Kommentiert: Die Geister, die man rief

Von: Stephan Mohne
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Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung. Insoweit haben die Chefstrategen der Stawag diesen ersten Schritt gemacht. Es muss vorbei sein mit Beteiligungen an Milliardenprojekten unter extrem hohem Kapitaleinsatz.

Das räumt der Stawag-Vorstand ein. Kein Wunder. Die beiden Kraftwerksbeteiligungen kosten die städtische Tochter jährlich zweistellige Millionenbeiträge, statt selbige abzuwerfen. Der Windpark in der Nordsee ist – bislang – ebenfalls ein Millionengrab. Hier jedoch zumindest – anders als bei den Kraftwerken – mit der Aussicht auf Besserung. Bei anderen Projekten der vergangenen Jahre wie dem Holzpelletwerk in Vossenack, mit dem ein zweistelliger Millionenbetrag buchstäblich verbrannt wurde, kam noch eine Portion Dilettantismus hinzu.

Da ist es nicht mehr als selbstverständlich, dass sich die Stawag auf ihr Kerngeschäft besinnt. Klar, bei den Kraftwerken war damals die Entwicklung nicht vorhersehbar – und die Entscheidungen wurden nicht von den heutigen maßgeblichen Akteuren gefällt. Sicher, die Kraftwerke haben zunächst auch eine Menge Geld in die Kasse gespült. Aber die Dimension der Investition für ein Unternehmen in der Größenordnung der Stawag hat damals schon Fragezeichen aufgeworfen. Jetzt setzt man sich eine Nummer kleiner – in Form von Windparks im Binnenland etwa.

Gut, dass es in Sachen Münsterwald nun doch noch eine Umweltverträglichkeitsprüfung gibt. Was gleichwohl weniger einer tiefe Selbsterkenntnis als vielmehr eindeutigen Gerichtsurteilen geschuldet ist. Stadt und Stawag tun gut daran, hier alle Bedenken zu hören und sie nicht vom Tisch zu wischen. Wirtschaftlichkeitsberechnungen und Windgutachten sind bislang Verschlusssache. Was im Umkehrschluss nicht bedeutet, hier alles nur auf die Meinung von Bürgerinitiativen abzustellen. Es gibt auch viele Aachener, die den Ausbau der Windenergie auch im Münsterwald begrüßen.

Die Stadt muss sich indes auf lange Sicht darauf einstellen, dass der Haushalt – eben wegen des Kraftwerksklotzes am Bein der Stawag – ohne Millionenausschüttungen der „schönen Tochter“ auskommt. Im Gegenteil muss sie selbst tief in die Tasche greifen, um die Verluste der Aseag zu decken, die die Stawag früher „nebenbei“ komplett aufgefangen hat. Die Geister, die man vor einigen Jahren – abgesegnet vom politisch besetzten Aufsichtsrat – rief, wird man auf Sicht nicht mehr los. Bleibt der Trost, dass im Angesicht dieses Fiaskos nun der strategische Hebel umgelegt wurde. Immerhin.

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