Kleinbürger und Hippies: „Zusammen“ feiert Premiere

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Amüsante Rückschau: Regisseurin Elina Finkel setzt den Film „Zusammen“ auf der Theaterbühne in Szene. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Spießige Kleinbürger auf der einen Seite, ein vereinsamter Rentner auf der anderen und mittendrin eine chaotische Hippie-Kommune in feinster Ausprägung – als Film begeisterte die humorvolle Rückschau auf die 1975er Jahre in „Zusammen!“ von Lukas Moodysson im Jahr 2000 das Kino-Publikum.

14 Jahre später ist das chaotische, aber letztendlich doch irgendwie liebevolle Miteinander von Göran, Elisabeth, Birger und noch einigen anderen sympathischen Vorzeige-Charaktere bühnenreif. Am Samstag, 10. Mai, feiert die Inszenierung unter der Regie von Elina Finkel um 19.30 Uhr Premiere auf der Bühne im Theater Aachen.

Görans Schwester Elisabeth verlässt Hals über Kopf mit ihren beiden Kindern Eva und Stefan ihren Mann Rolf. Er hat sie geschlagen und trinkt zu viel. Die drei, die bisher im Arbeitermilieu zuhause waren, schlüpfen in Görans Wohngemeinschaft unter, die all den zugespitzten Charakteren der Zeit ein Dach über dem Kopf geben: Der Emanze, die aus politischen Gründen gerade lesbisch geworden ist; dem Linksrevolutionären, der allnächtlich Flugblätter tippt; dem Schwulen, der sich sehr gut mit allen Frauen versteht; den Ökos, die die bessere Welt im Umweltschutz suchen; und dem „Jemand“, der irgendwie in der WG hängen geblieben ist.

Je nach Geburtsjahrgang kann „Zusammen!“ amüsante Rückschau oder auch prähistorisches Abenteuer werden, obwohl es gerade 40 Jahre her ist. Aber: „Emanzipation, Umweltbewusstsein, gleichgeschlechtliche Liebe – vieles, was uns heute selbstverständlich erscheint, war damals noch nicht Konsens“, sagte Regisseurin Finkel. „Es lohnt sich also, für etwas zu kämpfen.“

Sie freut sich, mit dem Stück die große Bühne des Hauses zu füllen: „In ‚Zusammen!‘ spielen ja mehrere Welten eine Rolle, die wir so wunderbar gegeneinander setzen können.“

Eine weitere Dimension erhält das Stück durch die vier Kinder Eva, Stefan, Tet und Frederik, die die Erwachsenen mit ihren eigenen Augen betrachten. Die zwei Mädchen und sechs Jungen zwischen acht und 17 Jahren, die die Rollen nach intensivem Casting und Workshops bekommen haben, tragen einen wesentlichen Teil der Geschichte. „Sie haben viel Text und einen großen Anteil am Geschehen“, beschreibt Dramaturgin Ulla Theißen. Dass die jungen Ensemblemitglieder den Umgang mit einem Wählscheibentelefon erst lernen mussten, zeigt wie weit weg dieser Generation die Zeit der Kommunen und Blumenkinder zu sein scheint.

Und doch sieht Finkel in „Zusammen!“ eine Botschaft, die alle Generationen verstehen: „Mit den Worten Birgers: Besser zusammen Haferschleim essen als allein Schweinekotelett.“ Denn am Ende raufen sich alle irgendwie zusammen, weil sie Veränderung zulassen.

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