Kita-Ausbau läuft langsamer als erwartet

Von: Stefan Herrmann
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Große Aufgabe: Genügend Betreuungplätze für die kleinen Aachener zu schaffen, stellen Stadt und Politik vor große Herausforderungen. Der Kita-Ausbau läuft derzeit langsamer als geplant. Foto: dpa

Aachen. An dem kleinen Wörtchen „aber“ kam an diesem Abend niemand vorbei. Als die Verwaltung im Kinder- und Jugendausschuss die Kindertagesstättenbedarfsplanung für das das Kitajahr 2017/18 vorstellte, fingen gleich mehrere Politiker ihre Einschätzung der Lage mit dem Satz „Wir sind auf einem guten Weg, aber. . .“ an.

Und dieses „aber“ bereitet Verwaltung wie Politik zunehmend Kopfzerbrechen. Vor allem aber zehrt es an den Nerven zahlreicher Eltern in Aachen, die händeringend nach einem Kindergartenplatz für ihren Nachwuchs suchen.

Fakt ist: Der Ausbau der U3-Plätze in der Stadt läuft deutlich langsamer als erhofft. Gerade einmal 66 zusätzliche Plätze sind für das Kitajahr 2017/18 anvisiert. Zum Vergleich: Im Jahr 2015/16 waren es noch 102 – und schon damals verfehlte man die eigentlich gewünschten 150 neuen U3-Plätze, die in Aachen pro Jahr entstehen sollten, um der ungebrochen hohen Nachfrage gerecht zu werden.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Zum einen schlägt der demografische Wandel in der weiterhin jungen Stadt Aachen nicht so stark durch wie erwartet. Der an sich erfreuliche Umstand erschwert die Suche nach einem freien Kita-Platz. Auch der Zuzug von Flüchtlingsfamilien hat mit dazu geführt, dass mehr Plätze im U3- und Ü3-Bereich benötigt werden, als noch vor wenigen Jahren angenommen wurde.

Bei der Betreuungsquote von Kindern unter drei Jahren wurde die Zielquote bereits vor Jahren auf 50 Prozent angehoben – und sollte eigentlich 2017 erreicht werden. Doch davon ist man in Aachen mit aktuell 44,4 Prozent noch ein gutes Stück entfernt. Und das wird vermutlich auch noch eine Weile so bleiben.

Der Hinweis von Heinrich Brötz (Fachbereichsleiter Kinder, Jugend und Schule), Aachen stehe im NRW-Vergleich eigentlich noch sehr gut da in Sachen Kinderbetreuung, dürfte für viele Eltern, die viel Zeit und Geduld investieren müssen, um einen Kitaplatz zu ergattern, da nur ein schwacher Trost sein.

Verwaltung und Politik, das wurde im Ausschuss deutlich, stecken gewissermaßen in einem Dilemma. Seit Jahren investieren sie Millionen in den Kitaausbau, doch von einer Entspannung der Lage kann keine Rede sein. Vor allem deswegen fiel am Dienstagabend dann gleich mehrere Male das Wörtchen „aber“ bei den Beratungen.

Peter Tillmanns ist nur nicht der kinder- und jugendpolitische Sprecher der CDU, sondern zugleich Bezirksbürgermeister von Brand. Dort sehen die Versorgungsquoten im gesamtstädtischen Bereich besonders schlecht aus. „In einigen Sozialräumen haben wir ein massives Problem“, stellte Tillmanns ernüchtert fest.

Der bei jungen Familien beliebte Stadtteil kommt laut aktuellem Plan auf mickrige 33,5 Prozent Versorgungsquote im U3-Bereich – der schlechteste Wert in Aachen. Zwei Kita-Neubauten sind zwar in Planung, doch zur Ehrlichkeit gehört für Tillmanns derzeit dazu: „Wir werden in Brand und in einigen anderen Bereichen der Stadt die Engpässe nicht kurzfristig innerhalb des nächsten Jahres lösen können.“

Jonas Paul von den Grünen forderte unterdessen die schwarz-roten Koalition dazu auf, bei ihren familienpolitischen Anstrengungen noch einmal „eine Schippe draufzulegen“. Höchste Priorität müsse die Suche nach freien Baugrundstücken genießen, auf denen neue Kindertagesstätten errichtet werden können, so Paul. Jana Keller (SPD) regte zudem an, Wege zu finden, um „Planungsprozesse zu optimieren“.

Derzeit dauert es in Aachen in der Regel bis zu vier Jahre von der ersten Skizze bis zur Eröffnung eines Kita-Neubaus. Doch dieser Hoffnung nahm Heinrich Brötz direkt wieder den Wind aus den Segeln. Die Vorschriften für öffentliche Bauprojekte seien so umfangreich, dass eine deutlich schnellere Realisierung von Kitaprojekten so gut wie unmöglich sei.

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