Aachen - Klima-Clou bringt Schätze nach Aachen

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Klima-Clou bringt Schätze nach Aachen

Von: Thorsten Karbach
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In dieser Grube wird Geschicht
In dieser Grube wird Geschichte von der Steinzeit bis in die Gegenwart präsentiert: Wo einst das Parkhaus des Verwaltungsgebäudes stand, entstehen 1000 Quadratmeter Foto: Andreas Steindl

Aachen. In der Wirklichkeit ist die Ausstellungsfläche noch eine Baugrube. Mit Schuttbergen, die nach und nach abgetragen werden, um hier Aachens Geschichte zu rekonstruieren. In Thomas Müllers Kopf hat sie längst Formen angenommen.

Und mit jedem Meter, den die Baustelle Centre Charlemagne an Kontur gewinnt, werden seine Konzepte klarer, vorstellbarer. Wenn Müller, verantwortlich für die Route Charlemagne in Aachen, jetzt am Rand der Baugrube steht und in den ausgeschachteten Innenraum schaut, in dem die Ausstellungsfläche erschlossen wird, dann bekommt er leuchtende Augen.

Allein die Fläche ist beeindruckend. 850 Quadratmeter werden für die Dauerausstellung geschaffen. 6,5 Meter hohe Decken schaffen eine Architektur, die an eine Kathedrale erinnert. Mittendrin schweben (auf Stelzen) weitere mehr als 200 Quadratmeter für Wechselausstellungen. Darunter bleiben aber noch 3,5 Meter Deckenhöhe. Letztlich gewinnt Aachen also mehr als tausend Quadratmeter, um sich und seine Geschichte zu präsentieren.

Café mit Ausblick

Das Centre Charlemagne. Es ist viel über dieses Haus geschrieben und diskutiert worden, noch bevor es den Namen gab. Da war die Sache mit dem Bauhaus, das am Bürgerwillen gescheitert ist. Stattdessen wird das ehemalige Verwaltungsgebäude am Katschhof eben zum sogenannten Centre Charlemagne mit zentraler Anlaufstelle für die Route Charlemagne. Die wird im alten Eingangsbereich sein. Auch wenn dort dann alles anders ist. Auf der rechten Seite wird es alle Informationen zur Route geben, der großzügig gestaltete Raum wird die einzelnen Stationen grafisch vorstellen und Platz für ein Stadtmodell - möglicherweise medial - bieten. Links wird eine Cafeteria eingerichtet.

Dafür wird die Grundfläche des Hauses Richtung Katschhof um etwa 70 Quadratmeter vergrößert. Der „Anbau” liegt auf dem Niveau des Katschhofes, verbindet Platz und Haus. Außengastronomie ist nicht vorgesehen. Muss aber auch nicht. „Wer hier im Café sitzt, der sieht Dom und Rathaus. Das ersetzt jeden Aussichtsturm”, sagt Michael Ferber, Leiter des städtischen Gebäudemanagements.

Neben der Cafeteria gibt es die Eintrittskarten und einen Shop, dahinter geht es hinunter in die Dauerausstellung. Noch führt eine alte Treppe des Verwaltungsgebäudes in die Baugrube. Hinter den Häusern am Markt stehen große Stahlstützen. Die mussten eingezogen werden. Denn die Arbeiten waren kompliziert, der Winter erschwerte die Konstruktion, die Baustelle hat sich verzögert, die Kosten sind gestiegen. 12.2 Millionen Euro werden es wohl werden, 1,4 Millionen mehr als ursprünglich erwartet. Im Juli 2012 soll alles fertig sein. Am 28. Januar 2013 -also am 1199. Todestag Karls des Großen - will Kulturdezernent Wolfgang Rombey eröffnen. „Wir wollen das symbolische Datum aufgreifen”, sagt er.

