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Kommentiert: Onkel Georg ist böse

Ein Kommentar von Albrecht Peltzer

So ein Oberbürgermeister muss auf vielen Hochzeiten tanzen. Vom Kaninchenzuchtverein bis zum Karlspreis, vom Ehejubiläum bis zum Ehemaligentreffen. Die Palette ist bunt. Da ist es natürlich zu verzeihen, dass der OB nicht überall sein kann. Der Terminkalender, das sagt man dann so, ist eben „prall gefüllt“. Und so schaffte es Marcel Philipp auch nicht, die Ordenssitzung Wider den tierischen Ernst zu besuchen. Schade eigentlich . . .

Wie bitte? Philipp war doch da? Im Eurogress? Während der kompletten Sitzung? Nein, kann nicht sein. Er muss auf einer anderen Veranstaltung gewesen sein. Wirklich! Man kann es doch nachlesen. In der AZ. Da hat Philipp nämlich am Samstagabend gesagt: „Es war eine tolle Sitzung, die Stimmung war gut, es waren viele schöne Nummern dabei (...) Wir haben auf jeden Fall heute Abend viel Spaß gehabt.“

Häh? Nein, Philipp kann nicht die vom WDR produzierte Jahreshauptversammlung des AKV meinen. Da irren Sie sich. Philipp war woanders. Und zwar genau da, wo auch FDP-Ratsherr Wilhelm Helg war. Denn der pflichtete seinem obersten Bürgermeister bei: „Das war eine gute Veranstaltung, vier Stunden Feuerwerk. Alles hat gepasst.“ Sollten wir uns irren, und die beiden waren wirklich beim ordentlichen Ernst, stellen sich natürlich einige Fragen. Zum Beispiel: Wie definiert ein erster Bürger „gute Stimmung“. Oder: Wie viel Spaß hat ein OB im Leben? Oder: Welche Feuerwerke hat ein liberaler Ratsherr in seinem Leben schon erlebt, um solch mutige Vergleiche anstellen zu können?

Wer garantiert beim Orden war, ist Ex-AKV-Präsident Georg Helg. Der war mächtig in Rage nach der – gefühlt – zwölfstündigen Fastelovvends-Folter. Helg hat sich „gelangweilt“. Und geärgert. Eine schlechte Mischung für einen schönen Abend. Das von seinem Neffen empfundene „Feuerwerk“ hat Onkel Georg eher erzürnt. Und zwar nachhaltig.

Tja, der AKV. Er hat‘s halt schwer am Gängelband des WDR. Denn der tierische Ernst ist keine Karnevalsshow, die vom TV aufgezeichnet wird. Er ist eine TV-Aufzeichnung, bei der Karnevalisten auftreten – im Rahmenprogramm. Die sympathischen Öcher Protagonisten stehen im Schatten von Politikern, die Comedians mimen, und von Comedians, die einen auf Polit-Clown machen. Ein Gemischtwarenladen von Wagenknecht über Appelt bis hin zu Profitlich – selten so wenig gelacht! Die Zuschauer im Saal sind Staffage, zumindest die Menschen an den Bildschirmen haben es selber in der Hand, wann sie die Quälerei abschalten.

Kein Wunder, dass der tierische Ernst das Thema der Woche war. Und am Schluss bleibt eine Erkenntnis: Annegret Kramp-Karrenbauer hat als neue Ritterin der Männerriege des AKV sympathisch die Leviten gelesen. Darauf einen Tusch – mit den 193 vom vergangenen Samstag im Saal schließen wir das Thema also mit dem 194. ab. Alaaf!

Wie jeck könnte sich die Kämmerin freuen. Angesichts knapper Kassen sind die Mehreinnahmen bei den Parkscheinautomaten ein wenig Balsam auf die geplagte Seele der obersten Kassenhüterin. Vier Millionen Euro waren es den Autofahrern wert, ihr Blech 2014 am Öcher Straßenrand abzustellen. Da lässt es sich sogar verschmerzen, dass Aachen seinem Titel „Bad Knöllchen“ erneut weniger Ehre macht. Die Zahl der Verwarnungsgelder sank ein weiteres Mal um 30 000 gelbe Zettelchen.

Der Boom an Parkgeldern ist natürlich unmittelbar an den deutlichen Besucherzuwachs im Karlsjahr gebunden. Der alte Kaiser sorgt eben für sein Städtchen – auch 1200 Jahre nach dem eigenen Ableben. Selbst Koreaner (13 Besucher), Mongolen (3) und Jamaikaner (9) wurden an den Museumskassen registriert. Den Schwung des Jubiläums will die Stadt in die Zukunft retten. Die städtischen Werbestrategen basteln an Konzepten, Aachen auch nach Karls Jahr zum Magneten zu machen.

Knöllchen der anderen Art könnte es in diesem Sommer im Westpark geben. Weil alles auf einen Vergleich zwischen der Stadt und einem Anwohner hinausläuft. Letzterer hatte sich bis vor das Oberverwaltungsgericht Münster gewagt, um das Partytreiben einzudämmen. Denkbar ist, dass das Ordnungsamt statt mahnender Worte in Richtung allzu feierfreudiger Menschen demnächst Protokolle schreibt. Grill-Knöllchen sozusagen.

Die Woche in Aachen: Da fiebert der Fan dem heutigen Regionalligaspiel der Alemannia gegen Essen entgegen. Mehr als 30 000 Zuschauer! Wann hat es das zuletzt gegeben? Man soll sich ja mit Superlativen zurückhalten. Aber das ist schon jetzt ein Rekordspiel! Hoffen wir, dass sich auch der sportliche Erfolg für die Schwarz-Gelben einstellt. In diesem Sinne: schönes Wochenende!

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