Kita Kalverbenden: Eltern setzen vermehrt auf „Randzeiten“

Von: Stefan Herrmann
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Aachens erste „Randzeiten“-Kita kommt gut an: Für die Eltern Svetlana Belova (2.v.) und Maximilian Brandt (r.) wäre der Arbeitsalltag ohne das Angebot zu stemmen. Die gute bisher durchweg positive Resonanz freuen AWO-Geschäftsführerin Gabriele Niemann-Cremer (l.) und Kita-Leiterin Miriam Herrmann. Foto: Andreas Herrmann
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Pilotprojekt in Burtscheid: Zehn Familien nehmen derzeit das Angebot der „Randzeiten-Betreuung“ in der Kita Kalverbenden in Anspruch. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Während Svetlana Belova für ihr BWL-Studium büffelt, stapelt ihr dreijähriger Sohn Vladimir ganz in Ruhe Bauklötze mit seinen Kita-Freunden. Eine Vorlesung oder ein Seminar am späten Nachmittag? Früher hätte Belova passen müssen, da ihr Kind ansonsten ohne Betreuung gewesen wäre. Seit vergangenen Sommer können in der AWO-Kita Kalverbenden die ersten „Randzeiten-Kinder“ auch jenseits der klassischen Öffnungszeiten betreut werden.

Das Aachener Pilotprojekt in der Burtscheider Einrichtung wird gut angenommen. Zehn Familien nutzen das Modell bisher regelmäßig. „Das Familienbild hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert“, weiß AWO-Geschäftsführerin Gabriele Niemann-Cremer. Zunehmend arbeiten Eltern abends, nachts und sonntags. Ein Dienstschluss um 16 Uhr ist in jedem Fall für viele Utopie. „Wir merken, dass der Bedarf bei uns vor allem im späten Nachmittagsbereich liegt“, sagt Miriam Herrmann. Sie leitet die Kita Kalverbenden gemeinsam Julia Abate.

Kinder können in der AWO-Kita grundsätzlich in der Zeit von 6.30 Uhr bis 18.30 Uhr betreut werden. Die genauen Zeiten werden jeweils mit den Eltern abgesprochen und können flexibel gehandhabt werden. Von den zehn Familien, die das Angebot derzeit in Anspruch nehmen, ist für den überwiegenden Teil vor allem die „Randzeit“ am frühen Abend bis 17.30 Uhr interessant.

Allerdings: Die Flexibilität ist nicht unbegrenzt. Denn weiterhin gilt, dass Eltern, die ein 45-Stunden-Kontingent gebucht haben, ihr Kind pro Tag maximal neun Stunden in der Kita Kalverbenden betreuen lassen dürfen. Das bedeutet also: Möchte ich es abends später abholen, muss ich es am Morgen entsprechend später bringen. Die nun angebotenen Randzeiten werden generell von allen Eltern aber gelobt.

Maximilian Brandt zum Beispiel würde sich trotzdem sogar noch mehr wünschen: „Bei einem Job mit 40 Stunden und mehr pro Woche könnten meine Frau und ich sogar 50 Stunden Betreuung pro Woche gut brauchen“, sagt der Patentanwalt und Vater einer zweijährigen Tochter.

Herrmann und Niemann-Cremer ziehen nach den ersten neun Monaten „Randzeiten-Kita“ eine durchweg positive erste Bilanz. Mit wachsendem Bekanntheitsgrad des Angebots haben dies immer mehr Eltern in Anspruch genommen. Bis zu 20 Kinder könnten am Standort in Burtscheid, wo insgesamt 72 U3- und Ü3-Kinder die Kita besuchen, in den Randzeiten betreut werden. Miriam Herrmann geht daher davon aus, dass zum kommenden Kita-Jahr die Zahl der „Randzeiten-Kinder“ weiter zunehmen wird.

Denn immer mehr junge Familien stehen im Alltag vor ähnlichen Herausforderungen wie auch Irina Kuznetsova. Sie und ihr Mann sind beide berufstätig. „Als wir von dem Angebot der Kita Kalverbenden erfahren haben, war uns gleich klar: Das ist die Lösung für unsere Kinder!“, sagt sie. Ihre Familie lebt in Russland, die ihres Mannes in Frankreich. Da ist es nicht möglich, dass Oma oder Opa mal schnell einspringen, die Kleinen vom Kindergarten abholen und auf sie aufpassen, wenn es im Job mal wieder länger dauert.

„Die Flexibilität, die von uns im Job gefragt wird, ermöglicht uns nun das Angebot in Kalverbenden“, lobt Kuznetsova nicht nur das Randzeiten-Modell, sondern das gesamte Klima in der Kita. „Wir fühlen uns hier aufgehoben wie in einer zweiten Familie.“

Die Betreuung in den Randzeiten zu gewährleisten stellt die Kita-Leitung unterdessen vor neue Herausforderungen. Die insgesamt 16 pädagogischen Mitarbeiter müssen so in wechselnde Schichten eingeteilt werden, dass im frühen Abend und gegebenenfalls am frühen Morgen jeweils zwei Betreuungskräfte für die Randzeiten-Gruppe zur Verfügung stehen. Die Stadt unterstützt den zusätzlichen Personalaufwand, der dafür notwendig ist, derzeit mit 42.000 Euro pro Jahr.

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