Kitas: Die Quoten geraten ins Wanken

Von: Stefan Herrmann
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Aachen. Sie suchen eine neue Bleibe für Ihre junge Familie in Aachen? Sie haben eine anderthalbjährige Tochter und einen vierjährigen Sohn?

Beide sollen möglichst wohnortnah eine Kindertagesstätte besuchen, die Sie und Ihr Partner gut auf dem Weg zur Arbeit – Sie sind natürlich beide berufstätig – ansteuern können? Sollten diese Faktoren den entscheidenden Ausschlag geben bei der Wohnortwahl, dann kommt in Aachen für Sie vor allem der Sozialraum 13 in Frage. Dort – in Kornelimünster, Oberforstbach und Schleckheim – ist die Stadt nämlich mit Abstand am besten aufgestellt in Sachen Kinderbetreuungsangeboten.

Hier sollten Sie also die größten Chancen besitzen, zwei Kitaplätze direkt vor Ort zu bekommen. Die Versorgungsquoten im U3-Bereich gibt die Verwaltung im jüngsten Kindertagesstättenbedarfsplan für den Raum in Aachens Süden nämlich mit stolzen 70,5 Prozent an, im Ü3-Bereich sind es sogar 119,63 Prozent. Damit hat man in und rund um Kornelimünster längst die „Zielmarke“ von 50 Prozent übertroffen, die Politik und Verwaltung in Sachen U3-Betreuung für das gesamte Stadtgebiet anpeilen.

Eigentlich, so hieß es noch vor einigen Jahren, sollten besagte 50 Prozent bis 2017 für ganz Aachen erreicht werden. Doch hat man bereits vor gut zwei Jahren erkannt, dass man dieses Versprechen nicht wird einhalten können. So stellt die Verwaltung Anfang 2017 ernüchternd fest: „Trotz großer Bemühungen, den Betreuungsplatzausbau voranzutreiben, verläuft die Schaffung neuer Betreuungsplätze deutlich langsamer als geplant.“

Für das Kitajahr 2017/18 kalkuliert die Verwaltung nach jüngsten Erhebungen mit einer U3-Betreuungsquote für ganz Aachen in Höhe von 44,42 Prozent. Obwohl die Zahl der Plätze durch weitere Aus- und Umbauten bis zum Sommer um weitere 66 im KiBiz-geförderten U3-Bereich steigen soll, hat das auf die Versorgungsquote kaum Auswirkungen. Diese wurde vor Jahresfrist mit 44,05 Prozent angegeben – also nur marginal unter dem neuen Wert.

Die geringe Steigerung begründet die Verwaltung nicht allein mit den konstant hohen Geburtenzahlen, sondern vor allem mit zahlreichen Zuzügen, die sich auf die Quote auswirken. Viele junge Familien mit Nachwuchs im Kindergartenalter kommen seit Jahren nach Aachen. Darunter befinden sich auch etliche Flüchtlingskinder, die möglichst reibungslos in den Kitas der Stadt untergebracht werden sollen. Allerdings, merkt der zuständige Fachbereich Kinder, Jugend und Schule an, sei „eine Prognose, wie sich die Zuweisungen von Flüchtlingskindern entwickeln und wie sie sich auf das Stadtgebiet verteilen werden, weiterhin schwierig“.

Schwierig dürfte in den kommenden Jahren auch ein Feld werden, in dem die Stadt bisher eigentlich sehr gut aufgestellt ist. Denn bei den Ü3-Kindern kann man seit Jahren eine Versorgungsquote nah an den 100 Prozent vorweisen. Zwar sieht der Wert auch im neuen Bedarfsplan für 2017/18 weiterhin mit 93,99 Prozent auf den ersten Blick gut aus. Im Vergleich zum Vorjahr fällt er aber um knapp drei Prozent. In Vergangenheit wurde alle Kraft in den U3-Ausbau gesteckt. Dazu setzte man zum Teil auch auf die Strategie, wegen der sehr guten Betreuungssituation bisherige Ü3-Plätze in U3-Plätze umzuwandeln.

Doch sind diese Möglichkeiten mittlerweile komplett ausgereizt worden, was die Verwaltung zu der Feststellung kommen lässt: „Der Bedarf für den Altersbereich Ü3 ist gesamtstädtisch gerade noch ausreichend abgedeckt.“ Des Weiteren sei daher eine weitere Verringerung der Versorgungsquote zu vermeiden, um die Versorgung der Kinder ab drei Jahren weiterhin flächendeckend sicherstellen zu können, heißt es in der Kindertagesstättenbedarfsplanung. Andernfalls sei die Versorgung im Rahmen des Rechtsanspruches gefährdet.

Große Engpässe in Brand

In der Politik hat man die Zeichen der Zeit erkannt und steuert mit weiteren Millionen für neue Kitas entgegen. So sollen unter anderem allein in Brand (Sozialraum 12) zwei Einrichtungen entstehen. Eine fünfgruppige städtische Kita wird im Kollenbruch gebaut (geplanter Baubeginn: Sommer 2017), zudem existieren Pläne, über ein so genanntes Investorenprojekt eine weitere fünf- bis sechsgruppig Kita in Brand zu realisieren. Durch beide Maßnahmen könnten insgesamt bis zu 180 neue Kitaplätze entstehen.

Die Nachfrage in dem kinderreichen Stadtteil ist in jedem Fall besonders groß. Die Verwaltung spricht von einem „dringenden Handlungsbedarf“. Kein Wunder, liegt die Versorgungsquote im U3-Bereich gerade einmal bei mickrigen 33,55 Prozent. Auch bei der Ü3-Betreuung (82,4 Prozent) liegt Brand im stadtweiten Vergleich nur im unteren Drittel.

Ähnlich überschaubar sieht die Betreuungssituation im Sozialraum 3 (Ostviertel/Rothe Erde) aus. Die Versorgungsquoten liegen bei dürftigen 40,56 (U3) bzw. 75,53 Prozent (Ü3). Der Unterschied zu Brand: Für den sozialschwachen Stadtteil liegen aktuell keine weiteren konkreten Pläne vor, wie die Kita-Landschaft aufgepäppelt werden könnte. So stellt die Verwaltung zunächst lediglich nüchtern fest, dass dort „Handlungsbedarf“ bestehe.

Bleibt festzuhalten: In Aachens Kita-Landschaft gilt es noch einige (Versorgungs-)Löcher zu füllen. Neubauten stellen vielerorts offenbar die einzige Möglichkeit dar, um die Ziele in der U3- und Ü3-Betreuung zu erreichen und eine Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

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