„Knutschfleck“ klagt über Liebesentzug

Von: Annika Kasties
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Hofft im dritten Anlauf auf mehr Wohlwollen seitens der Politik für die Arbeit des Jugendtreffs „Knutschfleck“: Vorstandsmitglieder und Geschäftsführer des Trägervereins Paul Juncker. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Aller guten Dinge sind drei. Das hofft zumindest der Vorstand des lesbisch-schwulen Jugendtreffs „Knutschfleck“. Zum dritten Mal in Folge hat der Treff an der Jakobsstraße eine Erhöhung der städtischen Zuschüsse beantragt. Die Rede ist von insgesamt 35.000 Euro.

Aktuell wird „Knutschfleck“ mit rund 14.000 Euro bezuschusst. Dass dieser Betrag mehr als verdoppelt wird, ist aus Sicht der Vorstandsmitglieder unbedingt erforderlich. „Mit den derzeitigen Mitteln können wir den Treff nicht verantwortungsvoll betreiben“, betont Paul Juncker, Geschäftsführer des Trägervereins.

Denn die Anforderungen an die Mitarbeiter sind in den vergangen Jahren gestiegen. Als Juncker vor sechs Jahren fürs Studium nach Aachen zog und zum ersten Mal die „Knutschfleck“-Räume mit der tiefen Fensterfront betrat, sei er mit 20 Jahren zwar eigentlich schon zu alt für einen Jugendtreff gewesen.

Doch er befand sich in guter Gesellschaft. Vor allem Studenten, Azubis und ältere Schüler hätten damals die Anlaufstelle aufgesucht; die Pubertät mit all ihren Unsicherheiten und Problemen bereits weitestgehend hinter sich. Doch das Publikum wird jünger. Und nimmt zahlenmäßig zu. „Mittlerweile sind unsere Besucher nicht mehr 20 oder 21 Jahren alt, sondern 14 oder 15“, sagt der 26-Jährige.

Eine Entwicklung, die prinzipiell zwar positiv zu bewerten sei. Schließlich bedeute dies, dass die Hemmschwelle sinkt und sich viele Homosexuelle bereits in jungen Jahren outen. Doch je jünger die Besucher, desto intensiver die Betreuung. Zumal immer mehr Jugendliche mit Depressionen und psychosozialen Problemen zu kämpfen hätten. „Mit einer Acht-Stunden-Fachkraft und uns Ehrenamtlern ist das nicht mehr zu stemmen.“ Es fehlt an qualifiziertem Personal.

Seit 2006 beschäftigt der Verein eine pädagogische Fachkraft auf 400-Euro-Basis mit einem Kontingent von acht Stunden pro Woche. „Das hat gerade mal die Öffnungszeiten unserer wöchentlichen Treffs abgedeckt.“ Dabei geht die tatsächliche Arbeit weit darüber hinaus. Etwa durch persönliche Beratungsgespräche, Supervision, das Beantworten von E-Mail-Anfragen. Als Konsequenz habe man die Öffnungszeiten am Donnerstag bereits um zwei Stunden gekürzt.

„Den Treff offen zu haben, ohne dass eine pädagogische Fachkraft anwesend ist, wäre unverantwortlich“, erklärt Juncker. Seit einiger Zeit ist jedoch selbst diese Stelle vakant. Nur mit Hilfe einer einmaligen Finanzspritze für das laufende Haushaltsjahr, die der Kinder- und Jugendausschuss dem Verein Mitte September gewährte, habe der Verein bis Dezember Planungssicherheit erlangt. Bis dahin werden zwei Mitglieder des vierköpfigen Vorstands, die ebenfalls eine pädagogische Ausbildung haben, den Jugendtreff leiten. „Doch das ist keine langfristige Lösung.“

Eine Lösung wären indes 35.000 Euro. Damit könnte – zusätzlich zur 400-Euro-Stelle – eine halbe Stelle für eine pädagogische Fachkraft finanziert werden, rechnet Juncker vor. Am Freitag ging der Antrag in die Post. Die ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder hoffen nun, beim dritten Anlauf mit ihrem Anliegen mehr Glück zu haben.

Im Januar hatten die Finanzpolitiker der großen Koalition eine eigentlich bereits eingeplante Erhöhung der Zuschüsse für die Jugendberatungsstelle kurzerhand gestrichen. Eine „schwere Enttäuschung“, wie Juncker auch neun Monate später noch sagt. Man fühle sich von der Stadt alleingelassen, trotz der wichtigen Arbeit, die „Knutschfleck“ leiste. „Die gesetzliche Diskriminierung von Homosexuellen ist vielleicht vorbei“, sagt er, „die gesellschaftliche aber noch lange nicht.“

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