Aachen - Kleine Odyssee: Dom ohne Dolmetscher

Kleine Odyssee: Dom ohne Dolmetscher

Von: Matthias Hinrichs
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Rar gesät: Zwischen Schatzkam
Rar gesät: Zwischen Schatzkammer, Infozentrum und Dom sind Hinweise in anderen Sprachen meist allenfalls auf Wegweisern zu finden. Wer kein Deutsch kann, steht ziemlich allein da. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Meeting Point” liest der geneigte Besucher auf einem Aushang an der kleinen Rezeption im Eingang zur Domschatzkammer. Richtig: Das ist englisch und heißt soviel wie Treffpunkt. Ist allerdings nicht wirklich so gemeint - aber das erfährt, wer der Sprache von Karls Ahnen nicht mächtig ist, schon nicht mehr.

Weiter liest man nämlich - jetzt auf Deutsch: „Ab 15. Mai ist Treffpunkt für alle Domführungen die neue Dominformation und nicht mehr die Kasse der Domschatzkammer.” Wers weiß...

Pech haben hingegen Aachen-Gäste wie Louis Ansay und seine Gattin. Die beiden sind spontan aus Brüssel angereist, um den Weihnachtsmarkt zu erleben und - erstmals - auch die berühmte Kathedrale von Aix-la-Chapelle zu bewundern. „Leider haben wir kaum Informationen auf Französisch ausfindig gemacht”, kritisiert Monsieur Ansay prompt (und auf Englisch, das er durchaus gut beherrscht).

In der Tat: Wer das Weltkulturerbe Nummer eins auf eigene Faust zu erkunden gedenkt, dürfte selbige erst recht zuweilen in der Tasche machen. Violà: Im Foyer entdecken die Ansays immerhin einen Ständer mit „Wegweiser”-Broschüren auch auf Englisch, Französisch und Niederländisch, ziemlich versteckt in der linken hinteren Ecke allerdings - und mithin erst, als sie ihren Rundgang durch das Münster bereits beendet haben.

Ansonsten sind die Infos für fremdsprachige Touristen allemal rar gesät - im unmittelbaren Umfeld der Marienkirche ebenso wie nebenan in der Schatzkammer und in der neuen Dominformation. Das große Banner im Domhof, das - inklusive Spendenaufruf - auch auf Englisch und Französisch über aktuelle Sanierungsarbeiten berichtet, darf da als rühmliche Ausnahme gelten; auch wenn man eine niederländische Version vergeblich sucht.

Am Domportal werden die Aachen-Gäste aus aller Welt immerhin in vier Sprachen willkommen geheißen - auch internationale Hinweisschilder Richtung „Treasury/Tresor/Schatzkammer” und Infocenter fehlen nicht. Im Foyer entnimmt man einem schlichten, aber zentral postierten Aushang in Deutsch und Englisch, dass fürs Fotografieren ein Obolus von einem Euro zu entrichten ist. Gegebenenfalls, liest man - jetzt nur noch auf Deutsch -, möge man sich an die Domaufsicht wenden. Zwar entdeckt man auch einen Hinweis auf Englisch („Cathedral supervisor”) - allerdings nicht im Zusammenhang mit der Erlaubnis zum Bilder schießen.

So ließen sich zuweilen kurios anmutende Beispiele fürs sprachliche Sammelsurium reichlich hinzufügen - etwa beim Blick auf den Schaukasten neben dem Eingang zum Dom. „Führungen in englisch, französisch, niederländisch, spanisch, italienisch, ungarisch: auf Anfrage”, verkündet dort ein Aushang, aber nur - auf Deutsch. Das gilt für Einladungen zum regelmäßig stattfindenden „internationalen” Rosenkranzgebet freilich ebenso wie für andere Infos über aktuelle Konzerte im Münster.

Auch rund ums Infozentrum an der Johannes-Paul-II.-Straße fehlt es, siehe oben, allzu oft an mehrsprachigen Texten. So liest man gleich am Eingang zur Schatzkammer: Selbige sei „montags ab 13 Uhr geschlossen”, aber: „Domführungen finden statt.” In der Dominformation werden dafür Gutscheine gleich dreifach per Aushang angepriesen, aber nicht etwa in drei Sprachen...

Trostpflaster für Orientierunglose: Inzwischen liegt dort zumindest ein neuer Domführer in Gestalt einer illustrierten Broschüre - Kostenpunkt 4,50 Euro, verfügbar mit deutschen, englischen und französischen Texten - bereit. Und: Ziemlich unmissverständlich schreiben die Verantwortlichen sich auf die sprichwörtlichen Fahnen, dass das Problem erkannt sei, akut an umfassenden Verbesserungen gearbeitet werde.

„Wir wissen, dass wir in Sachen Kommunikation Nachholbedarf haben”, räumt Roland Wentzler, Sprecher des Domkapitels, auf Anfrage ein. „Wir werden das aber Schritt für Schritt in den Griff bekommen. Gerade erst haben wir einen neuen elektronischen Monitor in Betrieb genommen, der per ,Touchscreen zu bedienen ist.” Vorerst zwar - nur auf Deutsch, aber: „Wir sind dabei, das Angebot in andere Sprachen zu übersetzen.” Das gelte im Übrigen auch im Hinblick auf die bisweilen reichlich verwirrende Zettelwirtschaft in Schaukästen und an Schaltern. Wentzler: „Wir versprechen, dass wir uns dieser Baustelle jetzt intensiv widmen.”
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