Aachen - Kita- und OGS-Bereich: Der Bedarf wächst, doch das Personal fehlt

Kita- und OGS-Bereich: Der Bedarf wächst, doch das Personal fehlt

Von: Annika Kasties
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Kita Symbol Kindergarten Kinder Kindertagesstätte Symbolfoto: Monika Skolimowska/dpa
In fünf Jahren werden im Kita- und OGS-Bereich 220 neue Stellen benötigt. Die Stadt will mit unbefristeten Verträgen locken. Symbolfoto: Monika Skolimowska/dpa

Aachen. Bei den Wachstumsraten würden Ökonomen vor Begeisterung die Ohren schlackern. Ein Anstieg um gut 30 Prozent – und das in gerade mal fünf Jahren. Bei der Verwaltung fällt der Jubel indes verhaltener aus. Und zwar nicht etwa, weil man in den kommenden Jahren nur ungern die – so sagt es die Prognose – 220 benötigten neuen Stellen im Erziehungsbereich besetzen möchte.

Sondern weil die Stadt schon jetzt Müh’ und Not hat, Erzieher für städtische Kitas und Offene Ganztagsschulen (OGS) zu finden. Die Personalsituation bei der Betreuung der Kleinsten ist dramatisch. Von rund 700 Stellen im Offenen Ganztag sowie in städtischen Kitas sind seit einigen Monaten mehr als 30 unbesetzt, wie Personaldezernent Dr. Markus Kremer mitteilt. Und das in Vollzeit.

Benötigt werden also noch deutlich mehr Fach- und Ergänzungskräfte, die Rede ist von etwa 40 bis 45. Der Stapel mit potenziellen Bewerbern ist jedoch relativ dünn, um nicht zu sagen: nicht existent, wie die Stadt mitteilt. Und bei den Freien Trägern sehe die Situation ähnlich aus, wenn nicht sogar dramatischer, sagt Verdi-Sekretär Mathias Dopatka auf Anfrage.

84 neue Kita-Gruppen

Schönreden lässt sich das nicht. „Der Fachkräftemangel im Erziehungsbereich ist groß und wächst weiter an“, sagt Susanne Schwier, Beigeordnete für Bildung und Kultur, und hat zur Veranschaulichung gleich ein paar Zahlen parat. So gibt es in Aachen derzeit 140 Kindertagesstätten, von denen 56 in städtischer Trägerschaft sind, den Rest betreiben Freie Träger. Insgesamt werden 7737 Kinder betreut. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren es noch 7094. „Das ist ein Plus von 650 Plätzen“, sagt Schwier. Allein bei der Betreuung der unter Dreijährigen sind die Plätze im gleichen Zeitraum um 800 auf 1918 gestiegen.

Und der Bedarf wird weiter steigen. In den nächsten fünf Jahren müssten 84 weitere Kita-Gruppen geschaffen werden, so Schwier, betreut werden sollen diese durch besagte 220 neue Vollzeitstellen. Zu Buche schlägt dabei insbesondere der Ausbau der U3-Betreuung, bei der die Stadt – so das selbstgesteckte Ziel – eine Quote von 50 Prozent erreichen will.

Die Herausforderungen sind also immens. „Das ist ein riesiger Aufgabenbereich, in dem wir uns eine schlechte Qualität durch Vakanzen nicht leisten können“, sagt Personaldezernent Dr. Markus Kremer. Mit einem Bündel an Maßnahmen will die Stadt in Abstimmung mit dem Personalrat Anreize schaffen und potenzielle Bewerber nach Aachen locken. So sollen Berufspraktikanten bei entsprechender Eignung Übernahmegarantien erhalten. Zudem will die Stadt mit unbefristeten Arbeitsverträgen locken.

Als weitere mittelfristige Maßnahme soll die Anzahl der Azubis – sofern die Politik mitzieht – von aktuell 30 erhöht werden. Mehr ausgebildet werde, so Schwier, bereits jetzt an den hiesigen Berufskollegs. An der Käthe-Kollwitz-Schule und am Berufskolleg Simmerath-Stolberg seien im Sommer zwei weitere Klassen eingerichtet worden, im Februar soll die dritte folgen. Eine vierte Klasse sei im Gespräch. Auch über die Region hinaus will die Stadt mit einer Imagekampagne verstärkt für sich als Arbeitgeber werben.

Aktuell sei insbesondere der Bereich Krefeld im Blick, wo laut Schwier „über den Durst ausgebildet“ wurde. Auch die Beschäftigung von Bewerbern aus Belgien und den Niederlanden soll unbürokratischer erfolgen. Eingestellt werden soll dann – wenn es die Anzahl der Bewerber ermöglicht – mit einem kleinen Puffer über Bedarf.

Bis Ende Januar wird darüberhinaus ein Notfallkonzept für personelle Engpässe erarbeitet. So sollen Mitarbeiter von gut aufgestellten Kitas kurzfristig in andere Kitas abberufen werden. Auch verbindliche Vorgaben für die Zusammenlegung von Gruppen oder sogar die Schließung von Kitas müssen festgelegt werden – Vereinbarungen, die Personalratsvorsitzender Stephan Baumann als „wichtige Hilfestellung für die Kollegen vor Ort“ lobt.

Auch Dopatka sieht in dem Maßnahmenkatalog der Stadt einen „Schritt in die richtige Richtung“, drängt aber gleichzeitig auf die Einrichtung einer Notfallhotline und klaren Kriterien, die es der Kita-Leitung erlauben, im Notfall Einrichtungen zu schließen. Auf lange Sicht helfe nach Einschätzung des Gewerkschaftssekretärs jedoch nur eins: eine Gesamtaufwertung des Erzieherberufs – und zwar durch ein angemessenes Gehalt.

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