Kollwitz-Schule bildet Kinderpfleger zu Erziehern weiter

Von: Sarah Siemons
Letzte Aktualisierung:
kibiz_bu
Zum Einstieg eine Schultüte: Marija Radevski (rechts) drückt jetzt mit Gulay Knechtges in der Käthe-Kollwitz-Schule wieder die Schulbank. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Ein wenig aufgeregt war Marija Radevski schon, als sie den Klassenraum der Käthe-Kollwitz-Schule betrat. Denn für die 56-Jährige war es der erste Schultag seit vierzehn Jahren. Deshalb hatte ihre Chefin der Kinderpflegerin auch eine kleine Schultüte gebastelt.

Und Dank dieser Aufmerksamkeit war die Aufregung dann auch schnell verflogen. Das könnte allerdings auch daran gelegen haben, dass sie in Raum 135 auf der zweiten Etage der Fachschule in viele bekannte Gesichter blickte.

So wie Marija Radevski müssen nämlich ab sofort alle Kinderpfleger wieder die Schulbank drücken. Dafür gesorgt hat das neue Kinderbildungsgesetz (Kibiz), das eine Weiterbildung zum staatlich anerkannten Erzieher und zur Erzieherin fordert.

„Es ärgert mich, dass wir nun diesen Aufwand betreiben müssen, und unsere Berufserfahrung nicht anerkannt wird”, sagt Marija Radevski, die älteste Teilnehmerin der Maßnahme.

Für sie und ihre Kollegen bietet das Berufskolleg des Schulverbands in der Städteregion Aachen eine besondere Form der Weiterbildung an: Wer über eine Berufserfahrung von mindestens fünf Jahren verfügt und zur Zeit in einer sozialpädagogischen Einrichtung beschäftigt ist, kann in Abendunterricht innerhalb von zweieinhalb Jahren die nötige Qualifizierung erlangen. Das Schuljahr für die erste Klasse mit 30 Teilnehmern ist jetzt angelaufen.

Dieses Angebot nimmt auch Melanie Bouvry wahr. „Obwohl es eine große Belastung ist. Mit den Schulstunden, der Fahrzeit und meiner regulären Arbeitszeit komme ich auf locker 60 Stunden in der Woche, da bleibt nicht mehr viel Zeit für die Familie”, sagt sie.

Hinzu kommt der Druck der neuen Aufgaben: Plötzlich steht Englisch auf dem Stundenplan und Büffeln für Klassenarbeiten, manche schriftliche Zusammenfassung muss sogar auf dem Computer getippt werden.

Doch Michael Kremer, Abteilungsleiter der Schule, beruhigt die neuen Schüler. Die Frage zum Beispiel, ob auch Mathematik unterrichtet werde, kann er sofort verneinen - wie auf Kommando atmen die 30 Zuhörer erleichtert auf.

Jeweils montags, mittwochs und donnerstags steht von nun an zwischen 17 und 21 Uhr unter anderem Kommunikation und Kunst auf dem Plan. Am Ende der zweieinhalb Jahre steht das Fachschulexamen.

„Diese berufsbegleitende Maßnahme birgt für die Teilnehmer auch Vorteile: man kann es als Herausforderung sehen”, sagt Kremer. Darüber hinaus ist die Maßnahme auch ein halbes Jahr kürzer, als die reguläre Ausbildung. Denn zu dieser gehört ein Praktikum, das die Pflegerinnen und Pfleger mit Berufserfahrung nicht mehr machen müssen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert