Kleine Schritte machen Tierpark noch attraktiver

Von: Stephan Mohne
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Neue Attraktion: Das Spielgelände am Stauweiher inklusive sanierter Toiletten und Kiosk ist ein Anziehungspunkt. Mit Kosten von 120 000 Euro ist dies für den Tierpark eine Großinvestition. Foto: Stephan Mohne
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Da hat Tierparkchef Wolfram Graf-Rudolf gut lachen: Die eigene Werkstatt des Zoos ist jetzt fertig. Vieles wird in Eigenarbeit erledigt – was auch dem nicht gerade üppigen Finanzpolster geschuldet ist.

Aachen. Wolfram Graf-Rudolf blickt sich zufrieden um. Der Tierpark ist an diesem Donnerstag bestens besucht. „Ferien, das ist Zeit, in der wir unser Geld verdienen“, sagt der Chef des Euregio-Zoos an der Oberen Drimbornstraße. Die Kasse klingelt an diesem Tag fröhlich vor sich hin. Das muss auch so sein.

Der Tierpark, der im Jahr 2016 seinen 50. Geburtstag feiert, war finanziell nie auf Rosen gebettet. Jeder Euro zählt. Die Haupteinnahmequelle sind natürlich die Besucher. Bis zu 380.000 kommen pro Jahr. „Damit ist unsere Kapazitätsgrenze auch erreicht“, sagt Graf-Rudolf. 380.000 Besucher – das bedeutet, dass der Tierpark die publikumswirksamste Attraktion überhaupt in Aachen ist.

In barer Münze zahlt sich das zumindest nicht mit Blick auf die städtischen Zuschüsse aus. 46.000 Euro bekommt der Zoo im Jahr als Zuschuss von der Stadt. Angesichts seiner Bedeutung ist das ein Kleckerbetrag. Rund 30.000 Euro kommen über Patenschaften herein. Für kleinere Tiere geht das mit einem Beitrag von 25 Euro pro Jahr los. Die teuersten „Patenkinder“ sind die Geparden, für die man 1500 Euro im Jahr auf den Tisch legen muss. Und dann gibt es noch die Aachener, die einfach so spenden. Ebenfalls ein wichtiger Baustein, wie Graf-Rudolf hervorhebt. Beispiel: das tolle neue Spielgelände nahe dem Stauweiher, wo früher der Fischkutter „Lennet Kahn“ stand.

Das Gelände zieht die Besucherströme an. Doch auch das hatte seinen Preis: 120.000 Euro insgesamt – inklusive der Erneuerung der Toilettenanlage und der Eröffnung eines Kiosks an dieser Stelle. 60.000 Euro hat ein Aachener zu diesem Umbau beigesteuert. Genannt werden will der edle Spender nicht. Dafür haben die Kinder jetzt auch ein neues Spielschiff, auf dem sie toben und klettern können. Eines tut der Tierpark zur Finanzierung nicht: An der Eintrittspreisschraube drehen. Die Preise sind seit jeher sehr zivil. Da versuche man lieber, woanders zu sparen – etwa beim Energieverbrauch, so Graf-Rudolf.

Der Spielplatz ist eine große Maßnahme, die man sieht. Andere Projekte spielen sich hinter den Kulissen ab – und sind doch enorm wichtig für den Erhalt und den Ausbau der Infrastuktur, was dann wiederum den Besuchern, aber auch den Bewohnern des Tierparks zugute kommt. So sind im Mai die eigenen Werkstätten fertig geworden. „Wir versuchen, das meiste hier selber zu machen“, erklärt der Tierpark-Chef. Alles eine Sache des Geldes. Nebenan gibt es einen neuen „Futterhof“ inklusive Küchenbereich und Kühlkammer – auch das ist für die tägliche Arbeit ein großer Fortschritt.

„Ich bin ein Schnorrer“

Es gibt natürlich die Dinge, die man nicht selber machen kann. „Aber ich bin ein Schnorrer“, sagt Wolfram Graf-Rudolf lächelnd. So etwa in Sachen neue Volièren. Die alten Vogelhäuser werden bald abgerissen und durch moderne, bis zu neun Meter hohe Anlagen ersetzt. Es wird zum Beispiel eine deutlich größere begehbare Volière geben, in der alle Sittiche ihre Heimat finden. Einen Architekten hat der Tierpark-Chef gefunden, der das „für lau“ plant, einen Statiker obendrein. „Da muss man sich halt damit abfinden, dass das dann auch etwas länger dauern kann“, so Graf-Rudolf. In diesen Bereich kommen dann auch die Nasenbären, deren altes Gehege für die kleinen Pandas eine Aufwertung erfahren wird. Das wiederum finanziere der rührige Förderverein des Tierparks.

Es sind eben nicht nur die großen Projekte, die den Aachener Tierpark noch ein Stück attraktiver werden lassen. Klar, die Geparden, die sich an diesem Tag gemütlich in ihrem Gehege im Sommerwetter räkeln, sind bei Jung und Alt so etwas wie „Superstars“ unter den Tierparkbewohnern. Aber es gibt Ecken, die mit weit weniger Aufwand umgestaltet werden. So etwa der Bereich von Säbelschnäbler & Co. links vom Eingang. Sie dürften sich nun noch ein bisschen mehr zu Hause fühlen, denn dort ist eine kleine Nordseelandschaft entstanden – inklusive Original-Strandkorb und Holzkahn. Das alte Haus, in dem man Kindergeburtstage feierte, ist abgerissen und durch ein neues an anderer Stelle ersetzt worden. Dort wird nun der Spielplatz noch ein Stück erweitert.

Wolfram Graf-Rudolf und sein Team arbeiten sich Stückchen für Stückchen vor. Dabei ist der Tierpark-Chef stolz, keinen Investitionsstau vor sich her zu schieben. Das ist anderswo ganz anders, wobei er von einem Zoo spricht, der einen solchen Stau in Höhe von 17 Millionen Euro beklagt. Mit solchen Zahlen jongliert man in Aachen nicht. Was auch in Sachen Personalausstattung gilt. Insgesamt 30 Mitarbeiter gibt es im Aachener Tierpark, jedoch nur zwei auf der operativen Ebene – Graf-Rudolf und seine Stellvertreterin. „Ich würde gerne einiges mehr machen, aber das bekomme ich schon zeitlich gar nicht hin“, sagt der Leiter. Finanziell auch nicht. So beträgt der jährliche Werbeetat des Tierparks gerade einmal 5500 Euro. Auch damit kann man keine großen Sprünge machen – im Gegenteil: „Wir leben davon, dass die Menschen, die hier waren, gut von uns berichten und uns weiterempfehlen.“ Nimmt man das rege Publikumsinteresse an diesem Donnerstag zum Maßstab, tun dies wohl einige.

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