Kommentiert: Unterirdisch

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Kommentiert: Unterirdisch

Ein Kommentar von Stephan Mohne

Notizen aus der Provinz: Ein kleines Stück eines Bächleins verschwindet in den Kanal – wen interessiert‘s schon? Muss man denn gleich einen derartigen Bohei darum machen? Aber klar doch, denn dieses kleine Beispiel steht mal wieder fürs große Ganze, für Dinge, die so oft schieflaufen und für jene Gründe, warum „der Bürger“ bisweilen so verdrossen ist.

Erstens: Der Wasserlauf verschwindet mir nichts, dir nichts. Informiert worden ist darüber niemand – auch nicht die Anwohner, bei denen er durch den Garten fließt. Gute Kommunikation mit dem Bürger, der das Ganze durch puren Zufall erfährt, sieht wohl anders aus.

Zweitens: Es gibt ein „in- tegriertes Handlungskonzept“ für Haaren. In dem wird wieder und wieder die schwierige klimatische Situation dort ausgeführt. Vom Ausbau und Erhalt grüner Lungen und der Bedeutung des Wassers ist da die Rede. Soso.

Drittens: Der Bach war bis 1972 ein Bach, bevor aus dem Bach ein Kanal wurde und somit der Bach im wasserrechtlichen Sinne kein Bach mehr sein durfte. Und weil der Bach im wasserrechtlichen Sinne nun Abwasser (!) ist, darf er auch ruhig ab in den Kanal – der ihn zumindest noch zum Haarbach bringt. Aha. Das bedarf keines weiteren Kommentars.

Viertens: Statt Gespräche zu führen, werden die Leute jetzt daran erinnert, dass sie ja die Rohrsanierung bezahlen müssten, wenn der Bach noch ein Bach wäre. Und dass sie den Bach dann auch völlig unbehelligt durch ihre Gärten fließen lassen müssten, also ohne Zäune in der Nähe und Steinplatten im Wasserlauf, die eigentlich abzureißen wären – wäre der Bach eben noch ein Bach. Ob das alles so rechtlich okay ist, wäre dann allerdings wohl noch zu prüfen.

Unter dem Strich ist das so eine Geschichte, in der sich die Handelnden so verhalten, wie künftig der komplette Lauf des bis 1972 Bach gewesenen Kanals sein wird: unterirdisch.

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