„Kinderkönigreich“: Ab sofort regiert der kreative Nachwuchs

Von: Esra Güner
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Bei Pawel Althamers kreativem Projekt sind besondere Positionen stets willkommen: Im goldenen Overall steht – beziehungsweise liegt – Jakub Wawrzyniak, Vizekonsul der Republik Polen, den Kindern persönlich Modell. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Selbstbewusst schwingt Simon den Pinsel und malt schwarze Kreise an die große weiße Wand. „Ich bin jetzt der Künstler!“, ruft der Vierjährige fröhlich von seiner Leiter herab. Seine Feststellung gewinnt umso mehr Wert, wenn man bedenkt: Die Wand, die er gerade bemalt, steht mitten im Ludwig Forum.

So wie Simon sind viele andere Kinder mit ihren Familien zur Jülicher Straße gekommen, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Seit Samstag laden Pawel Althamer und seine Freunde ins „Kinderkönigreich“. Für knapp vier Monate zieht der polnische Künstler mit der Gruppe „Reactor Sculpture Lab“ aus Warschau ins Forum ein, um Themen wie Macht, Herrschaft und Freiheit aus Sicht der Kinder zu beleuchten. Anlass ist das 1200. Todesjahr Karls des Großen.

Im „Zeichnerkongress“, Herzstück des Projekts, gehört die Macht den Kindern und Jugendlichen. Egal ob mit Farben, Kohle, Bleistift – am Eröffnungstag füllen sich die Wände bereits binnen weniger Stunden und ergeben ein chaotisches, aber beeindruckendes Bild. Auch die Erwachsenen zücken die Stifte. Simons Mutter Katja Hartmann ist begeistert: „So kann man sich mal richtig künstlerisch austoben.“ Auch der elfjährige Tadeusz freut sich: „Malen ohne Vorgaben – das macht einfach Spaß“.

Kunst – für Pawel Althamer eine Sprache, mit der jeder zu sich selbst finden soll. An der Neugier und Kreativität der Kinder nimmt er sich ein Beispiel. Die Inspiration hat er sich von der Arbeit des im KZ Treblinka ermordeten Autors und Pädagogen Janusz Korczak geholt, der mit seinem Buch „König Hänschen“ Kinder und ihre Rolle in der Gesellschaft in den Mittelpunkt stellt. Auch Althamers Arbeiten hinterfragen und sind stets kritisch-engagiert. „Der soziale Bezug und die hohe ästhetische Qualität beeindrucken“, attestiert ihm Olaf Müller, Chef des Aachener Kulturbetriebs. „Er ist einer der bedeutendsten Künstler unserer Zeit.“

Pawel Althamer ist es wichtig, andere kreativ werden zu lassen. Im Vorfeld haben das bereits 160 Kinder im Rahmen des Förderpreises „Kunst“ getan. Ihre Arbeiten bilden den Ausgangspunkt für die Ausstellung Kinderkönigreich. Mit einer Offenen Akademie lädt Althamer zudem alle ein, eigene Werke zu gestalten. Darüber hinaus finden samstags Kurse für Erwachsene und Jugendliche statt, in denen erfahrene Künstler die drei klassischen Gattungen Grafik, Malerei und Skulptur vermitteln. Möglichst viele der entstandenen Arbeiten sollen bis September die Halle des Forums füllen. „Damit werden sie Teil der Ausstellung, die ständig wächst“, freut sich Museumsdirektorin Brigitte Franzen.

Diese Dynamik macht sich auch am Eröffnungstag bestens bemerkbar. Tische, Stühle, Modelle und professionelle Arbeitsmaterialien erwecken den Eindruck einer klassischen Kunstakademie. Kinder und Erwachsene versuchen sich an der Gestaltung von Puppen und Stillleben. Im Hof und im Garten des Forums finden ebenfalls Aktionen und Workshops statt. Ein weiterer Spielort ist die Kirche St. Elisabeth: Vor vier Jahren installierte Althamer hier eine Rutsche an der Kanzel des Gotteshauses.

Auf einen besonderen Höhepunkt freuen sich Althamer, Träger des Aachener Kunstpreises 2010, und seine Gastgeber besonders. Denn am 14. September wird’s goldig: Für einen Tag wird die Jülicher Straße Schauplatz für Menschen in goldenen Overalls, die Neues und Bekanntes mit anderen Augen sehen. „Gemeinsame Sache“ heißt diese Mission, mit der Althamer seit Jahren um die Welt reist. Goldene Zeiten also in Aachen-Nord, die es zu erleben lohnt.

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