Aachen - Knöllchen in Aachen: So viel hat man noch nie kassiert

Knöllchen in Aachen: So viel hat man noch nie kassiert

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
Die Zahlen steigen, der Preis
Die Zahlen steigen, der Preis sinkt: Seitdem das Unternehmen Peters für die Stadt abschleppt, landeten wieder deutlich mehr Autos am Haken. Aber der einzelne „Kunde” muss viel weniger bezahlen als in den Vorjahren.

Aachen. Gelb ist Geld. Die Knöllchenflut hat im vergangenen Jahr in Aachen mehr Geld denn je in die Stadtkasse gespült. Erstmals wurde die Sechs-Millionen-Marke geknackt. Falschparker, Temposünder und andere „Erwischte” zahlten insgesamt 6,08 Millionen Euro - 431 000 Euro mehr als 2010.

Verantwortlich für den Rekord seien vor allem Raser im Bereich der Baustelle am Aachener Kreuz, erklärte Ordnungsamtschef Detlev Fröhlke auf Anfrage der Aachener Zeitung. „Da hat die Polizei schwerpunktmäßig Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt”, sagt er. Empfänger der Bußgelder ist die betroffene Kommune. „Und da kam einiges zusammen”, resümiert Fröhlke.

Mit den Geldern, die an Starenkästen „geblitzte” Autofahrer überweisen mussten, summieren sich die Strafgelder aus dem fließenden Verkehr auf gut 2,7 Millionen Euro. Das sind rund 650 000 Euro mehr als im Etatansatz kalkuliert. Denn Aachen rechnet fest mit dem Fehlverhalten der Pkw-Piloten.

Natürlich auch dank des knappen Parkraums auf den Straßen der Kaiserstadt. Die 95 Politessen und Ordnungskräfte schrieben vergangenes Jahr 279 409 Knöllchen im Gesamtwert von 3,365 Millionen Euro. Hier sind allerdings Ordnungsgelder von „Wildpinklern”, Müllsündern etc. inbegriffen.

Sie machen laut Ordnungsamt aber nur einen verschwindend kleinen Teil der Summe aus. 155000 Euro mehr als im Vorjahr stammen aus dem „ruhenden Verkehr”.

Im Gegensatz zu den Geschwindigkeitsübertretungen soll die Überwachung des ruhenden Verkehrsraums 2012 noch einmal 200 000 Euro mehr einbringen - der Etatansatz wächst von 3,4 auf 3,6 Millionen Euro. Und von den Millionen soll in Zukunft deutlich mehr als „Gewinn” im Stadtsäckel bleiben.

Denn die Überwachung des Verkehrsraumes verschlingt immense Personal- und Sachkosten. „Noch vor wenigen Jahren mussten wir einen Euro ausgeben, um 1,32 Euro Einnahmen zu erzielen”, rechnet Ordnungsamtschef Fröhlke vor. 2010 steigerte man die Rentabilität der Maßnahmen auf 1 zu 1,57.

Ziel ist ein Verhältnis von 1 zu 2. Deswegen steigt die Regelarbeitszeit der Politessen - auf freiwilliger Basis - dieses Jahr von 22 auf 30 Stunden. Mittelfristig sollen dadurch weniger Überwachungskräfte notwendig werden und Sachkosten - etwa für Dienstkleidung - reduziert werden.

Einsparpotenzial habe zudem die vereinfachte Abwicklung der Park-Knöllchen über 120 spezielle Smartphones der Überwachungskräfte ergeben, heißt es. Dieses Aachener Modell wurde bereits erfolgreich an andere Städte vermittelt.

Unterdessen nähert sich auch die Zahl der abgeschleppten Fahrzeuge wieder früheren Rekordwerten an. 4529 Autos landeten 2011 am Haken - 734 mehr als im Vorjahr.

Das entspricht einem Plus von fast 20 Prozent. Auffällig ist, dass die Stadt den beauftragten Abschleppunternehmer vergangenes Jahr wechselte. Statt Strang rückt Peters an. Tatsache ist: Der Nachfolger ist für den „Kunden”, also den Pkw-Halter, erheblich billiger.

Fürs Abschleppen sind seit dem vergangenen Sommer statt 123 nur noch 79,73 Euro fällig. Und für Leerfahrten berechnet Peters 39,87 Euro, während Strang zuvor 73 Euro verlangte.

Dass Peters Discount-Preise den Anstieg der Abschleppvorgänge auslösten, dementiert die Stadt. „Das ist vielmehr der Park-Anarchie am Klinikum auf Melaten geschuldet”, erklärt Fröhlke. „Wir mussten dem Chaos dort durch konsequentes Vorgehen Einhalt gebieten. Busse wurden dort regelmäßig blockiert, die Situation war 2011 zeitweise untragbar”, schildert der Ordnungsamtschef.

Bei Unberechtigten auf Behindertenparkplätzen kenne man ebenso kein Pardon. „Da wird direkt abgeschleppt. Das weiß auch jeder Verkehrsteilnehmer”, betont er.

Zumal in Aachen grundsätzlich ausreichend Parkplätze zur Verfügung stehen - nur nicht mehr am Fahrbahnrand. Der Umweg ins Parkhaus kostet zwar Zeit, aber weniger Geld. Und lässt die gelbe Knöllchenflut im Sande verlaufen.

Parkgebühren: Seit 2000 1,1 Millionen Euro mehr

Nicht nur die Sünden der Autofahrer bescheren der Stadt seit Jahren Millionen-Einnahmen. Im Jahr 2000 erzielte man an reinen Parkgebühren - also über Automaten am Straßenrand - 1,7 Millionen Euro. Vergangenes Jahr betrug die Summe der Erlöse aus Parkscheinautomaten 2,8 Millionen Euro.

Hinzu kommen die Gebühren, die Anwohner für Parkausweise zahlen.

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