Klärschlammablagerung im Aachener Wald: „Keine Gefahr“

Von: Stephan Mohne
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Klärschlamm im Wald: Die Verwaltung erklärt, dass die Altablagerungen nahe dem Dornbruchweg für die vielen Spaziergänger dort keine Gefahr darstellen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Haufenweise wurde er in den 1960er Jahren in einen alten Kalksteinbruch im Aachener Wald gekippt: Klärschlamm aus der Kläranlage in der Soers. Heute würde das als Umweltsünde erster Güte angesehen. Dabei ist Klärschlamm heute weit weniger belastet als damals.

Denn vor 50 Jahren fanden sich im Klärschlamm noch jede Menge Gifte – insbesondere Rückstände von längst verbotenen Pestiziden und Herbiziden wie etwa DDT. darunter waren auch krebserregende Stoffe. Und auch Schwermetalle wie Arsen und Blei waren in heute undenkbaren Größenordnungen im Klärschlamm vorhanden. Der Fachbereich Umwelt hat die Altablagerung im Aachener Wald – nur wenige Meter entfernt von Hauptspazierwegen und auch nur wenige Meter entfernt vom Beverbach – im Visier. Über den Stand der Dinge wurde jetzt der Umweltausschuss informiert.

Eine zentrale Aussage: „Die Altablagerung beeinträchtigt nicht die Gesundheit von Spaziergängern.“ Davon gehe auch das ebenfalls eingeschaltete Gesundheitsamt der Städteregion nach einer gemeinsamen Ortsbegehung „mit sorgfältiger Überprüfung der Sachlage“ aus. „Schadstoffe aus dem Boden könnten zum Beispiel durch eine regelmäßige Aufnahme von Bodenmaterial durch Hand-zu-Mund-Kontakt, über die Haut oder durch Einatmen aufgenommen werden“, erläuterte Bodenexpertin Dr. Susanne Frey-Wehrmann. Der Boden über dem alten Kalksteinbruch sei aber „dicht mit Moosen, Gräsern und von Frühjahr bis Herbst mit Brennnesseln bewachsen“. So schließe sie eine Gefährdung auf diesem Wege aus. Weiter heißt es in einer Erklärung: „Dabei gehen sie und andere Behördenvertreter von einem ‚waldtypischen‘ Verhalten aus: dazu zählen das normale Spazierengehen, das Durchstreifen des Waldes oder auch Waldspiele.“

Nach eingehender Auswertung der vorliegenden geologischen Karten und Informationen seien die Geologen im Fachbereich Umwelt auch davon überzeugt, dass das nicht weit entfernte Wasserschutzgebiet Eicher Stollen nicht gefährdet ist. Die Altablagerung liege auf einem Kalksteinzug, „der aufgrund der geologischen Verhältnisse nicht mit dem Kalksteinzug des Eicher Stollens verbunden ist“. Vorsorglich würden auch noch Wasserproben aus dem Beverbach und seinen Zuläufen entnommen und untersucht. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen stehen noch aus.

Wie mit der Altablagerung umzugehen ist, wird sich wohl erst herausstellen, wenn alle Untersuchungen abgeschlossen sind. Für solche meist enorm teuren Maßnahmen gibt es Zuschüsse vom Land, die aber erst beantragt und bewilligt werden müssen. In Frage kommt je nachdem zum Beispiel die permanente Überwachung des Schadstoffaustritts aus der Altablagerung – etwa ins Grundwasser. Dies ist beispielsweise an der Heckstraße in Eilendorf der Fall, wo vor einigen Jahren festgestellt wurde, dass Schadstoffe aus einer Altablagerung austreten.

Dort hatte man einst vor allem Schleifsände aus der Glasindustrie in einen alten Steinbruch gekippt. Auch das Abdichten solcher Deponien kann nötig sein. In ganz besonders schlimmen Fällen kann auch ein Ausbaggern fällig sein. Das aber wäre dann der „Worst Case“.

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