Aachen - Kita-Streiks: Verdi bläst zur nächsten großen Attacke

Kita-Streiks: Verdi bläst zur nächsten großen Attacke

Von: mh
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Weiter kampfbereit: Die Verdi-Vertreter fordern eine nachhaltige Aufwertung der Erzieherberufe. Unser Bild zeigt von links: Sigfried Wartenberg, Eva Hanchi, Kerstin Löhrer, Ulrike Timmers (vorn v.l.), Norbert Wüllenweber, Mathias Dopatka und Melanie Kehren. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Noch atmet die Gewerkschaft Verdi durch in der klaren Erwartung, bei der nächsten großen Streikwelle noch stärkeren Rückenwind zu erhalten. Konditionsprobleme scheinen die Arbeitnehmervertreter auch nach den ersten heftigen Arbeitskämpfen im Frühsommer allerdings keineswegs zu plagen.

Ihre Botschaft: Dieser Ausstand ist längst nicht ausgestanden. Nach der deutlichen Ablehnung des Schlichterspruchs in der Auseinandersetzung um eine grundsätzliche Aufwertung im Tarifgefüge für Erzieher(innen) und Sozialarbeiter machten sie am Freitag durchaus den Eindruck, als könnten sie vor Kraft kaum laufen.

„Wir wollen nicht, dass es wieder zum Streik kommt“, unterstrich Gewerkschaftssekretär Mathias Dopatka zwar mit Nachdruck. Aber man bereite sich darauf vor, spätestens Anfang Oktober abermals etliche Einrichtungen gründlich lahmzulegen. „Wir sind entschlossen, notfalls wochen- oder gar monatelang durchzuhalten, wenn die Arbeitgeber im Hinblick auf unsere Kernforderungen nicht endlich echtes Entgegenkommen zeigen“, betonte Dopatka.

Ein beeindruckendes Mandat habe man von den Mitgliedern allemal erhalten. „Im Bezirk Aachen lag die Quote der Nein-Stimmen zur Schlichtung weit über dem Schnitt von 69,13 Prozent“, bilanzierte Dopatka. Landesweit hätten nur die Regionen Dortmund und Köln den vermeintlichen Kompromiss noch deutlicher abgeschmettert. Kein Wunder, meinten auch Dopatkas ehrenamtliche Mitstreiter, die am Freitag demonstrative Geschlossenheit bekundeten. „Leider hat man unsere eigentliche Forderung praktisch außen vor gelassen“, zürnte Sigfried Wartenberg, der die potenziellen Aktionen im Frühherbst maßgeblich koordiniert. „Die Enttäuschung ist riesig. Denn es geht jetzt nicht um das eine oder andere Prozent Gehaltserhöhung hier oder da.“

„Der OB redet Stuss“

Statt zu schachern und zu taktieren, müssten die Arbeitgeber – also vor allem die Städte – endlich anerkennen, dass Erzieherinnen oder Sozialarbeiter in Jugendämtern als erstes und denkbar starkes Glied in der sogenannten Bildungskette entsprechende Wertschätzung verlangten. Die aber lasse sich angesichts enorm gewachsener Anforderungen an Qualifikationen und Arbeitsfelder nur erreichen, indem der gesamte Berufsstand auch tariflich auf höherer Ebene angesiedelt werde.

Stattdessen habe die Gegenseite vor allem versucht, die Arbeitnehmerfront zu spalten statt wirklich zu schlichten, meinte Ulrike Timmers, Leiterin der Kita an der Franz-Wallraff-Straße: „Auch ich habe den Spruch abgelehnt, obwohl ich selbst erheblich davon profitiert hätte.“ Denn es könne nicht angehen, dass das Gros der Beschäftigten mit vergleichsweise mickrigen Zuschlägen abgespeist werde. Nach wie vor liege das Einkommen vieler trotz hervorragender Ausbildung an der Grenze zum Existenzminimum, betonte auch Dopatka – und fuhr einmal mehr schweres Geschütz vor allem gegen OB Marcel Philipp auf. Der versuche nach wie vor, die Kollegen auch gegen andere Berufsgruppen im öffentlichen Dienst auszuspielen. „Er redet Stuss, wenn er behauptet, wir hätten seit 2009 rund 30 Prozent an Lohnzuwachs erhalten.“ Der Sprung sei nur wenigen Berufseinsteigern vergönnt gewesen, die bei der Einführung des neuen Tarifsystems TVÖD zuvor entsprechend massive Einbußen hätten hinnehmen müssen. „Für diese maximal vier bis fünf Prozent wurde nur ein Ausgleich auf dem vorherigen Niveau geschaffen“, unterstreicht der Gewerkschafter.

„Schmerzhaft“, so Timmers, sei auch die Erkenntnis gewesen, „dass schon bei den ersten Streiks immer wieder die moralische Keule gegen die Erzieherinnen geschwungen wurde“. Auch und gerade „Kita-Eltern“ fordere man auf, sich im eigenen Interesse zu solidarisieren. „Wir verstehen ihren Ärger“, so Dopatka. „Aber der sollte sich jetzt vor allem gegen die Arbeitgeberseite richten.“ Dennoch: „Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass man dort noch einsichtig wird. Andernfalls werden wir um kreative Ideen nicht verlegen sein, wenn es darum geht, unsere Forderungen durchzusetzen. Und das wird dann auf jeden Fall teuer für die Stadt.“

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