Aachen - Klinikum: Parkplatzchaos bringt Gäste zum Rasen

Klinikum: Parkplatzchaos bringt Gäste zum Rasen

Von: Stephan Mohne
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Quell des Unmuts: Die Parkplatzsituation am Klinikum ist derzeit noch dramatischer als sonst schon. Ein Teil der Plätze ist wegen Bauarbeiten gesperrt. Demnächst soll ein Teil des Areals bebaut werden, als Ersatz soll es ein großes Parkhaus geben. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wolfgang Seiler (Name geändert) ist längst wieder in Göttingen. Und an seinen Besuch in Aachen denkt der 70-Jährige jedoch auch heute noch zurück – höchst ungern allerdings. So ungern, dass er zum Telefonhörer greift, und der AZ seine Erlebnisse schildert. Die hatten mit einem Termin im Aachener Uniklinikum zu tun.

Vor einigen Tagen hatten sich Seiler und seine Frau von Göttingen aus in Richtung Aachen aufgemacht. Nachdem die rund 350 Kilometer absolviert waren, lag das Klinikum vor ihnen. Dort hatte die Ehefrau einen Termin wegen einer ärztlichen Besprechung. Die lange Anfahrt war jedoch in diesem Augenblick noch lange nicht beendet.

Denn jetzt stand den Seilers noch ein „Vergnügen“ der ganz besonderen Art bevor: am Aachener Großkrankenhaus einen Parkplatz suchen. Was eigentlich angesichts der Zahl von – normalerweise – rund 2200 Parkplätzen dort kein Problem sein dürfte. Klarer Fall von Denkste – wie auch Wolfgang Seiler im Wortsinn erfahren musste: „Wir sind eine Dreiviertelstunde auf dem Parkplatz herumgekurvt und haben keinen freien Platz gefunden“, ärgert er sich.

Doch damit ist die Geschichte längst noch nicht zu Ende. Weil nämlich den Seilers so langsam die Zeit bis zu ihrem Termin davonlief, wurde nun im Umfeld gesucht. Wolfgang Seiler stellte seinen Wagen schließlich am Rande der Seffenter Felder ab – so, wie es derzeit viele verzweifelte Patienten und Besucher des Klinikums tun. Und was natürlich nicht erlaubt ist.

Unverrichteter Dinge wieder abrauschen nach Göttingen wollte die Familie jedoch auch nicht. „Von den Feldern aus mussten wir dann auch noch einen weiten Weg bis zum Eingang gehen, was für ältere Menschen äußerst beschwerlich ist“, erzählt der Mann aus Niedersachsen verärgert.

Ein gelber Zettel

Doch auch damit noch nicht genug des Ärgers: Als die Seilers später wieder zu ihrem Wagen zurückkamen, flatterte hinter dem Scheibenwischer ein gelber Zettel, sprich ein Knöllchen. Das konnte Wolfgang Seiler nun gar nicht mehr fassen: „Es kann doch wohl nicht wahr sein, dass man hier aus der Not auch noch ein Geschäft macht.“ Schließlich hätte er liebend gerne die Parkgebühren berappt – wenn es denn gegangen wäre. „Da wird der Parkplatzmangel dann auch noch auf diese Art ausgenutzt“, meint er. Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch nahm er schließlich die 350 Kilometer Heimweg unter die Reifen.

Auf Anfrage unserer Zeitung weist die Stadt allerdings den Vorwurf zurück, dass hier nun gezielt kontrolliert werde: „Es gibt dort über die normalen keine zusätzlichen Kontrollen“, sagt Evelin Wölk vom Presseamt. Im Klinikum ist man sich unterdessen der misslichen Situation bewusst. „Die Parksituation an der Uniklinik RWTH Aachen ist momentan angespannt“, sagt Dr. Mathias Brandstädter, Sprecher des Klinikums, auf Anfrage.

Begründung: „Einerseits haben wir für Bauvorbereitungen im Rahmen des medizinischen Modernisierungsprogramms des Landes NRW knapp 85 Parkplätze stilllegen müssen, andererseits ist der Monat November eine Zeit, in der viele Mitarbeiter nach den Herbstferien im Dienst sind und sowohl Patienten als auch Mitarbeiter aufgrund der Witterung häufiger als in anderen Monaten mit dem Pkw unterwegs sind.“ Das betreffe vor allem die Zeit am Vormittag. Brandstädter: „Wir bedauern diese Unannehmlichkeiten und arbeiten an Lösungen zur kurz- und mittelfristigen Entlastung.“

Langfristig werden vor dem Klinikum noch weitaus mehr Parkplätze wegfallen, weil dort im Zuge besagten und zig Millionen Euro schweren Modernisierungsprogramms teils Erweiterungsbauten – unter anderem neue Operationssäle – entstehen sollen. Ersatz soll in Form eines großen Parkhauses mit acht Ebenen und 1350 Plätzen her. Das allerdings ist derzeit noch in der Planungsphase, die unter anderem auch mit der Untersuchung der Auswirkungen auf die Umwelt einhergeht. Die sind nicht gerade gering, wie ein Gutachten nun besagt.

60 Bäume müssen gefällt werden

Im Plangebiet müssten 60 Bäume gefällt werden, von denen 32 unter die Baumschutzsatzung fallen. Als Ersatz für die zu fällenden Bäume wären laut Baumschutzsatzung 66 Bäume neu zu pflanzen. „Im Gebiet des Bebauungsplanes sind jedoch nur 20 Bäume sinnvollerweise unterzubringen“, heißt es seitens der Verwaltung. Für die anderen müssten andere Standorte gefunden oder „gegebenenfalls Ersatzzahlungen an die Stadt vorgenommen“ werden.

Der Versiegelungsgrad im Plangebiet werde sich von 48 auf 72 Prozent erhöhen. Eine höhere Lärmbelastung der Anwohner soll durch eine teilweise geschlossene Bauweise des Parkhauses verhindert werden. Allerdings wird es noch eine Folge geben: „Die Lage am Rande des Dorbachtals führt, wie zu erwarten, zu einer Einengung des Talquerschnitts und damit zu einer Einschränkung und Verringerung des Kaltluftstroms Richtung Norden (Laurensberg).“ Davon abgesehen werde das Parkhaus auch noch eine „sehr deutliche Veränderung in der Wahrnehmung des Gebietes zwischen dem Vaalserquartier und der Innenstadt bewirken.

Durch die Gebäudehöhe wird eine trennende Wirkung in der Blickbeziehung West-Ost und Ost-West auftreten.“ Unter dem Strich heißt es: „Abschließend kann die Umsetzung des Bebauungsplanes Nr. 971 als mit erheblichen Auswirkungen auf das Ort-/Landschaftsbild bezeichnet werden, die ursächlich in der Höhe des Gebäudes liegen und nicht kompensiert werden können.“ Eine Empfehlung, das Parkhaus deshalb nicht zu bauen, steht aber nirgendwo. Der Umweltausschuss hat ihn mit einigen Bauchschmerzen zur Kenntnis genommen. Das war‘s.

Das alles dürfte Wolfgang Seidel in Göttingen ziemlich kalt lassen, denn er ist bereits in die Luft gegangen.

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