Kirche und Kunst im Zauber der Nacht

Von: Kathrin Albrecht
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Symbolkräftige Installationen
Symbolkräftige Installationen aus Licht und Skulptur: In St. Johann Baptist ließen sich die Besucher von diesem mystischen Ensemble beeindrucken. Der Boden der Kirche in Burtscheid war größtenteils mit Sand bedeckt. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Aachens Kirchen prägen das Stadtbild. Und einmal im Jahr in ganz besonderer Weise, wenn sie ihr normales Mobiliar ausräumen, Platz schaffen für Kunst- und Lichtinstallationen, ihre Portale für die „Nacht der offenen Kirchen” öffnen, Besucher einladen, den Raum Kirche einmal anders zu erleben.

Am vergangenen Wochenende geschah dies zum zwölften Mal. Bei der „Nacht der offenen Kirchen” hatten ungezählte Besucher auch in diesem Jahr die Qual der Wahl - insgesamt 130 Stunden Programm warteten in 33 Kirchen aller christlichen Konfessionen darauf, entdeckt und bestaunt zu werden - von den Alt-Katholiken im Aachener Osten bis hin zur Vineyard-Gemeinde im Norden. Gar nicht so selbstverständlich, wie Dieter Spoo von der Cityseelsorge an der Nikolauskirche angesichts knapper Kassen, Gemeindezusammenlegungen und fortschreitenden Rückgangs der Kirchenbesucher betont.

Tasten, fühlen, schmecken . . .

In der katholischen Kirche St. Fronleichnam oder St. Makai, wie die Mitglieder der Pfarrgemeinde das Gotteshaus im Aachener Osten auch nennen, begann die Nacht bereits am Nachmittag um 15 Uhr mit einem Kinderprogramm. Angelehnt an die Geschichte von der Heilung des Gelähmten konnten die kleinen Besucher Kirche buchstäblich mit allen Sinnen erleben. An verschiedenen Sinnesstationen konnten sie tasten, fühlen, schmecken, ausprobieren, wie es ist, wenn man nicht sehen kann. Wie füttert man beispielsweise dann jemand anderen? Ruth Bemmelen und ihre fünfjährige Tochter Greta probierten dies aus. „Spannend” fand Mutter Ruth am Ende die Erfahrung, ihrer Tochter „blind” den Wackelpudding zu verabreichen und sich dabei auf Anweisungen von Astrid Schoonen zu verlassen.

„Licht und Sand” hatte die katholische Kirche St. Johann Baptist ihr Programm für die Nacht überschrieben. Dort konnten Besucher die Licht- und Kunstinstallation von Holger Warnecke und Dieter Treppe im Altarvorraum, untermalt von verschiedenen musikalischen Beiträgen, auf sich wirken lassen.

Musik, Interviews, Kabarett

Um Besuchern das „Churchhopping” zu erleichtern, bot die Aseag auch in diesem Jahr vergünstigte Bus- und Parktickets an. Den meisten Zulauf hatten die Innenstadtkirchen, wie die Citykirche, die in Kooperation mit der ökumenischen Telefonseelsorge die Nacht zum Thema machte. Der Vokalchor „Carmina Mundi” stimmte Besucher mit Musik zur Kirchennacht ein, Stefan Quilitz, Moderator beim Kölner Domradio, interviewte Menschen, die in Aachen vor allem in der Nacht unterwegs sind, wie Feuerwehrmann Bernd Spiekers oder Taxifahrer Karl-Heinz „Kalle” Hennig.

Der Dom, ein grandioser Kunstschatz für sich, präsentierte das Lotharkreuz aus der Domschatzkammer. In der evangelischen Annakirche nahm der Wittener Kabarettist Micki Wohlfahrt in seinem Programm „Aus heiterem Himmel” die aktuellen Probleme der beiden großen Kirchen augenzwinkernd aufs Korn.

Nach frisch gebackenem Brot roch es dagegen in St. Foillan. Unter dem Leitwort „Unser tägliches Brot” lud die schmucke Innenstadtkirche gleich neben dem Dom zu einem besonderen sinnlichen Erlebnis ein. In der Kirche wurden kleine Roggenbrötchen gebacken und an die Besucher verteilt. Wie im Vorjahr waren Gemeindemitglieder aufgerufen, ihre Wünsche und Gedanken per E-Mail oder Twitter zu übermitteln, die in den Altarraum projiziert wurden.

Trotz oder wegen des reichen Segens von oben - ab 22 Uhr goss es in Strömen - erfreute sich auch diese Nacht eines guten Zuspruchs - viele Besucher zeigten sich sichtlich beeindruckt von den verschiedenen, sehr gelungenen Angeboten. Für die Veranstalter ist das sicherlich ein positives Zeichen und der Ansporn, auch im nächsten Jahr die Portale wieder für die Nacht der offenen Kirchen zu öffnen.
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