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Kommentiert: Das Jubiläum

Ein Kommentar von Bernd Mathieu

50 Jahre Städtepartnerschaft Reims-Aachen: Was für ein Datum! Ein richtig goldenes Jubiläum. Das hat Strahlkraft, weil zwei Krönungsstädte mit grandioser Historie, zwei Kathedralstädte mit bewegter und bewegender Biografie, zwei europäische Musterstädte klassischer Provenienz hier die Hauptrollen spielen.

Das soll, das muss gefeiert werden. Und wie! Denn dies ist eine Erfolgsgeschichte.

Die Namen dieser beiden Städte stehen für ein ganz wesentliches Kapitel französisch-deutscher Annäherung nach dem Zweiten Weltkrieg und nach all den Verwerfungen zuvor, etwa den schrecklichen Schlachten im Ersten Weltkrieg oder der Demütigung der Franzosen durch die Deutschen, als am 18. Januar 1871 ausgerechnet in Versailles der preußische König Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser gekrönt wurde. Reims war schließlich Ort der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht, die Generaloberst Alfred Jodl am 7. Mai 1945 im amerikanischen Hauptquartier in Reims unterzeichnete.

Charles de Gaulle und Konrad Adenauer waren – ohne den großartigen Europäer Robert Schuman zu vernachlässigen – die historischen Persönlichkeiten, die für die neue französisch-deutsche Freundschaft stehen. Die Versöhnungsmesse fand während Adenauers Staatsbesuch in Reims statt und der gemeinsame Auftritt mit de Gaulle bewirkte eine einzigartige symbolische Wirkung.

Reims und Aachen haben Geschichte geschrieben, französische, deutsche, europäische. Sie sind zwei extraordinäre Städte in den Beziehungen der beiden Länder, die immer wieder die Motoren in der Europäischen Union genannt werden, auch wenn sie manchmal stottern oder zuweilen gar nicht erst anspringen.

Und so war es richtig, an diesem so besonderen Jubiläumswochenende der beiden besonderen Orte in Reims nach professioneller Vorbereitung alle Register zu ziehen: grandios das umjubelte Gastspiel des Theaters Aachen mit Christoph Willibald Glucks Oper „Orphée et Eurydice“ in der französischen (!) Neufassung in der Oper von Reims. Exzellent war das Klangerlebnis einen Abend später mit dem Sinfonieorchester Aachen und seinem ein paar Tage vorgezogenen neuen Programm des nächsten Sinfoniekonzertes mit dem schönen Titel „Lass mich nach Paris“. Originell die Auswahl an hochkarätigen Werken aus dem Ludwig Forum für Internationale Kunst. Delikat gestaltete sich auf andere Art die Gastronomie-Meile mit Spitzenköchen aus Aachen und Reims – visuell begleitet von originellen Schaufensterdekorationen in den Geschäften der Innenstadt.

Ein ganz starkes Zeichen für Europa war die Open-Air-Veranstaltung Aachener und Reimser Studentinnen und Studenten, die mitten in der Innenstadt eine französisch-deutsche Version der wunderbaren Initiative „Pulse of Europe“ fröhlich präsentierten. Was für eine Jumelage, was für ein Programm!

Halt! Leider ist das alles nur erfunden. Es hat so nicht stattgefunden. Das Jubiläumswochenende war tatsächlich seitens der Städte wenig ambitioniert und gewiss auf Sparflamme gekocht. Ein durchaus lockerer wie würdiger Festakt im Rathaus und ein schönes Konzert mit dem Mädchenchor des Aachener Domes, eine Ausstellung mit Fotos von Andreas Herrmann rund um den Aachener Dom sowie eine Mini-Budenstadt vor der Kathedrale waren zwar durchaus farbige Akzente.

Ein Gold-Jubiläum hätte jedoch andere Ausrufezeichen setzen können. Siehe oben. Und dazu hätte – unbedingt – auch der Besuch des Aachener Bischofs gehört, der im ersten Entwurf des Programms noch vorgesehen war, aber dann doch nicht dabei war. Schade.

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