Kitaplätze: Die schnelle Lösung muss her

Von: Thorsten Karbach
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Der dringend erforderliche Aus
Der dringend erforderliche Ausbau von Kindergärten wird nicht allen schmecken: Millionen müssen wohl investiert werden - und anderswo gespart. Foto: dpa

Aachen. CDU und Grüne wollen verhindern, dass Aachen bei der Betreuung der Jüngsten alt aussieht. Jüngst waren Ergebnisse einer Untersuchung der Stadt - aufgeteilt in 14 geographische Bereiche, die sogenannten Sozialräume - öffentlich geworden.

Nach ihnen müssen in Aachen dringend Kindergartenplätze - speziell für die Unterdreijährigen - eingerichtet werden, um 2013 den Rechtsanspruch für die Zwei- und Dreijährigen erfüllen zu können. Nach dieser Untersuchung fehlen aktuell 371 U3-Plätze. 1642 gibt es.

92 wurden in diesem Jahr eingerichtet, allerdings fielen andere eines privaten Anbieters weg. 130 sind für 2012 beim Land beantragt. CDU und Grüne wollen weg von der grundsätzlichen quantitativen Diskussion. „Es geht nicht mehr darum, ob 100 oder 150 Plätze neu eingerichtet werden. Wir müssen punktgenau den Bedarf erfüllen”, sagt Grünen-Ratsfrau Ulla Griepentrog.

Deswegen beauftragt die Ratsmehrheit aus CDU und Grünen in einem Ratsantrag die Verwaltung, konkrete Maßnahmen vorzuschlagen, die - basierend auf der Analyse der Sozialräume - sofort weiterhelfen. Dafür sind die beiden Fraktionen auch bereit zu investieren. „Wir sind an einem Punkt, an dem wir die Frage stellen: Ist man in Aachen bereit, eine Kinder-Vorrang-Politik zu betreiben?”, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Harald Baal. Er ist es. Doch ist es auch der Bürger? Die Frage soll in die Bürgerbefragung zum Haushalt einfließen, die demnächst startet.

Klar ist, dass eine solche Kinder-Vorrang-Politik Auswirkungen hat - auch oder vor allem finanzielle. „Das wäre ein Paradigmenwechsel. Wir haben im Haushalt keinen finanziellen Spielraum, andere Bereiche müssten dies neben ihrem Beitrag zur allgemeinen Konsolidierung mittragen”, erklärt Baal. Einschnitte werde es geben müssen. Wo auch immer. Die Diskussion wird im Herbst eröffnet. 2,5 Millionen Euro hat die Verwaltung zunächst einmal als sogenannte investive Mittel für den Um- und Neubau von Kindertagesstätten eingestellt. Doch CDU und Grüne erwarten weit höhere Kosten. Gerade in den Bereichen Ostviertel/Rothe Erde und in der Innenstadt ist der Bedarf an neuen U3-Plätzen groß. Im Westen mangelt es insgesamt an Kindergartenplätzen.

Ein praktisches Problem

Ortsnahe Lösungen müssen schnell her. „Es nutzt uns nichts, in Walheim vier Kindergärten zu bauen, und keiner geht hin”, sagt Bürgermeisterin Hilde Scheidt (Grüne). Doch gerade an diesem Punkt stehen die Experten vor einem ganz praktischen Problem: Bauland wurde in den wichtigen Vierteln noch nicht gefunden. „Da muss aber schnell etwas passieren, dafür müssen wir konkret Finanzmittel einsetzen”, sagt Griepentrog. In Aachen-Ost oder im Zentrum sprechen die Politiker auch von unkonventionellen Lösungen - Räumen in Schulen, Pavillons und für alle geöffnete Betriebskindergärten. Das Gespräch mit den freien Trägern, die viele Plätze stellen, wird auch deswegen gesucht. „Wir können nicht Jahre auf einen Neubau warten, wenn wir sofort Plätze brauchen”, sagt Scheidt. „Und es geht hier nicht um irgendein Spezialangebot, sondern um ein Regelangebot für die Kinder. Wir brauchen auch Zwischenlösungen”, fügt Baal hinzu.

Das Problem ist, dass alle Quoten, anhand derer bislang geplant wurde, nun unzureichend sind. Von 30 Prozent Bedarf war da die Rede, dann von 35. Nun ist gar von 44 Prozent die Rede. Und da hilft es der Stadt Aachen auch nicht, dass sie landesweit zu den gut aufgestellten Kommunen zählt. Wenn Eltern ihr Kind 2013 versorgt haben wollen, dann muss ihnen ein Kitaplatz angeboten werden. So einfach ist das. „Das Bewusstsein dafür steigt, dass das Kind in einer Kita gut aufgehoben ist”, erklärt Griepentrog.

Erste Vorschläge für Baumaßnahmen sind bereits erarbeitet. Der Ratsantrag will auch, dass diese anhand des Bedarfs sortiert werden. Der ist spätestens im März klar, wenn die Kindergartenplätze beim Land gemeldet werden. „Heute kann noch keiner seriös sagen, ob wir zwei, drei oder wie viele Millionen auch immer investieren müssen”, erläutert Baal. Aber die Bereitschaft der Politiker ist da - damit Aachen 2013 nicht alt aussieht bei den Unterdreijährigen.
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