Klaus Pavel: Nur die Zukunft macht dem Weltbürger Sorge

Von: Manfred Kutsch
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Freigeist und Weltbürger: Klaus Pavel feiert am Sonntag seinen 80. Geburtstag. Unter seiner Verantwortung erhielt der ALRV den Zuschlag, 2006 die Weltmeisterschaften in der Soers auszurichten. Dieses Foto zeigt Pavel in Siegerpose nach der Bekanntgabe der Entscheidung im spanischen Jerez. Foto: Michael Jaspers/Franz SteindL,
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Freigeist und Weltbürger: Klaus Pavel feiert am Sonntag seinen 80. Geburtstag. Unter seiner Verantwortung erhielt der ALRV den Zuschlag, 2006 die Weltmeisterschaften in der Soers auszurichten. Foto: Michael Jaspers/Franz SteindL,

Aachen. Ein verblüffendes Patent hat er gerade entwickelt. Einen kleinen, unter zehn Kilo leichten Elektroroller, den man mit einer Hand problemlos zusammenklappen und im Kofferraum eines Autos deponieren kann.

„Es wird nicht mehr lange dauern, bis wir unsere Pkw nur noch an den Rändern der Städte abstellen können. Von da aus muss es ja irgendwie weiter gehen“, erläutert der weitsichtige „Daniel Düsentrieb“ der Aachener Industrie, Klaus Pavel. Eine bemerkenswerte Idee, die der Senior-Chef von Rheinnadel „gemeinsam mit der RWTH vermarkten will“.

Mindestens genauso bemerkenswert ist, dass der smarte Erfinder am Sonntag seinen 80. Geburtstag rundet, was der Ehrenpräsident des Aachen-Laurensberger-Rennvereins (ALRV) in zwei Wochen auf „seinem“ CHIO Aachen feiern wird. Als Präsident von 1992 bis 2010 formte Klaus Pavel das Reitturnier zu einem globalen Weltfest des Pferdesports mit fünf Disziplinen und etlichen Quantensprüngen: Unter seiner Verantwortung erhielt die Soers den Zuschlag für das Mega-Event WM 2006, verdoppelten sich Budget und Zuschauerzahlen, entstanden unter anderem das Deutsche Bank Dressurstadion und die Reitertribüne.

Klaus Pavel, ein Freigeist und sechssprachiger Weltbürger, der immer unabhängig blieb. Und an jedem Tag, den Gott geschaffen hat, rote Socken trägt. Ein ganz eigener Mann, mindestens so rau wie herzlich, aber authentisch und immer noch energiegeladen. Was ihm die Zahl 80 sagt? „Die ist für mich nur Anlass, meine Familie und meine Freunde ins Zentrum zu rücken, ihnen habe ich alles zu verdanken. Sie haben mir zur Seite gestanden und mein großes Glück, das ich empfinde, möglich gemacht“, sagt der brasilianische Honorarkonsul – und würdigt als erstes seine Frau Gudrun: „Sie war es, die mir beigebracht hat, geradeaus durchs Leben zu gehen, wenn man auch wahrnimmt, was links und rechts passiert.“ Sie habe aus ihm in den letzten 50 Jahren „einen anderen Menschen gemacht“. Pavel grinsend: „Ich war ein Egoist.“

Längst geht er ganz und gar in der Entwicklung der Fundacao Pavel im verarmten Nordosten Brasiliens auf. Im abgelegenen Provinzort Barao de Gracau erreichen 30 Projekte von Kindergärten über medizinische Versorgung bis zur Unterstützung der Bauern rund 2000 Menschen, darunter vor allem Kinder. Inzwischen engagieren sich auch die „Sternsinger“.

Von den drei Söhnen Andreas, Benjamin und Christopher stieg Letztgenannter als Nachfolger des Vaters in die Traditionsfirma am Reichsweg ein. 200 Mitarbeiter sind in Aachen und drei weiteren Niederlassungen in Deutschland tätig, bei 50 Millionen Euro Umsatz. Hinzu kommen noch drei produzierende Auslandsgesellschaften mit weiteren hundert Mitarbeitern.

Doch bei aller Freude über den persönlichen Übergang zur nächsten Generation wird Pavel grundsätzlich mit Blick in die Zukunft nachdenklich. „Was auf die Jugend an Problemen zukommt, hat es in dieser massiven Form noch nicht auf der Welt gegeben“, bangt er. „Energie- und Wasserknappheit, Klimawandel, Völkerwanderungen, Kriege und Terrorismus. Das alles gleichzeitig…...“, unterbricht sich Pavel selber. Leise fährt er fort: „Wir müssen mit den jungen Menschen im Gespräch darüber bleiben. Und zwar so, dass sie nicht den Mut verlieren.“

Gedanken eines 80-Jährigen, die nicht global bleiben, sondern auch vor die eigene Haustür nach Deutschland führen. Dort treiben den kantigen Grandseigneur ganz andere Sorgen um: „Wir drohen, den sozialen Zusammenhalt zu verlieren. Wenn die kleinste Einheit sozialer Struktur, die Familie, zunehmend wegbricht, weiß ich nicht, wie sich unsere Gesellschaft weiter entwickelt“, warnt er. „Fürsorge füreinander“ tauche im Alltag kaum noch auf. „Jeder denkt nur noch an sich selbst“, spitzt Pavel zu.

Und knöpft sich gleichzeitig das Unternehmertum in der globalisierten Welt vor. „Es trägt Verantwortung, ja eine moralische Verpflichtung, die von vielen Entscheidern kaum noch wahrgenommen wird. Allein die Rendite ist heute das Nonplusultra“, sagt der Betriebs-Patriarch, der anders tickt: „Zuerst sollten die Mitarbeiter kommen, die Familien, die sie ernähren. Danach der Gewinn. Und wenn der höher ausfällt, werden alle daran beteiligt. Nur so funktioniert es.“

Sein Patent mit dem zusammenklappbaren Elektroroller light hat Klaus Pavel übrigens ordnungsgemäß angemeldet. Betont er ausdrücklich. Am Ende des langen Gespräches nimmt man einen nachhaltigen Verdacht mit: Dass nämlich mit seiner Geburt in Berlin nicht nur ein Baby, sondern ein leibhaftiges Patent zur Welt kam. Und zwar angemeldet. Herzlichen Glückwunsch!

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