Aachen - Kitas: Bei 45 Stunden ist seit Sommer der Deckel drauf

Kitas: Bei 45 Stunden ist seit Sommer der Deckel drauf

Von: Stefan Herrmann
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Kita Kitas Kindertagesstätte Spielzeug Symbol Symbolbild: Rolf Vennenbernd/dpa
Fakt ist: Aachens Eltern fliegen auf die 45-Stunden-Plätze für ihre Kleinen. Foto: dpa

Aachen. Cornelia Reuter (Name von der Redaktion geändert) ist Mutter von zwei Kindern. Nachdem ihr Sohn im Sommer eingeschult wurde, geht nun noch ihre Tochter in eine Aachener Kita. Cornelia Reuter musste (und muss es für ihre Tochter weiterhin) für ihre Kinder eine Betreuung von 45 Stunden pro Woche in Anspruch nehmen.

Dabei hätten zumindest bis zum Sommer eigentlich auch 35 Stunden gereicht, da Reuter einen Job hat, bei dem sie pro Woche 30 Stunden – und das recht flexibel – arbeiten geht. Doch so flexibel, dass sie die recht starren Betreuungszeiten an der Kita einhalten könnte, ist der Job dann doch nicht. Also blieb ihr nur die Möglichkeit, 45 Stunden zu wählen.

Für Reuter ist das kein Einzelfall. „De facto ist es ja so, dass viele Eltern, so auch bei uns, einen 45-Stunden-Platz für ihr Kind buchen und bezahlen müssen, obwohl nur 35 Stunden genutzt werden. Das liegt daran, dass bei einem 35-Stunden-Platz die Betreuung von 7 bis 14 Uhr möglich ist, unsere Kinder aber von 9 bis 16 Uhr betreut werden müssen“, erklärt Reuter und findet: „Diese mangelnde Flexibilität ist für alle Seiten nicht hilfreich.“

Fakt ist: Aachens Eltern fliegen auf die 45-Stunden-Plätze für ihre Kleinen. Aktuell wählen im Ü3-Bereich 75,4 Prozent (4413 Plätze) der Familien dieses Angebot, im U3-Bereich sind es sogar 79,9 Prozent (1480 Plätze). Entsprechend geringer ist die Nachfrage nach 35 Stunden Betreuung pro Woche (Ü3: 24,2 Prozent/1419 Plätze, U3: 18,8 Prozent/348). Die 25-Stunden-Plätze werden kaum gebucht (Ü3: 0,4 Prozent/21 Plätze, U3: 1,3 Prozent/24 Plätze).

Fakt ist aber auch: 45-Stunden-Plätze sind die, die nicht nur für die Eltern, sondern auch für die Kommune am teuersten sind. Daher hat die Politik auf Vorschlag der Verwaltung vor gut anderthalb Jahren beschlossen, dass die 45-Stunden-Plätze im Ü3-Bereich bei maximal 85 Prozent und im U3-Bereich bei 75 Prozent gedeckelt werden sollen. Diese seien „die kosten- und personalintensivste Variante und deshalb sollte der prozentuale Anteil der 45-Stunden-Betreuung nicht weiter steigen“, teilt das städtische Presseamt auf AZ-Nachfrage mit.

In Cornelia Reuters Kita hatte das zur Folge, dass den Eltern im Sommer in einem Brief mitgeteilt wurde, dass eine Halbtagsstelle gestrichen werden müsse. Die Fachkraft konnte aber in einer anderen Einrichtung des nicht-städtischen Trägers untergebracht werden.

Begründet wurde dies folgendermaßen: „Die Stadt Aachen bewilligt für das kommende Kindergartenjahr für jede Einrichtung nur ein minimiertes 45-Stunden-Kontingent, aufgrund der leeren Haushaltskasse.“ Zwar bestätigt die Verwaltung, dass es „vereinzelt zu Problemen“ komme, wenn Eltern die benötigte Betreuungszeit nicht buchen können. In diesen Fällen sei man aber stets bemüht, schnell und unkompliziert Hilfe zu leisten.

„Erzieher händeringend gesucht“

Björn Gürtler vom städtischen Presseamt betont aber gegenüber der Aachener Zeitung, dass bei städtischen Kitas durch die Deckelung keine Plätze weggefallen seien. Im Gegenteil: „Durch den Ausbau der Kita-Landschaft in Aachen kommen Plätze hinzu, auch im Bereich der 45 Stunden“, erklärt Gürtler.

Cornelia Reuter hat den 45-Stunden-Platz für ihre Tochter sicher. Die von der Politik beschlossene Deckelung dieser besonders gefragten Kontingente könne ihrer Meinung nach aber nicht mit der bisherigen unflexiblen Handhabe bei den Betreuungszeiten einhergehen. Denn die würden oftmals nicht zum Arbeits- und Familienalltag vieler Menschen passen. „Dann sollten aus meiner Sicht auch Modelle angeboten werden, bei denen man zum Beispiel 35 Stunden von 8 bis 15 Uhr buchen kann“, so Reuter. Und keinesfalls dürfe eine solche Politik dazu führen, dass de facto in den Kindergärten der Personalschlüssel weiter gekürzt werde.

Das passiere auch nicht, versichert die Stadt. Im Gegenteil: „Wir sind seit geraumer Zeit händeringend auf der Suche nach Erzieherinnen und Erziehern“, sagt Björn Gürtler.

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