13230941.jpg

Kommentiert: Eine Heimat auf Zeit

Ein Kommentar von Stefan Herrmann

Den ersten Öcher Kater dürften einige der vielen tausend Erstis, die in dieser Woche in den Ernst des Studentenlebens eingetaucht sind, bereits verdaut haben. Die erste Semesterwoche besticht traditionell weniger durch großen Wissensdurst, sondern wird dann doch eher von der Suche des akademischen Nachwuchs nach dem nächsten kühlen Bier geprägt.

 Sei’s drum. Am Ende des Feiermarathons kann man Aachens (neuen) Studenten, und davon gibt es allein an der RWTH bis zu 9000, ein durchweg gutes Zeugnis ausstellen. Von Eskalationsstufen wie nackt umherhüpfenden „Maschbauern“ im Karlsbrunnen oder in Ecken pinkelnden Politologen war in diesem Jahr keine Rede. Da erinnert man sich an andere, schlimmere Zeiten…

Die Ersti-Woche beschert uns aber auch wieder einige Themen, die vielleicht nicht wirklich neu sind, die aber eben auch nichts an Brisanz verloren haben. Da wäre vor allem das Thema Wohnen. Da dürfte der Kater des ein oder anderen Studenten weit über den ersten Kneipenabend in der Altstadt hinweg andauern. Denn bezahlbare Wohnungen stehen weiterhin auf der Liste der aussterbenden Arten. Das Problem ist zwar erkannt, die Politik hat im Großen die Mietpreisbremse installiert und im Kleinen zahlreiche Wohnprojekte in Aachen angestoßen. Nur: Entspannung ist auf dem Immobilienmarkt nicht in Sicht. Darunter leiden viele Menschen, nicht nur die Studenten.

Bleiben wir noch ein wenig bei „den“ Studenten. Rund 50.000 gibt es in Aachen. Das heißt im Umkehrschluss: Jeder fünfte Aachener besucht eine der Hochschulen vor Ort. Das ist ein mächtiger Batzen der Bevölkerung. Nur gewinnt man immer noch den Eindruck: So richtig will der Brückenschlag zwischen Uni und Öcher Ureinwohnern noch nicht gelingen.

Zwar haben Stadt, Politik und die Hochschulen 2016 zum Wissenschaftsjahr erkoren und unter diesem „Branding“ – man könnte auch sagen: Titel – mehrere, zum Teil richtig gut gelungene Aktionen ins Leben gerufen. Nur: Vieles berührte den einfachen Studenten nur am Rande, wenn überhaupt! Und beim Öcher sah’s nicht anders aus. Aber: Es wurde fleißig genetzwerkt.

Die Leitungen zwischen Hochschulen und Stadt haben gewissermaßen ein Update erfahren. Von oben funktionieren der Informationsaustausch und die Zusammenarbeit also besser. Jetzt gilt es, das von unten noch besser zu unterfüttern. Das Motto muss lauten: Aachen ist eine Stadt nicht nur zum Studieren, auch zum Leben (bezahlbarer Wohnraum, Kultur, Clubs, Sport, Parks usw.) und zum Arbeiten.

50.000 junge, hochmotivierte und topausgebildete Menschen sind eine Ressource, die nicht viele Städte in Deutschland besitzen. Man muss es ihnen nur noch schmackhafter machen, Aachen nicht nur als Heimat auf Zeit, sondern als dauerhafte Heimat zu sehen.

Die Woche in Aachen: Da scheitern die Gegner der Windkraftanlagen im Münsterland vor Gericht. Ihr Kampf scheint aber noch nicht vorbei. Sie planen, gegen das Urteil in Berufung zu gehen. Unterdessen ärgern sich immer mehr Menschen über die Säufer- und Junkie-Szene, die auf öffentlichen Plätzen immer ungenierter jegliche Regeln des Anstands verletzt. Allein: Eine schnelle und einfache Lösung für das Problem scheint es wohl nicht zu geben, wie auch die Politik dieser Tage zugeben musste. Für jede Menge Diskussionsstoff dürfte das Reizthema aber weiterhin sorgen. Wir bleiben für Sie am Ball. Versprochen! In diesem Sinne: schönes Wochenende!

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert