Klamauk und Satire: Beim Kappesball wird allerhand angerichtet

Von: Katahrina Menne
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Immer eine lohnenswerte Baustelle: Politische Satire gehörte beim Kappesball natürlich mal wieder zum guten Ton für manche bärenstarke Showeinlage. Foto: Andreas Steindl
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Schlagkräftig: Das Duo Diagonal, alias Deana Kozsey und Holger Ehrich, sorgte für Lachsalven.

Aachen. Wenn aus „Wir schaffen das“ ein „Arsch-Affen-Wids“ wird, dann ist eins klar: Es ist wieder Kappesball-Zeit. Im dritten Jahr bereits begeistert das 14-köpfige Team sein Publikum mit „Kleinkunst und Comedy, gepaart mit Musik und gehobenem Nonsens“.

Die Bühne im Saalbau Rothe Erde wird geschmückt von einem riesigen Kohlkopf, der Schlagzeuger der Band wird im Einkaufswagen auf die Bühne geschoben, und die Künstler nehmen kein Blatt vor den Mund. Dass es hier weder Tanzmariechen – ist schwanger – noch einen Elferrat – abgewählt – gibt, verwundert nicht lange, denn die würden gnadenlos untergehen.

So manches, was da zum Besten gegeben wird, muss man sich auch erst einmal trauen. Niemand wird verschont: die Bundeskanzlerin nicht, unsere ostbelgischen Nachbarn nicht, die Flüchtlinge nicht und natürlich schon gar nicht die Pegida-Anhänger. „Unsere Kultur ist bunt, reine Rassen gibt’s nur beim Hund“ wird da gerappt oder auch „Sie essen keine Ferkel, aber lieben die Merkel“.

„Natürlich gibt es auch Nummern, die polarisieren“, gibt Meikel Freialdenhoven zu. Er ist gewissermaßen der Kopf der Truppe und zuständig für Planung und Organisation. „Aber es soll ja auch ein bisschen böse sein, solange es lustig bleibt.“ Auf der Bühne steht er als politkritischer Bauarbeiter, als grammatikliebender obdachloser Westernsänger, der mit dem „Denn-Lied“ erklärt, wann man denn das „denn“ gebraucht, und als „Diplom-Fritteuse“ Jean-Marie, der gegen fettreduzierte Mayonnaise demonstriert.

Bei der Fritten-Nummer steht ihm Michael Dannhauer zur Seite, der sich mit schönstem ostbelgischen Akzent wirklich herrlich darüber „am auf am regen ist“, dass Frittenbuden nun härter besteuert werden und das belgische „Reinheitsgebot für Mayonnaise“ angegriffen wird.

Zusammen mit Thorsten Neumann ist Dannhauer „Hoppla – Das Duo“. Als Mitarbeiter der Stadtverwaltung fragen die zwei sich, was die Stadt eigentlich für eine „strahlende Zukunft“ tue, und präsentieren dem Publikum den Evakuierungsplan für den Fall eines Super-GAUs. Zuerst müsse evakuiert werden, was die Aachener Kultur erhalte – also die Pferde und die Preisträger des Thouet-Mundartpreises. Danach gebe es nur noch das Motto „Rette sich, wer kann“. Ein weiterer Höhepunkt sind die Erklärungen der beiden, warum alle Ortsnamen rund um Aachen auf Kaiser Karl zurückgehen. So habe zum Beispiel Karls Knappe beim Ritt durch Alsdorf gefragt: „Als Stadt geht es nicht durch, aber als Dorf?“

Gefeiert wird auch die Bühnenshow des „Duo Diagonal“. Deana Kozsey und Holger Ehrich bieten als „Chantal“ und „Roger“ Tanzparodien vom Feinsten. Und dann möchte Roger noch wieder gut machen, was in der Silvesternacht in Köln passiert ist. Ausgestattet mit Helm und Schonern an allen sensiblen Körperstellen fordert er die Damen im Saal auf, das mit ihm zu machen, was sie immer schon einmal mit einem Mann machen wollten. Da kippt ihm eine Zuschauerin tatsächlich ein Glas Bier in den Nacken. Der Saal gröhlt . . .

Sängerin Liza Kos zeigt einmal mehr ihre Wandlungsfähigkeit. Sowohl als türkische Migrantin Aynur („nicht Kopftuch, sondern String-Tanga ist Unterdrückung“) als auch als Swetlana Kalaschnikowa überzeugt sie mit formvollendetem Akzent und herrlich bösen Gags. Kurt Radermacher macht neben seinen Rollen als I-Dötzchen Paul und als betrunkener Karnevalist durch zahlreiche Texthänger von sich reden, die er aber charmant überspielt.

Allerdings gibt es auch ein paar eher fragwürdige Nummern. So können weder Ordnungsamtmitarbeiter Hase alias Necip Tokuglu noch der Pegida-Pressesprecher alias Andy Zingsem das Publikum vom Hocker reißen. Und so hält Freialdenhoven am Ende fest: „Das ist moderner Karneval. Wir möchten unterhalten und eine gute Mischung aus Klamauk und politischem Kabarett auf die Bühne bringen. Ich denke, das ist uns gut gelungen.“

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