Aachen - Kölner Verein „Tübi“: Von Grund auf Türkisch lernen

Kölner Verein „Tübi“: Von Grund auf Türkisch lernen

Von: Martina Stöhr
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Start des Projektes für Kinder mit muttersprachlichem Unterricht in türkischer Sprache: „Tübi“ hat jetzt auch in Aachen ein Angebot. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Bildungschancen verbessern und interkulturelle Bildung fördern: Das ist das Ziel des Kölner Vereins „Tübi“, der jetzt auch in Aachen aktiv wird. Türkische Kinder werden von ihm speziell gefördert und bekommen dabei auch gezielt Unterricht in der türkischen Sprache.

„Denn die fällt ihnen nicht einfach so zu, auch wenn die Eltern Türken sind“, sagt Cuma Ulusan, Vorstand „Tübi“. Demnach sei es wichtig, die Strukturen und Funktionsweisen beider Sprachen zu studieren und dabei miteinander zu vergleichen. Erst dann können die Kinder lernen, Deutsch und Türkisch gleichermaßen zu beherrschen. Der türkische Honorarkonsul Uwe Merklein und das Helene-Weber-Haus unterstützen dieses Anliegen. Am Sonntag trafen sich die Initiatoren zum ersten Mal mit interessierten Eltern und Kindern im Mehrgenerationenhaus an der Barbarastraße.

„Wir sind die letzte Generation, die Türkisch noch beherrscht“, sagt Ramazan Coskun, Beirat des Honorarkonsulats der Türkei. Bei den Kindern sehe das schon anders aus. Die mögen zwar zu Hause Türkisch sprechen, lernen in der Schule aber nur die Strukturen und die Grammatik der deutschen Sprache kennen.

Ein großer Fehler, wie der Kölner Pädagoge Cuma Ulusan meint. „Denn Türkisch schreiben können diese Kinder nicht“, sagt er. Und auch im Deutschen werde ihnen das später schwerfallen, weil sie die Strukturen erst dann wirklich begreifen könnten, wenn sie beide Sprachen miteinander vergleichen würden, sagt er weiter.

Sich mit der eigenen Identität auseinandersetzen, Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Wohin gehöre ich?“ beantworten und damit auch einen festen Platz in der deutschen Gesellschaft finden: Auch diese Chance sollen die Kinder bei dem türkischen Unterricht bekommen.

„Diversität gehört zu unserer Gesellschaft dazu, und Mehrsprachigkeit ist entsprechend normal“, meint Cuma Ulusan. Die Kinder sollen die Kultur und Kunst ihres Ursprungslandes kennen und verstehen lernen, um dann eben auch Deutschland besser zu verstehen. Geschäftsleute wie Ramazan Coskun und Yavuz Murtezaoglu würden sich freuen, wenn es leichter wäre, Mitarbeiter zu finden, die in beiden Kulturen wirklich zu Hause sind. Und gerade deshalb machen sie sich im Beirat des türkischen Honorarkonsulats dafür stark, dass ihre Kinder beide Sprachen perfekt erlernen.

„Und wir denken sogar noch einen Schritt weiter“, sagt Çetin Saltan, Beirat des türkischen Honorarkonsulats. „Wir wünschen uns in Aachen einen türkisch-deutschen Zweig an einer weiterführenden Schule.“ Cuma Ulusan würde ein solches Ansinnen sicher unterstützen. Denn Kindern mit türkischen Wurzeln die Chance zu geben, ihre Sprache weiterzuentwickeln, ist nach seiner Meinung unerlässlich.

Sprachprobleme, auch im Deutschen, tauchen seiner Meinung nach nur dann auf, wenn das Türkische als erste Sprache nicht ordentlich „sitzt“. Zudem werde in vielen Familien inzwischen eine Mischung aus Türkisch und Deutsch gesprochen. Auch das mache den perfekten Spracherwerb nicht wirklich leichter.

Das neue Angebot trifft offenbar auf großes Interesse. Fast ein Dutzend Kinder kam zum ersten Treffen, um mit entsprechend ausgebildeten Lehrern Türkisch zu üben. Und Astrid Natus-Can vom Mehrgenerationenhaus hieß die Gäste sehr gerne willkommen. „Wir wollen in die Mitte der Gesellschaft und nicht in eine Nische“, sagte sie.

Und genau das soll eben auch für den internationalen Nachwuchs gelten. Deren „natürliche Mehrsprachigkeit“ muss nach Meinung aller Beteiligter unbedingt gefördert werden.

 

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