Kleine Mensa schmeckt den Studierenden nicht

Von: Thorsten Karbach
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Stehimbiss: Mangels Sitzplätz
Stehimbiss: Mangels Sitzplätzen in der Mensa an der Eupener Straße haben die Studierenden ihre ganz eigenen Essenstechniken entwickelt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wenn hungrige Studenten vor der Mensa im Treppenhaus anstehen müssen, dann schmeckt ihnen das ganz und gar nicht. Doch genau dieses Bild zeichnet Anna Ludwig vom Fachschaftsrat Wirtschaftswissenschaften der Fachhochschule Aachen an der Eupener Straße.

„Es ist der ganz normale Alltagswahnsinn”, sagt sie. Und genau den versucht die Fachschaft am Montagmittag öffentlichkeitswirksam darzustellen - mit einem sogenannten Flashmob.

Darunter muss man eine recht spontan - meist über das Internet organisierte - Aktion verstehen. In einer geheimen Gruppe des sozialen Internetnetzwerks Facebook hatte die Fachschaft mehr als 600 Studierende aufgefordert, am Montagmittag zeitgleich um 11.30 Uhr die Mensa zu entern. Damit alle Welt - oder zumindest Fernsehkameras und Fotoapparate - die schlimmen Zustände festhalten könnten. Doch das Gegenteil wird letztlich erreicht.

Weil viele Studierende - gerade E-Techniker - mit einer hoffnungslos überlaufenen Mensa rechnen, aber unbedingt zu Mittag essen wollen, meiden sie diesen Raum. Was bleibt, ist eine vage Andeutung der von den Organisatoren beschriebenen Zustände. Auffällig ist dabei vor allem eine Art Mallorca-Verhalten im Speisesaal. Denn so wie Touristen mit Handtüchern Liegen am Pool reservieren, sichern sich die Akademiker mit Jacken und Taschen einen der 199 Sitzplätze im Haupt- beziehungsweise der 75 Plätze im Nebenraum („Kleine Mensa”).

Hungrige Wissensdurstige

Was aber auch bleibt, ist die Forderung der Studierenden der Fachbereiche Wirtschaft und E-Technik, die an der Eupener Straße unterrichtet werden und essen wollen - immerhin rund 2500. „Unsere Kritik richtet sich nicht gegen das Personal. Wir wollen auch nicht sofort ein neues Gebäude, aber wir wollen, dass erkannt wird, dass hier zu wenig Platz ist - damit man sich Gedanken um eine Lösung machen kann. Vielleicht können wir auch ein Zelt aufstellen, bis es eine andere Lösung gibt”, erklärt Tijl Moreau für den Fachschaftsrat.

Während münsterländische Kartoffelsuppe für 1,80 Euro, Hirtenkäse mit Blattspinat im Blätterteig für 2,10 Euro, Rindergulasch für 2,60 Euro und Schweinefilet mit Champignonsauce, Mischgemüse und Kartoffelbällchen für 3,90 Euro über die Theke gehen, muss Moreau („Man kann für diese Preise keine Sterneküche erwarten, aber eine gesunde Alternative wäre oftmals wünschenswert”) die erste Aktion dieser Art als „enttäuschend” bewerten. Es gibt sogar ein paar freie Plätze für die hungrigen Wissensdurstigen. „Das sieht hier sonst anders aus”, sagt er.

Das kann Ulrich Bendisch-Draffehn bestätigen. Er ist der Bereichsleiter des Mensa-Betreibers, dem Aachener Studentenwerk. Grundsätzlich sagt er aber, man habe „genügend Plätze”, verweist auf den benachbarten 75-Plätze-Raum. „Der macht den Braten aber auch nicht mehr fett”, kommentiert Anna Ludwig dessen Größe. Bendisch-Draffehn unterfüttert seine Einschätzung der Mensa-Situation mit Zahlen. Im Schnitt würden täglich 300 bis 400 Essen zwischen 11.30 und 14.15 Uhr (freitags 14 Uhr) ausgegeben - an schlechten Tagen sind es kaum mehr als 200, an Schnitzel-Pommes-Dienstagen auch mal 600.

Im Vergleich zum Vorjahr hätten sich die Zahlen aber kaum verändert. Damals lag das Problem der überfüllten Studentenküche noch nicht auf dem Tisch. „Natürlich freuen wir uns immer über größere Räume, aber wir sind nur die Mieter der FH. Wir sehen das Problem eher in durch die Stundenpläne bedingten neuen Spitzenzeiten, an denen sehr viele Studierende gleichzeitig in die Mensa strömen”, erklärt er.

Im Zuge der Umstellung der Studiengänge auf Bachelor-/Masterabschlüsse sind die Studierenden auf eine Art große Pause wie in der Schule angewiesen. „Darauf bereiten wir uns vor, mehr können wir aber nicht tun”, sagt Bendisch-Draffehn. „Auch für uns ist es schwer, wenn wir die Bedürfnisse unserer Kunden nicht erfüllen können”, erklärt Walter Meurer, Personalrat des Studentenwerks. Er kann durchaus verstehen, dass Studierende nicht Schlange stehen und dann aus Zeitnot das Essen runterschlingen wollen. „Die Kritik ist angebracht”, sagt er.

Mehr Raum müsste die Fachhochschule selbst schaffen. In Jülich wurde zuletzt ein Raum mit 100 weiteren Plätzen angebaut. Für die Eupener Straße gibt es keine Mensa-Pläne, dort soll erst einmal mehr Arbeitsraum geschaffen werden. „Wir müssen angesichts der Studierendenzahlen alle ein wenig zusammenrücken. Auch wenn das den Studierenden jetzt ad hoc nicht hilft”, erklärt Rektor Marcus Baumann. Die Stundenpläne seien schon größtenteils entzerrt worden. „Man sagte mir aber auch, dass es nicht anders ist als sonst.”

Das ist wiederum so gar nicht nach dem Geschmack der Studierenden. Genauso wenig wie der Flashmob. Moreau: „Das war dann wohl ein Flashflop.”
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