Aachen - Kleine Klemme, großer Ärger: Vorsicht vor „Gaunerzinken“

WirHier Freisteller

Kleine Klemme, großer Ärger: Vorsicht vor „Gaunerzinken“

Von: Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
11647254.jpg
Kleine Klemme, großer Ärger: Hermann Steffens hat schon mehrfach im Türrahmen Kunststoffklemmen entdeckt, die Einbrecher zum Ausspähen von Wohnungen einsetzen. Foto: Michael Jaspers
11647255.jpg
So sehen sie aus: Solche Plastikklemmen sorgen derzeit für Verunsicherung. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Nicht schon wieder“, dachte Hermann Steffens am vergangenen Sonntagabend, als er noch einmal schnell in seinem Büro vorbeischaute. Er entdeckte in dem Wohn- und Geschäftshaus in der Viehhofstraße in Burtscheid etwas Verdächtiges.

Dabei handelt es sich um etwas, was Fachleute unter dem Begriff „Gaunerzinken“ einordnen – nämlich eine geheime Markierung, die Einbrechern als Orientierungshilfe dient. In diesem Fall war es eine winzige durchsichtige Kunststoffklemme, die zwischen Tür und Türrahmen steckte. Der Sinn dahinter: Steckt eine solche Klemme nach ein paar Tagen immer noch an der gleichen Stelle, sind die Bewohner vermutlich verreist, und die Einbrecher können davon ausgehen, dass die Luft wohl rein ist.

Steffens fand an diesem Sonntagabend die kleinen Klemmen im gesamten Treppenhaus, an jeder Eingangstür – und alarmierte die Polizei. Die beiden Streifenbeamten allerdings hätten für die Sache nicht sonderlich viel Interesse gezeigt, erzählt der Immobilienmakler nun der AZ. Von dieser Masche sei in Aachen nichts bekannt, hätten sie gesagt, und überhaupt könne man eh erst etwas tun, wenn eingebrochen werde – womit Steffens sich gelinde gesagt „ziemlich veräppelt“ fühlte. Das liegt nicht nur daran, dass die Polizei ansonsten die Bürger immer wieder auffordert, beim kleinsten Verdacht anzurufen, sondern auch daran, dass der Mann die Polizei bereits vor gut zwei Jahren auf die dubiosen Plastikklemmen aufmerksam zu machen versucht hat.

Das hatte aber nicht geklappt, weil Steffens nach eigenem Bekunden nicht ernst genommen und von Hü nach Hot geschickt worden war – bis die AZ den Fall seinerzeit aufgriff, und die Polizei sich bei ihm entschuldigte. Die Kunde von den Klemmen, die den Ermittlern anderswo in Deutschland Medienberichten zufolge schon begegnet sind, schaffte es aber offenbar trotzdem nicht ins Aachener Präsidium. Es habe zwar durchaus Fälle gegeben, in denen Türen und Tore zum „Ausbaldowern“ etwa mit Papierschnipseln markiert worden seien, aber von diesen Plastikklemmen sei in der Region nichts bekannt, erklärt Polizeisprecher Paul Kemen am Dienstag auf AZ-Anfrage.

Dass Hermann Steffens darüber nur mit dem Kopf schütteln kann, versteht man, wenn man weiß, dass er vor zwei Jahren schon die Plastikteile in der Polizeiwache im Mariental vorbeibrachte, dort aber nach eigenem Bekunden wieder weggeschickt wurde. Und man versteht es erst recht, wenn man weiß, dass in sein Wohnhaus seitdem zwei Mal eingebrochen wurde.

Diesmal aber reagiert die Polizei anders. In einer Dienstbesprechung der Ermittler werde das Thema am Montag behandelt, so Kemen. Und generell gelte bei solchen Funden natürlich, sofort die Polizei zu verständigen. Steffens selber hat genau damit am Sonntag nicht so gute Erfahrungen gemacht. „An einem Wochenende mit 52 Einbrüchen“, sagt er, „sollte die Polizei sensibler reagieren.“

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert