Klinikum: Personalrat fühlt sich getäuscht

Von: Oliver Schmetz
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Ebenso gigantisch wie umstritten: Das Universitätsklinikum im Aachener Westen steht nun auf der Denkmalliste und ist damit geschützt. Architektonisch wird es stets in einem Atemzug mit dem Centre Pompidou in Paris und dem Lloyds-Gebäude in London genannt.

Aachen. Dass die Stimmung unter den Mitarbeitern des Klinikums nicht die beste ist, gab es zuletzt zwischen Streiks und Sparzwängen häufiger zu berichten. „Aber so etwas”, sagt Helmut Lemaire, Personalratschef der nicht-wissenschaftlichen Mitarbeiter, „habe ich hier noch nicht erlebt.”

Lemaire spricht von den Reaktionen der rund 100 überwiegend Kolleginnen, als sie erfuhren, dass ihre Zukunft im Zuge der Privatisierungspläne für die Laborbereiche der Klinischen Chemie und Mikrobiologie völlig ungewiss ist.

„Die Leute sind wütend auf den Vorstand und total schockiert, dass sie aus der Zeitung erfahren mussten, dass ihre Arbeitsplätze privatisiert werden sollen.”

Der Personalrat habe die Betroffenen am Montag informiert, nachdem er selber erst am Freitag vom Vorstand in Kenntnis gesetzt worden sei, „dass die Entscheidung für die Privatisierung” gefallen sei, beklagt Lemaire eine „katastrophale Informationspolitik”.

Dabei unterstellt er dem Vorstand Absicht: „Wir wurden maßlos getäuscht und hintergangen, offenbar wollte man uns hinhalten.” Zwar habe die Geschäftsleitung auf einer Personalversammlung Mitte November erklärt, dass eine Auslagerung geprüft werde, aber zugleich steten Informationsfluss zugesagt. Nun höre man plötzlich von einer Entscheidung.

Professor Dr. Henning Saß, Vorstandschef des Großkrankenhauses, weist die Vorwürfe als „völlig unzutreffend” zurück. Vor wenigen Wochen erst sei auf einer Personalversammlung der wissenschaftlichen Mitarbeiter über das Thema berichtet worden, sagt er.

Zudem sei „immer noch keine endgültige Entscheidung getroffen über die Art und den Umfang der Ausgliederungen”, so der Klinikchef. Dass Umstrukturierungen für Unsicherheiten sorgten, sei verständlich. Aber nach wie vor sei „völlig unklar”, wer genau betroffen sei und was mit den Mitarbeitern passiere.

„Manche seit 30 Jahren im Haus”

Helmut Lemaire dagegen beschreibt recht genau, wen die Privatisierung, die laut Vorstand eine Ersparnis in „niedriger Millionenhöhe” bringen soll, treffen wird: „Kolleginnen größtenteils zwischen 45 und 55 Jahren, von denen manche seit 30 Jahren in diesem Haus arbeiten” und für die es im Falle einer Arbeitslosigkeit als medizinisch-technische Assistentinnen auf dem Arbeitsmarkt „ganz bitter aussieht”.

Der Personalrat will nun anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen und sich übers weitere Vorgehen beraten lassen, kündigt Lemaire an. „Und dann warten wir darauf, dass sich der Vorstand zu den personellen Maßnahmen äußert.”
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