Aachen - Kleine Grundschulen sind wichtiger Punkt

Kleine Grundschulen sind wichtiger Punkt

Von: Thorsten Karbach
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Aachens Schullandschaft scheint gut aufgestellt. Gute Voraussetzungen für die Kleinen aus Aachen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Um es direkt auf den Punkt zu bringen: Aachens Schullandschaft erscheint gut aufgestellt. Insbesondere bei den Grundschulen wird den Kindern und Eltern eine sogenannte wohnortnahe Versorgung geboten.

Sprich: Vaalserquartier, Gut Kullen, Verlautenheide, Eilendorf, Horbach, Laurensberg, Richterich, Walheim, Oberforstbach und Kornelimünster haben ihre Grundschule vor Ort. Und das ist in Nordrhein-Westfalen nicht mehr selbstverständlich, denn jede Grundschule muss Vorgaben erfüllen, um Kinder unterrichten zu können.

Dazu zählt vor allem, dass Grundschulen mindestens 18 Anmeldungen vorweisen müssen. Besser noch sollen sie sich dem Mittelwert von 24 Kindern pro Klasse annähern. Und idealerweise sollen sie zwei Züge vorweisen können. Das bedeutet: Sie sollen zwei Klassen im ersten Schuljahr bilden können, wofür es rund 40 Anmeldungen braucht.

So wichtig die Grundschulen gerade in den Wohnquartieren im Sinne des Grundsatzes „kurze Beine, kurze Wege“ sind, so schwierig ist es, diese Vorgaben zu erfüllen. So konnte die Grundschule Bildchen in der Siedlung Preuswald auf Anhieb nur 17 Anmeldungen vorweisen. Und doch ist sie unentbehrlich. Zumal die nächstgelegene Grundschule am Höfchensweg 3,8 Kilometer entfernt liegt und mit 68 Anmeldungen auch so bestens besucht wird. Die nächste Alternative, die Grundschule Hanbrucher Straße (56 Anmeldungen), liegt 4,6 Kilometer weit weg. Sechsjährigen ist das kaum zuzumuten.

In Horbach ist die Situation ähnlich. Hier wurden 15 Anmeldungen gezählt – also eigentlich zu wenig. Aber auch hier ist die Bedeutung der Schule für die Ortschaft im Norden nicht hoch genug einzuschätzen. Die nächsten Grundschulen liegen in Richterich (65 Anmeldungen) und Laurensberg (73 Anmeldungen) – also 2,6 beziehungsweise 4,5 Kilometer entfernt.

Denkbar ist in solchen Fällen laut NRW-Schulgesetz immer, dass die kleinen Grundschulen zu Dependancen von größeren werden. So ist die Grundschule Barbara-straße quasi eine Zweigstelle der Eilendorfer Grundschule Brühlstraße – und muss dennoch um ihren Fortbestand bangen. Dort wurden gerade einmal sieben Anmeldungen entgegengenommen. Dezernent Wolfgang Rombey äußerte unlängst einen „Anlass zur Sorge“.

Ohnehin gibt es berechtigte Zweifel im Land, ob die Grundschuldependancen eine gute Idee sind. Eltern zweifeln an dem Modell, bei dem beispielsweise die Schulleitung immer nur an einer Schule vor Ort sein kann. Die Forderung der Elternschaft ist klar: Sie wollen die Schule am Ort. Als eigenständige Schule.

Je älter die Kinder sind, umso mobiler werden sie. Entsprechend verteilen sich die weiterführenden Schulen nicht mehr gleichmäßig über das Stadtgebiet. Im Süden Burtscheids liegen beispielsweise gleich drei Gymnasien – Einhard, Rhein-Maas (RMG) und Pius – nur wenige Minuten Fußweg voneinander entfernt. Und alle erfreuen sich großer Beliebtheit: Am Einhard wurden 163 Kinder für das fünfte Schuljahr angemeldet, am RMG 91 und am Pius 142.

Ein wichtiger Punkt bei den weiterführenden Schulen ist das Angebot im Aachener Westen: Mit der auslaufenden Schließung der Sekundarschule (Hauptschule) Kronenberg bleibt für Vaalserquartier, Gut Kullen, Kronenberg und Hörn neben dem privaten Amos-Comenius-Gymnasium als westlichste Schule das Couven-Gymnasium (137 Anmeldungen) oder die Fahrt nach Norden zum Schulzentrum Laurensberg. Wobei die Busverbindung über die Vaalser Straße in die Innenstadt komfortabler ausfällt. Vergleichbar ist es im Nordosten. Die nächste weiterführende Schule für die Bereiche Soers, Haaren und Verlautenheide ist die Alkuin-Realschule. Und doch gab es dort nur 42 Anmeldungen. Im Vorjahr waren es noch 70.

Die nächsten Gymnasien sind das Geschwister Scholl (GSG) und St. Ursula, wobei letzteres nur Mädchen aufnimmt. Und auch hier zeigt sich, dass die Kinder bevorzugt den Weg in die Innenstadt nehmen. Mit 51 Anmeldungen am GSG und 63 an St. Ursula zählen diese beiden Schulen die wenigsten für das neue fünfte Schuljahr an Aachens Gymnasien. Dies zeigt, dass der Faktor Wohnortnähe bei den weiterführenden Schulen kaum noch Bedeutung hat. In Laurensberg wird die Lage der Heinrich-Heine-Gesamtschule (HHG) am Rand der Stadt sogar als Nachteil gewertet. Während die drei anderen Gesamtschulen 90 Schüler ablehnen müssen, wurden an der HHG bloß 75 angemeldet, so dass 33 an anderen Schulen abgelehnte noch aufgenommen werden können. Auch das ist ein Punkt, der bei der Gestaltung der Schullandschaft in den Fokus rückt.

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