Aachen - „Knipp“: Wie aus einem Jux ein Top-Gerücht wird

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„Knipp“: Wie aus einem Jux ein Top-Gerücht wird

Von: Stephan Mohne
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Aachen. Dieser Tage hatte Gastronom Franz-Dieter Ramrath einen potenziellen Kunden am Telefon. Er habe noch einen Gutschein, sagte der Mann am anderen Ende der Leitung. Und ob er den denn jetzt schnell einlösen müsse, schließlich fahre er in Urlaub.

Franz-Dieter Ramrath stutzte. Was der Mann wohl meinen könnte? Das Rätsel löste der Anrufer rasch selber auf: „Naja, schließlich machen Sie doch zu“, ließ er Ramrath wissen. Und der wusste gleich, wo der Hase lang läuft.

Denn ein Gerücht hält sich in diesen Tagen hartnäckig. Mehr noch: Es breitet sich in Windeseile immer weiter aus. Die Familie Ramrath gibt die Traditionsgaststätte „Am Knipp“ auf! Und das nach fast 90 Jahren, so rumort es. Doch das ist nur der eine Teil des Gerüchts.

Der zweite Teil lautet: Björn Freitag übernimmt das Ruder am Bergdriesch! Den Sternekoch aus dem Ruhrgebiet kennt mittlerweile fast jeder, seitdem er mit der beliebten WDR-TV-Sendung „Der Vorkoster“ im Lande unterwegs ist. Franz-Dieter Ramrath, der den „Knipp“ zusammen mit seinem jüngeren Bruder Hans-Peter führt, hat alle Hände voll zu tun, um das Gerücht zu dementieren.

Es handele sich schlicht um einen „verspäteten Aprilscherz“, so hat er in den vergangenen Tagen ein ums andere Mal kundgetan. „Vor allem am Wochenende ist es noch einmal extrem angezogen“, so der Gastwirt und Ex-Prinz, dem es in dieser Angelegenheit gleichwohl nicht an Humor mangelt: „Es gibt im Moment Schlimmeres auf der Welt“, sagt er.

Mit Humor hat die Herkunft des Gerüchts indes auch zu tun. Und Franz-Dieter Ramrath hat sich das Ganze auch noch höchstselbst eingebrockt. Das kam so: Vor einigen Wochen war es, als Tierparkchef Wolfram Graf-Rudolf im Traditionshaus einkehrte. Er ist mit der Familie Ramrath befreundet. Im Schlepptau hatte er wiederum einen anderen seiner Freunde – nämlich besagten Björn Freitag.

Der wiederum stand in Aachen für die TV-Sendung vor der Kamera und war auch im Tierpark mit seinem „Foodtruck“ zu Gast. An diesem Abend, so erzählt Ramrath, hatte man viel Spaß, trank das eine oder andere Bierchen, klönte einige Stunden und machte dann noch ein Erinnerungsfoto. Insgesamt wurde Freitag sogar zweimal bei den Ramraths gesichtet.

Nun ist Graf-Rudolf jemand, der den sprichwörtlichen Schalk im Nacken hat. Klar, der Mann ist ja nicht ohne Grund Mullefluppet-Preisträger. Mit einer App bastelte der Tierparkchef eine Zeitungsseite nach dem Vorbild eines Boulevardblattes. Da prangte in großen Lettern: „Älteste Gastwirtschaft Aachens schließt die Pforten“. Und darunter: „Björn Freitag übernimmt ,Am Knipp‘“.

Eingeklinkt in den Pseudoartikel ist jenes Bild, das an diesem Abend gemacht wurde. Es wirkt in dem Kontext so, als proste man sich hier gerade nach erfolgreichen Vertragsverhandlungen zu. Die Zeitungsseite schickte Graf-Rudolf an die Adresse von Franz-Dieter Ramrath. Der wiederum fand das so witzig, dass er sie auf seine Facebook-Seite im Internet setzte. Mit dem Zusatz: „Bevor Ihr es von anderen hört...“

Das war am 7. Juni. Tags darauf stellte Ramrath auf seiner Seite eine „Entwarnung“ ein und outete das Ganze als besagten „verspäteten Aprilscherz“. Sein Facebook-Freund Peter Behrens stieg gleich noch mit ein und postete eine Bildmontage, die dem „Newsbreak“ eines Nachrichtensenders nachempfunden ist. „Traditionslokal Knipp gerettet. Franz-Dieter wieder am Tresen. Freitag bleibt einfacher Wochentag“, liest man da. So weit, so gut.

Oder auch nicht. Denn von nun an verbreitete sich die Kunde vom Verkauf der Kultgaststätte trotzdem. Erzählen, weitererzählen, wieder weitererzählen. So etwas klappt nicht erst, seitdem Dinge via Internet „geteilt“ werden. Nur: Offenbar kannten und kennen viele den Ablauf der Geschichte im Internet nicht – und nahmen und nehmen die Nachricht für bare Münze.

Eskalation nach der CHIO-Woche

So richtig angefangen zu brodeln hat die Gerüchteküche – welch passender Ausdruck in diesem Zusammenhang – kurioserweise erst mit der CHIO-Woche. Klar, da steht tout Aachen am Bieroxer und palavert. Da kommen „heiße Geschichten“ wie eben jene vom Verkauf des „Knipp“ an Björn Freitag ziemlich gelegen.

Allerdings ist es wie beim beliebten Spielchen „Flüsterpost“. Die Geschichte wird bisweilen auch noch etwas ausgeschmückt und mit neuen „Infos“ und Erklärungsversuchen garniert. Manche davon findet Franz-Dieter Ramrath dann weniger witzig. Wie etwa die Version, wonach die Aufgabe des Lokals daran liege, dass er sich mit seinem Bruder zerstritten habe. Was völliger Quatsch ist.

Kein Quatsch hingegen ist, dass alles danach aussieht, dass der „Knipp“ noch lange von den Ramraths geführt wird. Das ist seit 1927 der Fall. Franz-Dieter und Hans-Peter Ramrath sind die dritte Generation. Die vierte Generation arbeitet ebenfalls bereits mit. Hans-Peters 18-jähriger Sohn Paul wird nun eine Ausbildung im Quellenhof absolvieren, Und so hat diese Geschichte eher etwas von jenen Geistern, die man – in diesem Fall via Internet – rief und dann nur noch schwer los wird. Die Ramraths werden wohl noch einige Male die Erklärung „verspäteter Aprilscherz“ abgeben müssen. Macht nix. Ist ja auch ein Gesprächsthema.

Und Sternekoch Björn Freitag dürften seine Übernahmeabsichten auch neu sein. Aber wer weiß, vielleicht ist er ja auf den Geschmack... – nein, das lassen wir jetzt lieber.

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