Klare Signale für heimischen Buchhandel

Von: red
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Spaß an Büchern: Mit Reiner Priggen (l.) diskutierten Martin Schwoll, Kathrin Spaleck und Barbara Hoppe-Vennen (sitzend v.l.) sowie Walter Vennen und Volkmar Thülen (stehend v.l.). Foto: Heike Lachmann

Aachen. „Mein Buchhändler kann viel mehr als Amazon.“ Mit dieser optimistisch-positiven Parole wollen die Grünen in NRW „ein klares Signal für den heimischen Buchhandel“ setzen. Der Aachener Abgeordnete Reiner Priggen, Fraktionsvorsitzender der Grünen im NRW-Landtag, sprach mit Aachener Buchhändlern.

Eine ganze Branche wird durchgeschüttelt. Wird es in Zukunft noch Buchhandlungen geben? Noch gelernte Buchhändler? Wie kommt das Buch zum Menschen? Internet und E-Book-Verkauf sind schnell. Sie machen dem traditionellen Buchhandel wachsende Konkurrenz. Mit welchen Strategien kann er sich behaupten und was können die Leserinnen und Leser selbst tun, um die Buchläden vor Ort zu unterstützen?

Um Antworten auf solche Fragen zu finden, schwärmen in diesen Tagen alle 29 grünen Landtagsabgeordneten im Vorfeld des bundesweiten Vorlesetags am 21. November in ihre heimischen Buchhandlungen aus.

Der Einladung von Reiner Priggen, dem Initiator der landesweiten Grünen-Aktion, waren in Aachen fünf Buchhändler gefolgt: Volkmar Thülen (Buchladen Pontstraße 39), Martin Schwoll (Backhaus), Kathrin Spaleck (Jacobi’s Nachfolger) sowie Barbara Hoppe-Vennen und Walter Vennen (Schmetz am Dom).

Priggen machte Mut: „Wir wollen auf die hervorragenden Angebote des Buchhandels aufmerksam machen. Der inhabergeführte Buchhandel kann alles, was Amazon kann, und er kann es besser. Er leistet darüber hinaus einen wichtigen Beitrag für eine lebenswerte Stadt, für die Kultur und für die Zivilgesellschaft.“

In Nordrhein-Westfalen sei bei einem Rückgang von nur drei Prozent der Zahl der Buchhandlungen seit dem Jahr 2000 noch „von einer insgesamt nach wie vor stabilen Lage für den Buchhandel vor Ort“ zu sprechen, während es bundesweit seitdem im Ganzen rund 30 Prozent weniger Buchhandlungen gebe.

Sieht die Lage für den Buchhandel in NRW im bundesweiten Vergleich stabil aus, so scheint Aachen sogar eine „Sondersituation“ zu genießen. Das meinte jedenfalls Walter Vennen. Aachen sei noch „eine wunderbare Spielwiese“, was er unter anderem auf die vier Hochschulen in der Stadt zurückführt.

Viele müssen „härter rackern“

Der Wert des Buches und des Lesens werde in vielen Familien noch gesehen. Kollegen in Städten wie Mönchengladbach ohne diese breite Hochschullandschaft müssten dagegen viel härter „rackern“.

Pessimismus wegen Internet und E-Book-Verkauf, so Vennen, sei unbegründet. Wenn Kinder einmal „Spaß am Lesen“ gefunden hätten, würden sie trotz Internet und E-Book „mit 20 oder 24 wieder zum traditionellen Buchhandel zurückfinden“. Überdies sehe sich der Buchhändler heute als „Medienhändler“, er biete die ganze mediale Palette vom Buch über Filme und Musik bis hin zum E-Book an. „Und wir sind dabei schneller als Amazon“, sagte Vennen.

„E-Books sind für uns kein rotes Tuch“, versicherte auch Martin Schwoll. Auch der traditionelle Buchhandel führe sie im Sortiment. Und er bediene sich auch des Internets. „Es muss einfach bekannter werden, was wir können“, meint Kathrin Spaleck. Auch der Aachener Buchhandel macht mit bei „Buy local“ (etwa: Kaufe vor Ort), einer bundesweiten Qualitätsoffensive von inhabergeführten Fachgeschäften und des Handwerks. Sie setzt sich für regionales Einkaufen ein – auch im Internet.

Martin Schwoll rühmte die Buchläden als „Orte gesellschaftlichen Erlebens“, an denen der Buchhändler Bücher und Leser zusammenbringe, den gesellschaftlichen Austausch fördere. Werde immer mehr im Internet gekauft, müssten sich die Konsumenten die gesellschaftlichen Probleme vor Augen führen, wenn es keine Geschäfte vor Ort mehr gebe und die Innenstädte verödeten. Barbara Hoppe-Vennen ist überzeugt, dass es auch in Zukunft immer noch „wenige kleine Buchhandlungen mit einem gewissen Niveau“ geben werde.

Sieben Adressen in der City

Zumindest im Gespräch mit Reiner Priggen zur lokalen Situation war vom bundesweiten Pessimismus im Buchhandel mit all den negativen Tendenzen nicht allzu viel zu spüren. In der Innenstadt gibt es noch sieben Buchhandlungen inklusive der Mayerschen, in der Gesamtstadt sind es zwölf. Die seit mehr als 50 Jahren bestehende Buchhandlung Meurer in der Bahnhofstraße schließt Ende Januar 2015 – „aus Altersgründen“, wie Chef Werner Meurer sagt, der im Januar 65 Jahre alt wird.

Das Schreckensszenario konnte sich der grüne Fraktionschef nur ausmalen: „Stell dir die Stadt ohne Buchläden vor, sie wäre doch deutlich ärmer als heute.“ Es gehe darum, „lebenswerte Innenstädte mit ihrer kulturellen Dimension“ zu erhalten. Mit Blick auf den Online-Handel per schnellem Mausklick mahnte er: „Das ist gar nicht hipp, sondern hat eine brutale Seite: Am Ende steht eine verarmte Kulturlandschaft.“

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