Klarinettist Giora Feidman begeistert mit seiner Band

Von: eon
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Klarinettist Giora Feidman begeistert mit seiner Band und verbindet gekonnt Jazz-Musik und Klezmer.

Aachen. Giora Feidman ist ein Mann, der ohne Zweifel begeistern, in den Bann ziehen und mitreißen kann. Es ist nicht nur seine Musik, die die Menschen in ihren Bann zieht. Feidman selbst ist auf der Bühne präsent, er versteht seine Musik wirklich als Universalsprache, richtet Worte an das Publikum und wirkt dabei wie ein freundlicher älterer Herr von nebenan.

Feidman verbindet Menschen ebenso wie Jazz-Musik und Klezmer. Diese Kombination ist ein Ohrenschmaus, nicht nur für Jazzfreunde. So verwundert es kaum, dass die Kirche St. Jakob bei seinem Konzert bis zum letzten Platz gefüllt ist.

Im Rücken der Zuschauer beginnt Feidman solo das Konzert. Erst als er den Mittelgang durchquert und vorne am Altar steht, stimmen Stephan Braun (Jazzcello), Reentko Dirks (Gitarre) und Guido Jäger (Kontrabass) mit ein. Als „The Giora Feidman Jazz-Experience“ treten die Musiker auch in Aachen auf.

Als Klezmer bezeichnet man die Musik osteuropäischer Juden, insbesondere deren folkloristische Lieder. Manche Melodien kommen dem Zuhörer bekannt vor, etwa „Donna Donna“ von Shalom Secunda. Feidman versteht es dabei meisterhaft, das Publikum Teil der Musik werden zu lassen: Ein Großteil singt schon nach den ersten Takten mit.

Auch als Brückenbauer zwischen den Kulturen versteht sich Giora Feidman. Der 1936 in Buenos Aires geborene Musiker hat einen langen Weg hinter sich. Seinen ersten Klarinettenunterricht bekommt er beim Vater, bereits mit 19 Jahren beginnt er seine Karriere im Opernhaus Teatro Colon. 1957 reist er in den jungen Staat Israel und wird dort Mitglied im Israel Philharmonic Orchestra, in dem er bis zu einer Augenkrankheit 18 Jahre lang musiziert. Zur gleichen Zeit beginnt er, Klezmermusik zu spielen, 1960 gibt er mit einem Trio erstmals ein Klezmer-Konzert. Der Musik bleibt er bis in die Gegenwart treu. In Deutschland wird er erst 1984 bekannt, als er bei der Inszenierung des Musicals „Ghetto“ dabei war. Steven Spielberg griff auf ihn zurück, als er für die Filmmusik zu „Schindlers Liste“ Musiker suchte.

Im Aachener Konzert ist seine Vorstellung einer harmonischen Verbindung zwischen Völkern und Nationen deutlich in einer Zusammenstellung greifbar, die er „Three anthems“ nennt. Die Nationalhymnen Deutschlands, Israels und Palästina vermischen sich zu einem harmonischen Wohlklang, und mit Recht stellt Feidman die Frage: „Warum kann es nicht in der ganzen Welt so sein wie in diesem Moment in der Kirche St. Jakob?“ Dazu passt auch die folgende Improvisation zu Sam Cooks „Wonderful World“. Nach der Pause ging es weiter mit drei neuen Stücken von Guido Jäger, Reentko Dirks und Stephan Braun.

„Musik beginnt nicht mit dem ersten Ton, sondern mit der Stille davor. Und endet nicht mit dem letzten Ton, sondern mit der Stille danach“, sagte Feidman einmal. Und auch in St. Jakob wird deutlich, dass die Musik auch ohne Ton noch nachhallen kann und man sich selbst am Schluss des Konzertes die Frage stellt: „Warum kann die Welt nicht den Frieden erleben, wie es die Zuhörer und die Musiker in der Kirche taten?“

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