Aachen - Kleines Konzert endet mit großem Drama

Kleines Konzert endet mit großem Drama

Von: Thorsten Karbach
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Gitarrist und Produzent Jürgen Müller kann wieder trockenen Fußes arbeiten. Foto: Michael Jaspers
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Cold-Germany-Sänger Werner Koch hat endlich wieder gut Lachen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Mit einem kleinen Konzert wollte die Rockband Cold Germany die Songs ihres neuen Albums „Alles“ vor Publikum testen. Am nächsten Morgen folgte das große Drama. Denn plötzlich ging es für Sänger Werner Koch um alles – um Leben und Tod.

Wenn Cold Germany nun tatsächlich am 26. Januar im Musikbunker an der Goffartstraße „Alles“ der Öffentlichkeit offiziell vorstellen, dann liegen neun Monate hinter der Band, auf die alle Musiker gerne verzichtet hätten. Es war im März 2012 als sie in einem kleinen Saal in Roetgen schauen wollten, wie ihre Songs ankamen. Sie konnten nicht ahnen, dass Koch da bereits in einen Abgrund blickte. Als Band hatten sie sich auf der Bühne noch richtig wohl gefühlt. Nur Sänger Koch ging es nicht gut. Sechs Wochen zuvor wurde bei ihm eine Gastritis diagnostiziert. Tatsächlich hatte er einen Speiseröhrenriss – und der ist in vielen Fällen tödlich.

Während die anderen Musiker die Instrumente einpackten, musste sich Koch übergeben. Am nächsten Morgen erbrach er sich wieder. „Ich dachte immer, so schlimm würde es schon nicht sein“, sagt er nun. Dann fühlte er diese Explosion in sich. Wörter wie Panik und Todesangst fallen. Koch hatte Angst zu ersticken. „Ich bin froh, dass ich jetzt wieder so hier sitzen kann“, sagt er. Und Cold-Germany-Gitarrist und Produzent Jürgen Müller sagt: „Wir hatten alle Angst um ihn. Es ist schön, ihn jetzt so zu sehen.“

Den Notarzt hatte Koch noch selbst bestellt, seiner Lebensgefährtin eine Notiz geschrieben. Bin ins Krankenhaus. Dort landete er schnurstracks im OP – Oberarzt und Chefarzt diagnostizierten ein Boerhaave-Syndrom und erkannten, dass es höchste Zeit war. Der letzte Songs war da erst wenige Stunden verklungen. Statt auf den deutschen Konzertbühnen spielte sich Kochs Leben erst einmal im Krankenhaus ab. Er lag im künstlichen Koma, wurde künstlich ernährt. Als ihm Klammern in der Brust gelöst wurden, musste er noch einmal operiert werden. „Er sah wirklich nicht gut aus, überall kamen Schläuche aus ihm“, sagt Müller und schaut Koch an. Gut sieht er wieder gut aus.

Damit sieht es auch für Cold Germany wieder gut aus. Noch im Krankenhaus begann Koch wieder, vorsichtig zu singen. Er hatte die Kopfhörer über die Ohren gezogen, lauschte den Songs von „Alles“, die er beinahe nie wieder gesungen hätte. Seit 20 Jahren singt er in verschiedenen Bands. Bei Cold Germany mit Müller, Wolfgang Günnewig, T. S. Crusoe und Rolf Schlenter – allesamt erfahrene Musiker, unter anderem bei der Zeltinger Band. Die Texte kommen von Sängerin Heike Aretz. Veröffentlicht wurde das Album „Alles“ auf „Rent A Dog“, dem Label des Aachener Ulli Rattay.

„Dass es Werner nicht gut ging, hat uns alle heftig getroffen“, sagt Müller rückblickend. Musik spielte sich plötzlich nur noch im Hintergrund ab. „Oberste Priorität hatte die Gesundheit. Wir haben die Band am Leben gehalten, aber Werner sollte entscheiden, ob und wann es weitergehen würde“, erklärt er. Und nun hat Werner Koch entscheiden.

Cold Germanys Blick ist auf den Musikbunker gerichtet. Auch einen zweiten Rückschlag hat die Band auf dem Weg zurück auf die Bühne verkraftet. Am 17. September ereignete sich ein Wasserschaden in Müllers Aufnahmestudio („Pink Noise“), in dem die Band probte. Glücklicherweise mischte Müller gerade für die Band Necronomicon. Das Problem wurde direkt erkannt, die wertvollen Instrumente, Verstärker und Mikrofone gerettet. Doch lagen vier Monate Arbeit vor Müller – und die nächste Zwangspause vor Cold Germany.

2012 – es war nicht das Jahr der Aachener Rockband. 2013 soll nun alle besser werden. Der 26. Januar ist erst der Anfang. „Wir haben alle richtig Bock drauf. Ich muss beim Singen zwar immer noch ein bisschen aufpassen, aber es geht wieder ganz gut. Ich spiele auch wieder Fußball. Es gibt keine Bedenken mehr“, sagt Werner Koch.

Einlass zum Konzert, das gleichzeitig Album-Release-Party – ist um 20 Uhr. Und dann? „Wir wollen spielen, spielen, spielen“, sagen Sänger und Gitarrist. Natürlich ohne Zwischenfälle.

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