Kleine „Superstars” der Mundartkünste

Von: Thorsten Tränkner
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Sie halten „os Modderspoech” jung: die Teilnehmer des alljährlichen Mundart-Wettbewerbs, den der Verein Öcher Platt für Schülerinnen und Schüler ausrichtet. Foto: Kurt Bauer

Aachen. „Oche sucht den Superstar” - so könnte man neumodisch bezeichnen, was der Verein Öcher Platt alljährlich für Aachener Schüler auslobt. Gesucht sind preisverdächtige Kinder, die in „os Modderesproech” sprechen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.

Vorne sitzt die Jury, an den Mikrofonen ist traditionell alles erlaubt - außer Hochdeutsch. Die Preise gehen in die Klassenkasse, außerdem winkt der freie Eintritt beim „Schängchen”.

Dafür legen sich die Kinder der Kaiserstadt auch bei der 21. Auflage mächtig ins Zeug. Bei den Jüngsten stark vertreten ist die Domsingschule. Textsicher trägt der zehnjährige Tim ein Herbstgedicht vor, natürlich mit grippalem „Kribbeln in do naas”. Autor ist Hein Engelhard, Großmeister der Aachener Mundart. Der sitzt im Publikum und ist genauso stolz auf die vielen Einfälle der Kinder.

Weil selbst ein akzentfrei Platt parlierender Italiener wahrscheinlicher ist als ein unmusikalischer Auftritt der Domsingschüler, wird auch einheimisch gesungen: eine kleine Nachtmusik in Oche. Nichts Ungewöhnliches, denn in der Heimatsprache singen sie auch öfter im hohen Dom.

Auch andere Schulen haben mit der Hilfe heimatsprachlich engagierter Lehrer Darbietungen einstudiert, die das Öcher Hazz überlaufen lassen. Dazu zählen flammende musikalische Bekenntnisse in Hymnenform, vorgetragen von Kim, Sara, Florian und Malte aus der Förderschule Beginenstraße, dazu gehört ein umgetextetes Martinslied mit Chor, Flöte und szenischer Darstellungen von Schülern der Grundschule Vaalserquartier.

Die Sekundarschüler halten sich da lieber an Texte. Hier bestreiten die Schüler der Beginenstraße den Wettbewerb nahezu unter sich - kein Wunder, ist dies doch die Schule von Ex-Lehrer und Mundartdichter Herbert Oprei, der die Gedichte nicht nur verfasst, sondern auf die vortragenden Schüler zugeschnitten hat. Wer Fatima, „dat Mäddche us Ejipte”, fließend über ihren Heimatstolz sprechen hört, weiß was geglückte Integration à la Oche bedeutet. Damit holt sie Platz drei. Der erste Preis geht an Lea Prömpler, ebenfalls für ein Gedicht. Bei den Grundschülern siegt David Schafer mit einem witzigen Sketch, in dem „ne fiese Möpp” trickreich seinen Stuhl erobert.

Vielleicht der originellste Einfall, aber die Kriterien der Jury sind bewusst nicht auf Kreativität gerichtet. Was zählt, bringt Karl Allgaier, Vereinsvize und Jury-Chef, zum Ausdruck: „Aussprache und Sprachqualität.” Dabei gebe es deutliche Unterschiede. Das Echo auf den Wettbewerb bestärkt den Verein, auch in Zukunft Kinder für die Heimatsprache begeistern zu wollen. „Wir müssen weiterhin dringend für Nachwuchs sorgen, das ist unser wichtigstes Anliegen. Sonst geht die Sprache verloren.” Der Wettbewerb erweckt aber den Eindruck, die Zukunft sei gesichert.
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