„KoKoBe”: Beteiligung von Menschen mit Behinderung fördern

Von: Robert Flader
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Mehr Rechte für Menschen mit Handicap: Bei der zweiten Diskussionsrunde der „KoKoBe” wurde intensiv über Mitbestimmungsrechte diskutiert. Aktuell hapert es noch an deren Umsetzung. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. „Umgesetzt ist bisher so gut wie nichts.” Es lässt tief blicken, wenn dieser Satz gerade vom Behindertenbeauftragten der Städteregion kommt. Doch Hartmut Buchbinder nimmt kein Blatt vor den Mund, um den aktuellen Zustand der Mitwirkungsrechte von Menschen mit Handicap zu beschreiben.

„In jedem Mehrfamilienhaus müssen beispielsweise bestimmte Bereiche barrierefrei zugänglich sein”, nennt Buchbinder bei der Podiumsdiskussion zugunsten der Mitgestaltungsrechte von Menschen mit Behinderung ein plastisches Beispiel. „Nur umgesetzt wird das in den meisten Fällen leider so gut wie nie.”

Mitbestimmungs- und damit auch Mitgestaltungsmöglichkeiten scheinen in der Tat nach wie vor ein schwieriges Thema zu sein, „dabei wollen wir nur eine ganz normale Gruppe sein, sagt Sascha Eißmann. Er sitzt im Rollstuhl, kümmert sich als Mitglied eines Wohnbeirates auch um die Belange von anderen Heimbewohnern. „Unser Ziel ist eine aktive Mitwirkung an den Entscheidungsprozessen in unserer Stadt. Gerade bei Dingen, die für uns von Belang sind.” Bei der geplanten Überführung zum neuen Tivoli war dies nicht der Fall. So etwas ärgert ihn.

Auch Achim Jakoby von der „KoKoBe” (Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit Behinderung) erklärt, dass „es zwar in den letzten Jahren einen Paradigmenwechsel, ein Umdenken in Richtung mehr mehr Mitgestaltung” gab, aber das für die Umsetzung der Rechte von Menschen mit Behinderung längst nicht alles getan ist. Heißt: Aktive Mitbestimmung scheint nach wie vor eher in der Theorie als in der Praxis zu existieren.

Zu einer Verbesserung sollen unter anderem das Wohn- und Teilhabegesetz in Wohnheimen sowie das Mitbestimmungsrecht auf dem Arbeitsplatz beitragen. Diese gesetzlichen Grundlagen gibt es zwar schon seit 2001, doch auch hier ist längst noch nicht alles realisiert worden, wie Nicole Kordritzki weiß. Sie ist Mitglied des Werkstattbeirates in ihrem Betrieb und setzte sich kürzlich für die Schaffung einer Raucherecke ein. „Damit wir nicht bei Wind und Wetter nach draußen müssen.” Passiert ist auch hier bislang nichts.

Doch durch die gesetzliche Verankerung von Mitbestimmungsrechten sei immerhin schon ein richtiger Schritt getan, außerdem gebe es mittlerweile deutlich mehr Kontakt- und Beratungsstellen für Menschen mit Behinderung. Die bräuchten nun vor allem in öffentlichen Einrichtungen eine Stimme, damit die Umsetzung kein Wunschtraum bleibt.
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