Knabe an der Kasse, Mädel mit Maschine

Von: Anja Klingbeil
Letzte Aktualisierung:
girlbild
Nichts für zarte Hände? Von wegen: Die zehnjährige Luzia Borgmann beweist Talent an der schweren Bohrmaschine. „3win”-Geschäftsführerin Dagmar Wirtz jedenfalls ist begeistert. Foto: Andreas Steindl

Aachen. An der Kasse im Supermarkt sitzt meistens eine Frau. Hinter der Theke beim Bäcker steht meistens eine Frau. Dafür schraubt in der Autowerkstatt meist ein Mann an den fahrbaren Untersätzen herum, lenkt ein männlicher Pilot den Urlaubsflieger gen Süden. Es gibt sie noch, die typischen Frauen- und Männerberufe - auch heutzutage.

Doch sollen die Klischees aufgebrochen werden. Denn Mädchen sind genauso begabt, wenn es um technische Sachen geht, wie Jungs. Das zeigt der Girls´ Day eindrucksvoll seit einigen Jahren. Dieses Jahr fand parallel zum Tag für die Mädchen bundesweit auch ein Boys´ Day statt. Bei diesem konnten die Jungs mal in die sogenannten Frauenberufe hineinschnuppern. Viele hunderte Jungs und Mädels waren am Donnerstag in Aachen in verschiedenen Unternehmen zu Gast. Zwei von ihnen haben wir besucht.

Es ist ein ungewohntes Bild: Zwischen frischem Gemüse und Obst steht Max Eckey und sortiert die grünen Äpfel. Die anderen Verkäufer in Felix Matternes Bio- und Vital-Supermarkt an der Jakobstraße sind überwiegend Frauen. Zehn Stück an der Zahl. „Der Einzelhandel ist eher Frauensache”, sagt Matterne. Das liege zum einen an den relativ geringen Verdienstmöglichkeiten, zum anderen auch an den Arbeitszeiten. „Abends und am Wochenende wollen die Menschen eben auch einkaufen gehen”, sagt Matterne. Um so begeisterter ist er vom Boys´ Day, damit die Jungen auch mal über den Tellerrand hinausblicken.

Max gefällt´s...

Max gefällt´s. Seine Augen strahlen, er lächelt, als er erzählt, was er heute alles erlebt hat: „Ich find´s echt super, dass ich so auch mal andere Berufe kennenlerne.” Eigentlich wollte der Fünftklässler ja gerne auf einen Bauernhof. Das hat nicht geklappt. „Aber hier habe ich ja auch mit frischem Gemüse zu tun”, sagt Max, der die fünfte Klasse des Einhard-Gymnasiums besucht. Ob er sich vorstellen kann, später mal was in diesem Bereich zu machen? Max überlegt kurz: „Das ist schon nicht schlecht. Aber Luft- und Raumfahrttechnik würde mir besser gefallen”, sagt er schließlich.

Ein ungewohntes Bild bietet sich auch im Maschinenbau-Unternehmen 3win. Luzia Borgmann steht konzentriert an der riesigen Maschine. Den kleinen Aluminiumwürfel hat die Zehnjährige fixiert, dann setzt sie den Bohrer herab und drückt auf den Knopf. Ein paar Sekunden später sind die ersten Würfel-Augen zu erkennen. „Etwas Handwerkliches zu machen, macht mir viel Spaß”, erzählt die Schülerin des St.-Leonhard-Gymnasiums.

Geschäftsführerin Dagmar Wirtz ist froh, dass zum Girls´ Day insgesamt vier Mädchen den Weg in ihr Unternehmen gefunden haben. „Wir machen das zum ersten Mal und hatten viele interessierte Mädchen”, sagt Wirtz. Von der Frauenquote hält die Unternehmerin wenig. Wer gut sei, der setze sich durch - auch ohne Quote. Den Girls´ Day hingegen will sie auch im kommenden Jahr wieder unterstützen.

Bei einer Männerquote von mehr als 90 Prozent und einer weiblichen Geschäftsleitung gibt es noch reichlich Potenzial für weiblichen Nachwuchs. „Der Girls´ Day bietet neue Einblicke. Die Mädchen verlieren die Angst vor sogenannten Männerberufen. Das mag durchaus ein guter Einstieg sein”, sagt Dagmar Wirtz.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert