Klassische Musik aus der neuen Welt

Von: Gerhard W. Kluth
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Amerikanisches Programm in der Aula des RWTH-Hauptgebäudes: Das Aachener Studentenorchester präsentierte unter dem Dirigat von Reiner Schuhenn Werke von Aaron Coplands, George Gershwin und Antonin und Dvořák. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Das war schon ein beeindruckender Anblick, als das Aachener Studentenorchester (aso) die Bühne der Aula I in der RWTH besetzte. Manches Profiorchester würde bei dieser Größenordnung feuchte Augen bekommen.

Ein sattes Streicherensemble mit am Ende acht Kontrabässen nahm seine Plätze ein. Zum Vergleich: das städtische Sinfonieorchester hat vier Bassisten. Und man könnte noch mehr aufbieten, wie Dirigent Professor Reiner Schuhenn sagt. Nun ist aber die Quantität nicht gleich auch ein Zeichen für Qualität. Dass das aso aber auch auf diesem Gebiet viel zu bieten hat, belegte es bei seinem Konzert zum Wintersemester in der RWTH.

Ein rein amerikanisches Programm hatte Schuhenn zusammengestellt – als Kontrapunkt zur letzten Veranstaltung, als ausschließlich russische Werke auf dem Spielplan standen. Angefangen von Aaron Coplands „Fanfare for the Common Man“ über George Gershwins „Rhapsody in Blue“ bis hin zur neunten Sinfonie von Antonin Dvoák, auch bekannt als die „Sinfonie aus der Neuen Welt“. Für Coplands Fanfare waren zunächst nur die Blechbläser und Schlagzeuger notwendig. Es ging schon unter die Haut, dieses Werk zu hören. Insbesondere, wenn man die Musik aus den amerikanischen Filmen kennt, die dazu vorzugsweise Bilder vom endlos großen Soldatenfriedhof Arlington zeigen. So bekam, 100, beziehungsweise 75 Jahre nach dem Beginn der beiden großen Weltkriege, diese Interpretation eine ganz eigene Bedeutung, auch wenn im Programmblatt darauf kein Bezug genommen wurde.

Beschwingt, jazzig und energiegeladen ging es mit Gershwins Rhapsody weiter, für die Schuhenn die Pianistin Susanna Kadzhoyan als Solistin verpflichtet hatte. Ihr Spiel zeichnete sich durch zwei Merkmale besonders aus. Einmal die Souveränität, mit der sie ihren Part bewältigte, zum anderen die deutlich sichtbare Freude darüber, mit den jungen Musikern des aso zu agieren. Ebenso wie beim zweiten Satz aus der Symphonie Romantique des nahezu unbekannten Louis Moreau Gottschalk, der als Abschluss des ersten Teils auf dem Programm stand. Auch hier überzeugte die Spielfreude des Orchesters und die Musik, überschrieben mit „La Nuit des Tropiques“ war genau das Richtige für einen nasskalten Januarabend.

Das Kernstück des Abends, Dvoáks berühmte Sinfonie schloss nahtlos an die Qualitäten des ersten Teils an. Das aso folgte dem klaren Dirigat Schuhenns mit großer Präzision. Natürlich, das soll nicht verschwiegen werden, es gab auch Schwachstellen. Mancher Kiekser bei den Bläsern war zu vernehmen und die Intonation bei den Streichern war auch nicht überall perfekt. Wichtiger aber war das Engagement und die Spielfreude, mit der dieses Laienorchester der Musik zum Leben verhalf.

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