Kindergrab auf der Hüls brutal geschändet

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
Hilflos: Marlies und Gerhard K
Hilflos: Marlies und Gerhard Kappich am geschändeten Grab ihres Sohnes Daniel, der nur acht Jahre alt wurde. Foto: Robert Esser

Aachen. 1988 verloren sie ihren achtjährigen Sohn Daniel, jetzt fürchten sie Nacht für Nacht um seine Grabstätte. Gerhard und Marlies Kappich sind entsetzt.

„Seit fast vier Wochen werden auf dem Friedhof Hüls täglich Gräber geschändet”, sagt Kappich. Unbekannte reißen Pflanzen heraus, verrichten ihre Notdurft an Grabsteinen, brechen Grablichter und -laternen mitsamt schwerer Befestigungssteine heraus und schleudern den demolierten Grabschmuck in die Büsche. Zuletzt fanden die trauernden Eltern einen Zettel vor dem Grabstein ihres Kindes. „Du Hurensohn”, stand darauf. Die Kappichs schalteten Friedhofsverwaltung und Polizei ein - leider ohne Erfolg.

„Betroffen sind weiterhin eine ganze Reihe von Gräbern”, sagt Toni Kürschner. Der Vorarbeiter der Friedhofsverwaltung hat die Grabschändungen detailliert dokumentiert. Die jüngste Welle begann am 27. August mit 15 Gräbern entlang des Flurs 31. „Es wird von Jahr zu Jahr mehr”, stellt Kürschner fest. Dutzende Grablichter lagern jetzt im Keller des Krematoriums neben dem Friedhof. „Wir haben den Angehörigen empfohlen, die demolierten Laternen erst zu ersetzen, wenn sich die Lage auf dem Friedhof wieder beruhigt hat”, erklärt der Vorarbeiter.

Warum der oder die Täter auf dem Friedhof randalieren, kann sich niemand erklären. Im Juli hatten sich zwei Brüder an einem Abend auf dem Friedhof Hüls auf die Lauer gelegt, weil das Grab ihrer Mutter verwüstet worden war. Sie stellten - schließlich mit Hilfe der Polizei - einen Verdächtigen, der offenbar erneut ans Grab des verstorbenen Familienmitglieds Hand anlegen wollte. Grundsätzlich gilt aber: Der Friedhof Hüls bleibt nachts für jedermann geöffnet. „Offen oder nicht - das dürfte kaum einen Unterschied ausmachen. Der Ostfriedhof ist nachts geschlossen, und der wird auch regelmäßig von Vandalen und Metalldieben heimgesucht”, berichtet Kürschner.

Im Juni konnten dort allerdings zwei Täter festgenommen werden, die Kupfer- und Messinggitter gewaltsam entfernt und mit ihrem brutalen Raubzug einen Schaden in Höhe von mehreren zehntausend Euro verursacht hatten. „Leider sind Festnahmen aber die Ausnahme”, räumt Polizeisprecher Paul Kemen auf Anfrage der Aachener Zeitung ein.

Die Polizei habe bereits Schwerpunkteinsätze auf mehreren Friedhöfen gefahren. Beamte in Zivil und in Uniform seien dort verstärkt unterwegs gewesen, erklärt Kemen. „Weil es so viele Friedhöfe in Aachen gibt, wäre es schon ein erstaunlicher Zufall, wenn wir einen Grabschänder oder -dieb auf frischer Tat ertappen würden”, schränkt der Polizeisprecher ein. Man sei auf Zeugen angewiesen, die bei verdächtigen Beobachtungen sofort die Polizei alarmierten, heißt es. Rund 70.000 Beerdigungsstätten liegen in Aachen auf insgesamt 28 Friedhöfen.

Vorarbeiter Toni Kürschner will bei seinen abendlichen Spaziergängen mit seinem Schäferhund jetzt noch häufiger an seiner Arbeitsstätte auf der Hüls vorbeischauen. Und auch Gerhard Kappich würde die geschändeten Gräber des Sohnes, der Schwester und der Schwiegereltern am liebsten gar nicht mehr aus dem Auge lassen. „Seit Beginn der Geschehnisse gehen wir fast täglich zum Friedhof. Und wir müssen hilflos mit ansehen, dass der Täter noch immer täglich sein Unwesen treibt”, erklärt der trauernde Vater. „Legen wir einen Stein zurück aufs Grab, liegt er am nächsten Tag wieder im Gebüsch.”

Als ob das Schicksal die Kappichs nicht schon schwer genug getroffen hätte.

28 Friedhöfe mit 70.000 Beerdigungsstätten

Im Keller des Krematoriums auf der Hüls hat Friedhofsvorarbeiter Toni Kürschner dutzende demolierte Grablichter und Vasen deponiert. Diebe und Grabschänder richten seit Wochen wieder enorme Schäden an. Nur selten gelingt es der Polizei, Täter auf den 28 Friedhöfen der Stadt, die 70.000 Beerdigungsstätten hat, aufzuspüren. Fahndungserfolge entstehen meist zufällig.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert