AZ App
14247597.jpg

Kommentiert: Glauben wir das?

Ein Kommentar von Stephan Mohne

Glauben Sie bloß nicht, was in der Zeitung steht. Und schon gar nicht in Zeiten von „Lügenpresse“ und „Fake News“. Glauben Sie bitte auch nicht Ihrer AZ. Jaja, Sie lesen schon richtig. Auch Ihrer Tageszeitung können Sie keineswegs vertrauen. Auch da ist bisweilen „bis auf einen Satz alles falsch“.

Das sollten Sie einfach so mal hinnehmen! Sofern Sie einem Konzern wie dem Gasriesen OGE denn Glauben schenken möchten. Zumindest versuchte der Pipelinebauer genau auf diese Art und Weise – ist ja auch modern in Zeiten von „Lügenpresse“ und „Fake News“ – rund 600 besorgte Brander von seinen hehren Absichten zu überzeugen.

So sei in einem Artikel über die OGE-Pipeline „Zeelink“ in der vergangenen Woche eben „bis auf einen Satz alles falsch“ gewesen. Soso. Dann schauen wir mal. OGE hatte unsere Redaktion im Vorfeld des „Dialogmarkts“ am Montag zum Projekt, bei dem sich massiver Protest ankündigte, um ein Gespräch in unserem Haus gebeten.

Tenor des Gesprächs: Dass die Pipeline dereinst durch die Brander Naturschutzgebiete laufen werde, stehe trotz der entsprechenden Festlegung der Bezirksregierung nicht fest, man prüfe auch noch die Alternative an der A44. Die allerdings mit massiven technischen Problemen einhergehen könne. Eine ganze Liste davon wurde genannt. Eine Beruhigungspille für die Bevölkerung?

Machen wir es uns nicht so einfach und blicken zurück: Im Juni 2016 erklärte OGE ebenfalls in einem AZ-Gespräch, die A44-Trasse, auf der 2008 RWE eine Pipeline bauen wollte, sei dann an ein belgisches Unternehmen „verkauft“ worden, mit dem man selber verhandeln müsse. Hintergrund: Diese Trassenführung hatte OGE gar nicht ins Rennen geschickt, sondern nur zwei Varianten – eine eben durch die Naturschutzgebiete im Süden, eine andere im Norden kilometerlang durch den Aachener Wald. Pest und Cholera also. Die Stadt intervenierte. Im Oktober bekundete OGE dann plötzlich gegenüber der AZ, besagten „Trassenverkauf“ und damit auch die Verhandlungen habe es nie gegeben. Also alles nur Gerede?

Vielmehr habe man diesen Verlauf, so verlautbarte OGE, „bereits geprüft und aufgrund der zahlreichen technischen und genehmigungsrechtlichen Hindernisse verworfen“. Um ihn dann doch noch als weitere Variante ins Verfahren einzubringen. Seit gestern Abend – vor 600 protestwilligen Bürgern – ist diese Trasse plötzlich sogar der „bevorzugte Linienverlauf“, dessen technische Machbarkeit man prüfe. Man prüft also jetzt das, was man vor einigen Monaten schon geprüft und verworfen hatte und was die Bezirksregierung als technisch nicht machbar ausmacht. Schon komisch, oder?

Fassen wir zusammen: Niemand hat die Absicht, eine Pipeline durch Naturschutzgebiete zu bauen. Glauben wir das? Naja, man hat ja schon Pferde vor der Apotheke... – und so. Und wenn dann doch? Gibt es genau einen Schuldigen: Ihre Tageszeitung. Noch Fragen?

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert