Kleinod der regionalen Musiklandschaft

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Kümmert sich um die Bekanntheit der Vaalser Kopermolen: Ricarda Schumann. Foto: Michael Jaspers

Aachen/Vaals. Ein achteckiger Raum mit Galerie, ein historischer Hochaltar aus Holz und eine Barock-Orgel, wie es sie sonst in der Gegend kaum zu finden gibt – das ist die Kopermolen. Ehemals Heimstatt für in Aachen unterdrückte Protestanten ist sie heute ein Kleinod in der regionalen Musiklandschaft. Dafür sorgt die fünfköpfige Musikkommission der „Stichting de Kopermolen Vaals“.

Die deutsche Stimme darin heißt Ricarda Schumann: Flötistin, Schauspielerin und Komponistin. Rauke Xenia Bornefeld sprach mit ihr.

Ins Deutsche übersetzt heißt Kopermolen Kupfermühle. Sie ist doch aber eine ehemalige lutherische Kirche. Wo kommt der Name denn her?

Schumann: Im 16. und 17. Jahrhundert stand hier an der Gau tatsächlich eine Kupfermühle. 1730 wurde sie aber abgerissen und 1735 diese lutherische Kirche gebaut. Sie war lange Zuflucht für in Aachen lebende Protestanten, die dort ihre Religion nicht ausüben durften. Deshalb ist die Kirche nach außen auch nicht gleich von weitem als solche zu erkennen.

Sie hat keinen Kirchturm und ist etwas bescheidener gebaut, nichtsdestotrotz wunderschön als Oktogon und mit Couvens Handschrift. Erst in den 1960er Jahren, mit der Aufgabe der Kirche und der Einrichtung des Zentrums für Kunst und Kultur ist der Name Kopermolen wieder aufgekommen.

Der Beginn der Kunst und Kultur in der Kopermolen liegt also in den 1960er Jahren.

Schumann: Richtig, da wurde die Stiftung „Stichtig de Kopermolen Vaals“ gegründet. Das Gebäude gehört der Gemeinde, aber die Stiftung ist für die Verwaltung und Organisation der Veranstaltungen zuständig.

„Die schönste Orgel Aachens steht in Vaals“, soll Organist Hans Leenders über die Orgel in der Kopermolen gesagt haben. Empfinden Sie das auch so?

Schumann: Ich bin keine Orgelfachfrau, aber meine Erfahrungen mit ihr als Flötistin – mein erstes Konzert hier mit Orgel und Traversflöte war 2011 – sind sehr positiv. Sie hat einen sehr, sehr schönen, weichen, warmen Klang. Es macht mir schon sehr viel Spaß, hier zusammen mit Orgel zu spielen. Sie ist einfach unser Schmuckstück.

Zwei Mal im Monat von April bis Oktober – immer an den Markttagen – kann man sie bei den Marktorgelkonzerten um 12 Uhr genießen. Sogar bei freiem Eintritt. Wir laden dafür Organisten aus der Region ein, die immer sehr gern kommen. Dabei ist die Orgel von 1765 sehr klein und hat einen begrenzten Tonumfang. Sie hat nur ein Manual und ein Pedal, aber sehr viel Charakter.

Die Orgel ist historisch gestimmt, also einen halben Ton tiefer als moderne Instrumente. Deshalb kann man mit ihr entweder nur allein oder mit anderen historischen Instrumenten spielen. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil für die Kopermolen?

Schumann: Die Barock-Orgel von Johann Baptist Hilgers ist etwas Spezielles und zeichnet unser Haus aus. In der Umgebung gibt es keine vergleichbare Orgel. Dadurch haben wir eine ganz besondere Chance, Alte Musik mit historischen Instrumenten anzubieten. Und für Sänger ist es natürlich entspannter (lacht).

Was bieten Sie neben der Alten Musik noch an?

Schumann: Viel klassische Musik, aber auch andere Stilrichtungen. Wir sind bemüht, ein breit gefächertes Programm zu gestalten. Natürlich bietet sich Kammermusik an: Streichquartette, Klaviertrio, Liederabende. Das funktioniert sehr gut und kommt der schönen Akustik sehr entgegen. Aber wir haben auch oft Weltmusik zu Gast. Klezmer, Tango, Jazz – eigentlich geht hier alles, solange es akustische Konzerte sind und nicht zu viele Musiker Platz finden müssen.

Kabarett steht auch gelegentlich auf dem Programm, aber meistens mit Musik verbunden. Da wir auch viel deutsches Publikum haben, müssen wir darauf achten, dass die Künstler in beiden Sprachen sprechen. Mit dem Publikum sprechen sollten sie – egal in welcher Sprache –, denn das bietet sich hier in diesem intimen Raum einfach an.

Fühlen sich die Niederländer vom Deutschen nicht gelegentlich zu stark eingenommen?

Schumann: Gute Frage! Aber hier wird ja nicht nur Deutsch gesprochen. Wir versuchen eine gute Balance zu finden, auch wenn viele Niederländer hier in Grenznähe Deutsch verstehen. Die Kopermolen ist eine schöne Begegnungsstätte für Deutsche und Niederländer. Und die Sprache der Musik verstehen schließlich alle.

Sind Sie zufrieden mit der Besucherauslastung und mit dem Angebot an Konzerten?

Schumann: Es passen hier ungefähr 120 Menschen hinein. Natürlich gibt es Konzerte, die wenige Besucher anlocken. Im Großen und Ganzen sind wir aber zufrieden. Im Jahr haben wir etwa 30 Konzerte, auf etwa 40 Veranstaltungen kommen wir, wenn wir die Kunst noch dazurechnen. Und wir schauen schon, dass das Angebot auch einem größeren Publikum gefällt.

Sehr spezielles Zeitgenössisches haben wir eigentlich nicht im Programm. Die Besucher sind aber generell sehr offen, auch wenn es experimenteller wird. Unser Konzert der „Limburger Komponisten“ – auch alles Zeitgenossen – war zum Beispiel sehr gut besucht.

Für Kunst ist es doch aber ein etwas schwieriger Raum.

Schumann: Ja, auf der Galerie geht es noch ganz gut, aber unten ist es schon schwierig. Wir sind im Organisationsteam auch gerade dabei zu prüfen, was hier geht und was nicht. Gerade die Verbindung der einzelnen Kunstrichtungen in der Kopermolen suchen wir noch.

Was wird es denn in der nächsten Saison geben?

Schumann: Noch steht nicht alles fest, aber im Mai haben wir Salonmusik von „Salto Musicale“, das Pianisten-Paar Peter Petrov und Darina Vasileva kommt im März. Und es wird natürlich wieder ein Konzert für Kinder geben. Begonnen haben wir damit im Januar 2012 mit einer Geschichte von unserem Teammitglied Marie-José van den Beuken über die Heiligen Drei Könige, die nach Vaals kommen. Ihre Studenten haben gesungen und wir haben die Geschichte auf Niederländisch und Deutsch vorgelesen.

Für den Drei-Königstag 2013 habe ich eine Geschichte über das Kamel Hugo geschrieben, das die Könige nach Bethlehem begleitete. Unser Titularorganist Hans Leenders hat dazu improvisiert. Im Couven-Jahr 2014 waren wir Teil des Projektes „Klangwelten in Couven-Räumen“ und haben auch dazu ein Kinderkonzert gemacht. Couven kam als Zeitreisender höchstpersönlich zu Gast und wir standen schließlich alle in historischen Kostümen da und haben mit historischen Instrumenten gespielt (lacht). Für das nächste Jahr überlegen wir noch – vielleicht Peter und der Wolf, jede Stimme auf der Orgel registriert…

Und für Jugendliche?

Schumann: Jedes Jahr gibt die „Jong Talentklas“ aus Maastricht ein Konzert. Das sind erstaunliche, hochbegabte junge Musiker aus den ganzen Niederlanden. Mindestens zwei Mal im Jahr geben Studierende der Musikhochschule Köln, Standort Aachen, Konzerte, meistens mit sehr interessanten Besetzungen wie Saxophon, tiefe Streicher oder nur Blechbläser.

Die bieten uns immer sehr schöne Sachen auf sehr hohem Niveau an. Die Veranstalter der Region sind generell sehr daran interessiert, die Kopermolen als Konzertort zu nutzen. Zum Beispiel gibt es im Rahmen des Orlando-Festivals hier immer ein Konzert, und die Stiftung „Samenwerkende Orgelvrienden Limburg“ (SOL) kooperiert ebenfalls mit der Kopermolen.

Das Organisationsteam der Kopermolen, bei dem Sie seit 2011 mitwirken, besteht nur aus Musikern. Warum haben Sie sich für diese Struktur entschieden?

Schumann: Die Musikkommission hat quasi die künstlerische Leitung inne. Neben Marie-José, Hans Leenders und mir gehören die Violinistin Marielle van der Kamp und die Organistin Christine Moraal dazu. Wir arbeiten alle ehrenamtlich. Ich vermute, dass jemand, der kein Musiker ist, diese Arbeit nicht mit vergleichbarer Leidenschaft und mit so viel Herzblut machen würde. Man muss ein bisschen verrückt sein. Aber wir haben auch anderes Know-how in der Stiftung: Für die betriebswirtschaftliche und verwaltungstechnische Seite haben wir unseren sehr fleißigen Schatzmeister und Verwaltungsdirektor Ton Ooms. Vorsitzende ist seit 2016 Maria van der Hoeven in Nachfolge von André Stolwijk, der dieses Amt sehr viele Jahre hervorragend ausgefüllt hat.

Maria war niederländische Ministerin und Executive Director der International Energy Agency IEA in Paris. Sie bringt ein gutes Gespür für Organisation und Struktur mit. Das hilft uns auch bei unseren Cross-Over-Gedanken. Und ohne die vielen Freiwilligen könnten wir ohnehin nichts stemmen. Sie ermöglichen, dass die Kopermolen täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr geöffnet ist, sie kümmern sich bei den Konzerten um den Ausschank und vieles mehr.

Sie sind selbst Flötistin, Schauspielerin sowie Komponistin und zusätzlich für die Kontakte der Kopermolen zur deutschen Presse zuständig. Was nimmt am meisten Zeit in Anspruch und was macht Ihnen am meisten Spaß?

Schumann: Ich bin ein Bühnenmensch, deshalb macht mir am meisten das Spaß, wo ich selbst als Künstlerin auftrete. Meine Arbeit für die Kopermolen, also Texte vom Niederländischen ins Deutsche zu übersetzen, die Einladungen und Informationen für die deutsche Tages- und Monatspresse zu schreiben und auch die Kontakte zu den deutschen Künstlern zu pflegen, nimmt schon mehr Zeit in Anspruch, als ich am Anfang dachte. Ich mache das gerne, aber noch lieber bin ich selbst als Künstlerin unterwegs.

Sie widmen sich mit der Traversflöte ebenfalls der Alten Musik. Was mögen Sie daran?

Schumann: Marga Wilden-Hüsgen wollte vor über zehn Jahren das Ensemble „Capella Aquisgrana“ für Alte Musik gründen und sprach mich an, ob ich dort die Flöte spielen könne. Es müsse aber eine Traversflöte sein. Bis dahin hatte ich nur Konzertflöte gespielt. Ich habe mir also eine Traversflöte gekauft und bin erst mal überhaupt nicht klargekommen. Die Traversflöte ist ganz anders.

Sie hat statt Klappen Tonlöcher, es gibt kein Vibrato, der Ansatz ist anders. Was ich mit der Konzertflöte einfach runterspielen kann, ist mit dem historischen Instrument richtig Arbeit. Hauptsächlich autodidaktisch und mit ein wenig Anleitung habe ich aber den Einstieg gefunden. Jetzt eröffnen sich mir durch die neuen Klangvorstellungen ganz andere Welten. Bestimmte Musik möchte ich gar nicht mehr mit der Konzertflöte spielen. Alte Musik fühlt sich mit historischen Instrumenten einfach authentischer an. Die Arbeit hat sich total gelohnt!

Spielen Sie die Traversflöte lieber als die moderne Flöte?

Schumann: Nein, es ist schön, beides zu machen. Und moderne Kompositionen kann man auch gar nicht mit der Traverso spielen. Ich mache gerne viele unterschiedliche Sachen und stehe einfach gerne auf der Bühne – auch als Schauspielerin. Es gab schon einige Theaterstücke, zu denen ich Musik geschrieben habe und wo ich dann als Schauspielerin, Sängerin und Flötistin auf der Bühne stand. So etwas macht mir großen Spaß.

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