Bis dahin bleibt viel Arbeit. Das alte Verwaltungsgebäude wurde bis auf seine Tragstruktur zurückgebaut. „Arbeiten in so einem Bestand ist eine besondere Herausforderung”, erklärt Thomas Croon, zuständiger Projektleiter von „hks architekten”. Und doch ist er auf einem guten Weg, die pragmatische Tristesse des Verwaltungsbaus vergessen zu machen. Seine Ideen nehmen Gestalt an. Hier werden Wände eingezogen für Garderoben, dort welche entfernt für eine Museumspädagogik. Und von überall fällt der Blick auf den dreieckigen Ausstellungsraum. Typisch Aachen mit seinen dreieckigen Plätzen wie Markt oder Hof.

Vor zwei Jahren gab es andere Pläne, da sollte die Wechselausstellung in den alten Fluren einziehen. „Da wäre die Stimmung allzu bedrückend geworden”, sagt Thomas Müller. Die Ausstellung soll ein Prunkstück der Stadt werden. Dafür wird auch bautechnisch viel bewegt. In Wänden, Decken und Böden werden Leitungen zur Klimatisierung eingezogen. So sollen festgelegte Raumtemperaturen und gleichmäßige Luftfeuchtigkeit garantiert werden, was der Stadt bei Ausstellungen neue Möglichkeiten verschafft. „Wir können so Exponate bekommen, die es sonst in Aachener Museen nicht geben kann”, erklärt Olaf Müller, Leiter des städtischen Kulturbetriebs. Konkret steht fest, dass Thomas Müller 2014 für die Ausstellung zum 1200. Todestags Karls des Großen mit seltenen Elfenbeinarbeiten und karolingischen Handschriften planen kann.

Die schwebende Wechselausstellung wird mit einer Brücke zum Foyer und mit Aufzug und Treppe mit der Dauerausstellung verbunden. Ein Dachfenster gibt den famosen Blick auf das Rathaus frei. Auch ein Forum mit 70 Plätzen für Veranstaltungen wird eingerichtet. Unter der Wechselausstellung wird ein Geschichtslabor einziehen. „Sehr experimentell, sehr innovativ”, sagt Müller, speziell Kinder und Jugendliche sollen hier angesprochen werden.

Die Dauerausstellung: Auge in Auge mit Karl dem Großen wird sie beginnen, denn neben der Treppe steht die Originalfigur des Karlsbrunnens, die bis dato im Krönungssaal des Rathauses „wohnt”. Von dort aus geht es im Uhrzeigersinn durch die Aachener Geschichte. Vorbei an einem Relief, dass den Gründungsmythos der Stadt darstellt. Dann Jugendsteinzeit, Kelten, Römer. Eine Simulation einer römischen Therme wird es geben. Franken, Merowinger, alle finden sich hier wieder. Die Christianisierung ist ein Thema, ausgestellt wird unter anderem eine fein ziselierte Gürtelschnalle, die bislang in Hannover liegt. „Wir werden viele Aachener Fundstücke zurückholen”, sagt Müller. Auch Auszüge aus der Sammlung Burg Frankenberg ziehen ein, ebenso Leihgaben Aachener Bürger.

Natürlich wird Karl Raum einnehmen. „Aber befreit vom Mythos”, kündigt Müller an. In vier Höhenprojektionen werden filmische Sequenzen vorbereitet. Karl der Große ist die Erste. Später folgen Karl V., Napoleon und ein US-amerikanische Soldat 1944. Sie alle werden gezeigt, wie sie nach Aachen kommen. Geschichte kommt in Bewegung - bis zur Entwicklung Aachens als Europastadt. Nur das Finale wird noch diskutiert. „An das letzte Bild erinnert man sich noch in zehn Jahren, da planen wir etwas Besonderes”, sagt Rombey und ist sicher: „Das Centre Charlemagne wird ein Quantensprung für die touristische Qualität dieser Stadt.”

Die Uhr Harun Al Raschid

Als verkleinertes Modellwird für die Ausstellung im Centre Charlemagne eine Uhr nachgebaut, die Harun Al Raschid Aachen einst schenkte. Es war eine Sensation, drei Meter war sie groß, zeigte Mondphasen und Sternbilder. „Da standen die Aachener damals staunend vor. Auch der Nachbau wird ein Höhepunkt”, verspricht Thomas Müller.

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