„Kirche bricht wie ein Kartenhaus zusammen”

Von: Günther Sander
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Aachen. „Es ist vollbracht!” Die letzten Worte Jesu vor seinem Tode am Kreuz hatten auch am Sonntag vor und nach dem letzten Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Paul im übertragenen Sinne große Bedeutung. „Gehet hin in Frieden”, hieß nach dem Schlusssegen die „Entlassung”. Nur: Von Frieden und erst recht von Freude war an diesem österlichen Morgen wenig zu spüren. Im Gegenteil.

Trauer und Tränen prägten das Ende der Pfarrkirche St. Paul. Das endgültige Aus wurde von den Gläubigen zumeist mit Wut, Ärger und Betroffenheit quittiert.

Ostern, das Fest der Auferstehung unseres Herrn, war für sie ein „Requiem”. Jung und Alt waren von der Schließung sichtlich gerührt. Besonders die älteren Gemeindemitglieder traf es hart.

„Hier sind unsere Kinder getauft worden, gingen zur ersten Heiligen Kommunion, haben das Sakrament der Firmung empfangen, hier haben sie den Bund der Ehe geschlossen, hier wurde für unsere Angehören die Totenmessen gelesen”, kamen vielfach die Erinnerung hoch.

„Monsignore Ernst-Wilhelm Nusselein, viele Jahre mit Leib und Seele ein echter Paulaner, würde sich im Grabe umdrehen, wenn er diese Schrecksbotschaft hören könnte und wüsste, was aus seiner Pfarre geworden ist”, hieß es.

„Aufdiktierter Schlag”

Unverständlich ist für viele Gläubigen, dass „die verantwortungsbewussten Bischöfe über Umweltschutz, Migranten und Moscheen palavern, die Piusbruderschaft bekämpfen, während die Kirche unter ihnen wie ein Kartenhaus zusammenbricht”.

Die Fusionslawine im Bistum, von Bischof Heinrich Mussinghoff und Generalvikar Manfred von Holtum in Gang gesetzt, ist für Teile der Gläubigen ein „aufdiktierter Schlag ins Gesicht”.

Im „Schlussgottesdienst”, von Pastor Franz Josef Radler und Pastor Ruprecht van de Weyer zelebiert, wurde die „unendliche Geschichte” noch einmal erläutert.

Der Sakralraum werde nicht entwertet, über die weitere Nutzung des Gotteshauses würde mit der Stadt verhandelt. „Aber auch die in Aachen ansässigen kirchlichen Hilfswerke (Misereor, Missio, Kindermissionswerk) haben Interesse bekundet”, so Radler. Die Pfarrgemeinde werde nicht aufgelöst, bis Jahresende laufe alles weiter. Danach werde es die neue Pfarre „Franziska von Aachen” geben.

Für die Gläubigen ein schwacher Trost - genau wie die Worte von Bischof Mussinghoff in einem Schreiben vom 19. März: „Für Ihre weiteren Schritte in eine neue Struktur, die in der einen Pfarrei das Leben der einzelnen Gemeinden weiterhin ermöglichen soll, dass uns missionarischer Anfang und Liturgie, Verkündigung und Caritas auch unter veränderten Rahmenbedingungen zur Geltung kommen soll, wünsche ich Ihnen sowie Ihrer Gemeinschaft der Gemeinden Gottes Segen.”

Dazu wollten viele Gottesdienstbesucher am Ende keinen Kommentar mehr abgeben.
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