche eingedrungen und hatten einen 84-jährigen Priester mit einem Messer getötet.

Für den Aachener Dom gilt nun: erhöhte Wachsamkeit. Und das ist durchaus eine Herausforderung für die Schweizer. Rund 1,3 Millionen Besucher verzeichnet die Weltkulturerbestätte jährlich, und auch an diesem eher regnerischen Sommertag herrscht reger Betrieb. Die meisten Touristen sind nicht gerade mit leichtem Gepäck unterwegs, und gefühlt jeder Zweite hat einen Rucksack oder eine mächtige Tasche umgehängt. Kontrollen sind da nur stichprobenartig möglich.

Nur Stichproben

„Wir können nicht die Aufgaben der Polizei übernehmen und flächendeckend kontrollieren“, sagt denn auch Günter Schulte, der als Geschäftsführer des Domkapitels und auch für den Einsatz der Domschweizer zuständig ist. „Aber unsere Besucher sollen das Gefühl haben, dass hier aufmerksam kontrolliert wird.“ Schulte setzt auf die Erfahrung seiner Aufseher: „Da ist Fingerspitzengefühl nötig.“

Dompropst Manfred von Holtum hatte bereits am Mittwoch betont, dass der Dom als Weltkulturerbe grundsätzlich allen Menschen und insbesondere den Betern weiter offen stehe. „Es ist kein Thema, die Öffnungszeiten zu reduzieren oder den Dom gar ganz zu schließen“, ergänzt Franz Kretschmann, Pressesprecher des Domkapitels. Alles ist also (fast) wie immer: Das Münster ist jetzt im Sommer von morgens um sieben bis abends um sieben offen, und die insgesamt 14 Schweizer, die im Schichtbetrieb für die Aufsicht im Dom zuständig sind, haben alles und alle im Auge – nur neuerdings mit besonders kritischem Blick auf große Taschen.

Bei denen, die morgens früh in die Messe kamen, hat Barthel Schmal am Donnerstag nicht kontrolliert. „Das sind Stammkunden, die kennt man ja“, sagt er.

Auch ohne die neue Taschenkontrolle haben die Aufpasser im Dom reichlich zu tun. Barthel Schmal ist jetzt im sechsten Jahr als Schweizer im Einsatz und kann da einiges erzählen. „Viele Leute wissen heute gar nicht, was eine Kirche ist und wie man sich darin angemessen verhält“, sagt er. Da sind die, die wie selbstverständlich ihre Currywurst oder ihre Cola in die Kirche tragen oder partout den Hund mitnehmen wollen – manche mit dem Hinweis, dass auch der Möpp ein Geschöpf Gottes sei.

Noch gut erinnert sich Barthel Schmal an den Morgen, an dem er an einem Weihwasserbecken einen Mann antraf, der dort seine Nassrasur verrichtete. „Und in der Nikolauskapelle saß mal eine ältere Dame und rauchte seelenruhig“, erzählt er. Als der Schweizer sie ansprach, ging sie wortlos weg.

Vor Jahren, berichtet der Geschäftsführer des Domkapitels, sei im Dom mal der Opferstock geklaut worden, ein massives Teil. „Und die Diebe haben ihn in einem Kinderwagen rausgebracht.“ Damit würden sie heute wahrscheinlich nicht durchkommen, sagt Schulte. „Heute würden die Schweizer in den Wagen schauen, ob wirklich ein Kind drinliegt.“

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