Klamme Alemannia bringt Politiker in die Klemme

Von: Stephan Mohne
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Ein herrliches Stadion, aber drumherum hakt es gewaltig: Der Alemannia fehlen für dringend benötigte Infrastruktur wie Jugendtrainingsplätze, Amateurstadion und Verwaltungsbau bis zu neun Millionen Euro. Deswegen hat der Verein die Stadt um Hilfe gebeten. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Insbesondere der Vortrag von Erik Meijer beeindruckte dem Vernehmen nach. Der neue Sportdirektor der Alemannia legte im Rathaus dar, dass stärker als bisher junge Talente aus dem Umland an den Fußball-Zweitligisten gebunden werden sollen. Was sich allerdings schwierig gestaltet, wenn ein Profiklub nicht einmal eigene Jugendtrainingsplätze am Vereinsgelände hat.

So wie die Alemannia. Der Bau dieser Plätze - zwei davon auf dem Parkhaus am neuen Tivoli - scheiterte bislang am Geld. Dasselbe gilt für die neue Spielstätte der 2. Mannschaft. Und auch für den Bau eines Verwaltungsgebäudes. Offenbar hat die Alemannia derzeit keine Chance, die nötigen Finanzen dafür aufzutreiben.

Denn selbst im laufenden Etat sieht es mau aus. Zum Beispiel bei den Fernsehgeldern liegt Alemannia unter den Planungen. Unter diesen Voraussetzungen ging es am Donnerstagabend in ein Spitzengespräch. Mit dabei waren Verantwortliche der Alemannia wie Geschäftsführer Frithjof Kraemer und Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Linden, OB Marcel Philipp, Kämmerin Annekathrin Grehling sowie Vertreter der Fraktionen außer der Linken.

Keine Entscheidungen

In letzter Konsequenz ging es bei dem als streng vertraulich deklarierten Gipfeltreffen um die Fragen: Will und kann die Stadt der Alemannia unter die Arme greifen? Und wenn ja, wie? Nach AZ-Informationen geht es unter dem Strich um bis zu neun Millionen Euro.

Auch der Zeitfaktor spielt eine Rolle. Zum Beispiel beim „Werner-Fuchs-Stadion” für die „Zweite”. Ende 2010 will die Stadt den alten Tivoli, auf dem der NRW-Ligist derzeit kickt, zu Geld machen. Im Gespräch sind mehrere Hilfsmodelle. So soll geprüft werden, ob die Jugendtrainingsplätze über städtische Stiftungen finanziert werden könnten. Geprüft werden soll auch, ob Hilfsgelder direkt im städtischen Etat verankert werden können.

Entscheidungen gab es naturgemäß keine. Die entsprechenden Prüfungen werden jetzt von der Kämmerin übernommen. Die Politiker müssen ihre Fraktionen - die zum Teil noch nicht einmal von dem „Geheimtreff” im Rathaus wussten - informieren.

Entsprechend zurückhaltend zeigten sich die Fraktionsspitzen am Freitag auf Anfrage. Zu Details wollte sich niemand äußern. Der einzige, der offen zumindest seine persönliche Meinung sagte, war SPD-Fraktionschef Heiner Höfken: „Für meine Person kann ich sagen, dass ich zu einer Unterstützung der Alemannia bereit bin, wenn sie Hilfe braucht. Die Alemannia ist eines der wichtigsten Aushängeschilder, die unsere Stadt hat.” Wobei man erst sehen müsse, welche Möglichkeiten sich überhaupt bieten. Höfken will seine Fraktion Anfang der Woche informieren.

Grünen-Fraktionssprecher Michael Rau will vorerst keine Wertung abgeben, sondern am Montag in „Teilgremien” darüber sprechen. Womit er auch den Koalitionsausschuss von Grünen und CDU gemeint haben dürfte. CDU-Fraktionsvorsitzender Harald Baal blieb gestern ebenfalls allgemein und sagte, im Fall der Fälle müsse man über „Leistung und Gegenleistung” reden. Auch für den erklärten Alemannia-Fan Wilhelm Helg wird es keine leichte Aufgabe, seiner FDP-Fraktion die Problemlage näherzubringen.

Die klamme Alemannia bringt Politik und Stadt in eine Klemme. Hilfswille scheint vorhanden, aber auch die Stadt blickt 2010 in ein 60-Millionen-Loch. „So etwas muss man ja auch der Öffentlichkeit erklären”, sagt ein Politiker hinter vorgehaltener Hand. Ein anderer bemerkt zu besagter Zwickmühle: „Was ist denn die Alternative? Was passiert denn, wenn wir nicht helfen?” Eine Antwort darauf gab es gestern nicht. Auch nicht bei Alemannia-Geschäftsführer Kraemer, der nur sagte: „Das Gespräch hat in guter Atmosphäre stattgefunden.” OB Philipp ließ eine Anfrage - für ihn untypisch - unbeantwortet.

Nur eine Möglichkeit der Hilfe scheint derzeit ausgeschlossen: der Kauf des Stadions durch die Stadt wie schon einmal nach dem Abstieg Anfang der 1970er Jahre.
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