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Kommentiert: Aachen als „Maß aller Dinge“ fällt böse auf Nase

Ein Kommentar von Robert Esser

Bravo! Hoch die Tassen! Wir könnten an dieser Stelle jubilieren. Und würden das doch so gerne! Nach der aktuellen sogenannten „Passantenfrequenzzählung“ des renommierten Immobilien-Beratungsunternehmens Jones Lang LaSalle (JLL), das Jahr für Jahr die Kundenströme auf Einkaufsmeilen in 170 deutschen Städten vergleicht, ist die Aachener Adalbertstraße (Originaltext) „das Maß der Dinge“.

Platz eins, Spitzenreiter, Champion! Endlich. Chapeau!

Mit 6210 Passanten pro Stunde landet die Kaiserstadt mit ihrer Einkaufsstraße ganz vorne, gefolgt von der Paderborner Westernstraße (6185) und der Trierer Simeonstraße (6095). Das ist toll. Klitzekleiner Schönheitsfehler: Die aus Aachener Sicht herausragende offizielle Wertung bezieht sich bei JLL auf die Kategorie „mittelgroße Städte mit 100.000 bis 250.000 Einwohnern“. Und in die gehören wir seit Jahren nicht mehr. Weil Aachen laut Einwohnermeldeamt mittlerweile 253.116 Bürgerinnen und Bürger zählt – Stand 30. Juni 2017. Blöd.

Doof auch, dass der Zweitplatzierte Paderborn in dieser Gruppe gut 100.000 Einwohner weniger, aber nur 25 (!) Passanten weniger pro Stunde hat. Uups. Also, um der Wahheit die Ehre zu geben: Eigentlich liegt die Stadt Aachen mit ihrer dank Aquis Plaza um eine Großbaustelle erleichterten Flaniermeile im bundesweiten Vergleich auf Platz 29. Immerhin. Ganz vorne triumphieren die Frankfurter Zeil (14.875), die Kaufingerstraße in München (14.320) und die Düsseldorfer Flingern Straße (13.710). Vom Treppchen ist Aachen also meilenweit entfernt.

Fast genauso weit entfernt ist die Kaiserstadt allerdings auch von ihren eigenen Höchstwerten. Früher, vor dem Kaiserplatzgalerie-Abbruchflair, strömten nämlich regelmäßig an die 8000 Menschen über die Adalbertstraße. Man weiß das, weil JLL die Passanten schon seit vielen Jahren zählt. Aber da gab‘s ja auch noch kein Internet mit perfiden Erfindungen wie Online-Shopping. Böse. Der Durchschnittswert der Jahre 2008 bis 2017 für Aachen beträgt laut JLL 5920 Passanten pro Stunde. Das heißt: Es war auch schon schlimmer als jetzt. Viel schlimmer.

Apropos schlimm: In diesem Jahr hat JLL auch analysiert, inwieweit sich die Passantenzahlen in Fußgängerzonen von denen in Fahrstraßen – das sind die mit Autos – unterscheiden. Und nun raten Sie mal, liebe Leserinnen und Leser, was dabei herausgekommen ist. Richtig! „Die Fußgängerzonen weisen eine deutlich höhere Frequenz auf“, teilen die Immobilien-Experten mit. Wer hätte das gedacht. 4500 Passanten pro Stunde gegen 3300 Passanten pro Stunde. Natürlich durchschnittlich.

Nicht untersucht wurde übrigens, ob es auf die Kundenströme Auswirkungen hat, wenn innerstädtisch (fast) alle Parkhäuser für den auswärtigen Autoverkehr wahlweise abgerissen oder dichtgemacht werden. Wie es in der Kaiserstadt beispielsweise die Grünen fordern. Aber die graben bestimmt noch irgendeine Statistik aus, die solch eine Radikalkur in Sachen Kundenschwund positiv erscheinen lässt. Zahlen sind ja interpretierbar. Wie „das Maß aller Dinge“ in Aachen. Bravissimo!

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