Aachen - Klimawandel: Folgen für die Städte

Klimawandel: Folgen für die Städte

Von: Katharina Menne
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Großes Interesse: Auf Einladung der Initiative Aachen diskutierten im Krönungssaal Experten, wie man in den Städten auf den Klimawandel reagieren muss. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Heiß wird es sein im Jahr 2100. Das ewige Eis am Nordpol existiert nicht mehr, und die Welt wird von Starkregen, Dürreperioden und Orkanen heimgesucht. Das klingt unwahrscheinlich? Laut der aktuellen Klimaprognosen ist es allerdings gar nicht so unwahrscheinlich.

Um deutlich zu machen, was global und lokal zu tun ist, referierten und diskutierten Wissenschaftler und Verantwortliche der Stadt auf Einladung der Initiative Aachen am Donnerstagabend im Krönungssaal des Rathauses über aktuelle Klimaprognosen und die Folgen. Moderiert wurde die Diskussion, die im Rahmen der Reihe „Stadt. Plan!“ stattfand, von René Benden, Redakteur beim Zeitungsverlag Aachen.

Von den Ursachen und Folgen des prognostizierten Klimawandels hörten die rund 400 interessierten Teilnehmer bestimmt nicht zum ersten Mal, doch die Botschaft der Veranstaltung war eindeutig: Wenn die Menschheit nicht schleunigst etwas an ihrem Verhalten ändert, ist es kein unrealistisches Szenario mehr, sondern erschreckende Realität. Dass diese Verhaltensänderung jedoch keine rein politische Aufgabe ist, sondern in den Köpfen jedes Einzelnen beginnt, darin waren sich die Referenten einig.

Den Anfang machte Professor Thomas Ludwig, Leiter des Lehrstuhls für wissenschaftliches Rechnen an der Universität Hamburg und Geschäftsführer des Deutschen Klimarechenzentrums (DKRZ). Er machte anhand einiger Beispiele deutlich, wie enorm sich die Genauigkeit der Modelle in den letzten Jahrzehnten verbessert hat. Die Entwicklung der Rechnerleistung heutiger Supercomputer schreite so schnell voran, dass man die Klimamodelle von 1987 mittlerweile ohne Probleme mit gängigen Smartphones oder Tablets berechnen könnte.

Außerdem zeigte er auf, dass zusätzlich zu globalen Anstrengungen auch auf lokaler Ebene die Folgen des Klimawandels nicht unterschätzt werden dürfen. Mit Hilfe von Wind- und Wettersimulationen könne man auch in Städten berechnen und vorhersagen, welche Auswirkungen bestimmte Bauvorhaben auf das Stadtklima haben. Mehrstöckige Gebäude zum Beispiel schlügen beachtliche Windschneisen mit entsprechenden Folgen und die zunehmende Versiegelung von Grünflächen mit dunklen Asphaltbelägen führe dazu, dass sich Städte im Sommer immer stärker aufheizten.

Was das für Aachen bedeutet und wie die Stadtplaner mit den Wissenschaftlern der RWTH vor Ort zusammenarbeiten, war Gegenstand der sich anschließenden Diskussion. Dr. Gunnar Ketzler vom Geografischen Institut und Professor Dirk Vallée vom Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr berichteten von ihren jeweiligen Forschungsansätzen. „Es ist wichtig zu wissen, dass wir zwar prognostizieren können, dass wir uns auf extreme Wetterereignisse vorbereiten müssen, aber nicht wann und wo sie auftreten“, sagte Vallée. Deshalb müssten frühzeitig umfassende und stadtweite Maßnahmen ergriffen werden, um zum Beispiel Wassermassen besser abtransportieren zu können. Ketzler berichtete, dass zum Beispiel die Modellierung der Luftqualität und darauf aufbauende Vorschläge, was zu verbessern ist, Ziel von Forschungsaktivitäten an seinem Institut seien.

Werner Wingenfeld, Aachener Dezernent für Planung und Umwelt, versuchte den Blick des Publikums für den Gesamtzusammenhang zu öffnen. „In Bezug auf städtebauliche Veränderungen muss auch die demografische Entwicklung berücksichtigt werden“, sagte er. „Da besonders ältere Menschen bei schwülwarmem Wetter unter Herz-Kreislauf-Problemen leiden, müssen die Teile der Stadt, in denen sie wohnen, verstärkt betrachtet werden.“ Lösungen müssten jedoch nicht neu erdacht werden, die könne man sich schon jetzt bei den Mittelmeerländern abgucken. „Begrünte Innenhöfe, belüftende Verkehrsachsen, enge Gassen zur besseren Verschattung sowie helle Böden und Fassaden sind dort längst Tradition.“ Doch solche Veränderungen kosteten Zeit – und Geld, das die Stadt nicht habe.

Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum waren durchweg zustimmend und zielten sogar darauf ab, noch schneller und konsequenter mit der Umsetzung entsprechender Planungen zu beginnen. Der stellvertretende Leiter des Fachbereichs Umwelt, Klaus Meiners, sowie die Klimaschutzbeauftragte der Stadt, Dr. Maria Vankann, beklagten jedoch in ihren Diskussionsbeiträgen, dass die Umsetzung entsprechender Vorstöße häufig an Politik und Gesellschaft scheitere und es dringend mehr Mut bräuchte, Entscheidungen auch zu treffen. „Es wird viel davon gesprochen, was die Stadt alles tun kann, aber es gibt oft ein Akzeptanzproblem. Das muss sich dringend ändern, sonst sind uns die Hände gebunden“, sagte Vankann.

Dass ein generelles Umdenken vonnöten ist, brachte Vallée abschließend auf den Punkt. „Es fängt bei den Entscheidungen des Einzelnen an, wie wir dem Thema begegnen – welches Auto wir kaufen oder wie wir bauen. Es ist unser Klima, und der Klimawandel macht nicht an Grenzen halt. Das sollten wir uns immer wieder in Erinnerung rufen und uns entsprechend verhalten.“ Und damit das Umdenken auch stattfindet, wird dies nicht die letzte Veranstaltung zu dem Thema sein, versicherten die Veranstalter abschließend.

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